27
Aug
2009

Betrüger im Netz! Neueinstellung.

Sehr geehrter Benutzer,

in Ihrem Weblog haben Sie unter
http://mukono.twoday.net/stories/5887911/main

einen Beitrag veröffentlicht, der durch die Nennung von Klarnamen dazu
geeignet ist, Persönlichkeitsrechte zu verletzen.

Da eine Klagsdrohung vorliegt, wurde der Beitrag von uns offline
gesetzt. Sollten Sie ihn wieder online schalten wollen, nehmen Sie
vorher eine Anonymisierung der beteiligten Personen vor.

mfG,
A.A.A. Anonyma
Support „Werweißdenndas“





Betr.: Vorsicht, Betrüger im Netz! Auch die CEB ist betroffen!


Sehr geehrte Frau XYZ,

zuerst möchte ich Ihnen sehr für die prompte Bearbeitung meines Kreditwunsches, die schriftliche und verbindliche Zusage samt Absendung des Vertrages danken. Ich habe alles unterschrieben und abgesendet, auch die wichtigen persönlichen Unterlagen im Original. Bei Ihnen bin ich mir sicher, dass wie Sie bisher alles abgewickelt haben, es seriös zugeht und ich auch meine Unterlagen zurück erhalte. Ihre Bank ist seriös, mein Loblied ist Ihnen gewiss. Ich erwarte dann in den nächsten Tagen auch die zugesicherte Geldsumme auf meinem Konto. So kann sich ein alter Rentner noch ein paar Dinge leisten, bevor er ganz verkalkt. Sorry, das war ein Scherz... Sie sind wahrlich eine Bank der kleinen Leute, Sie haben ein Herz und halten die in Werbungen im Internet gemachten Versprechungen zuverlässig ein. Da soll noch mal jemand sagen, die Banker sind alle Verbrecher wie es Brecht einst formulierte („was ist der Einbruch in einer Bank gegen die Gründung einer Bank“). Nicht die CEB, sie ist eine Ausnahme! Jawohl.

Nun erhielt ich gestern eine Mail, Sie hätten noch ein paar Details (!) telefonisch zu vereinbaren und würden mich anrufen. Nun, nun, dachte ich, geht es darum, mir die Summe in Goldbarren auszuzahlen oder in Wertpapieren oder sonst was?
Ich erwartete Ihren Anruf. Sie haben nicht angerufen, Frau XYZ. Nun, nun, dachte ich, es werden wichtige Dinge dazwischen gekommen sein, wir sind ja im Prinzip einig...

Aber nun, nun, kommt der Hammer, der Skandal: Jemand hat angerufen und sich für Sie ausgegeben!

Diese Jemand nannte sich auch Frau XYZ. Und dieser Anruf hatte es in sich. Ich wurde oft gewarnt vor Betrügern im Internet, man hört so viel von Phishing und ähnlichem, aber doch nicht mit mir, dachte ich. Nun, Nun. Ich nenne mal diese Frau, Frau XYZ 2. Sie hatte auch die Unverfrorenheit zu bemerken, dass sie aus Frankfurt anrufe, Frankfurt am Main natürlich, die Stadt der Banken. Ha, CEB, ein Lob auf sie, hat ja auch ein Postfach in Frankfurt. Das muss diese Frau XYZ 2 wissen.
Liebe Frau XYZ (und jetzt meine ich nicht die Nummer 2), seien auch Sie gewarnt, diese Verbrecher sind abgefeimt bis ins letzte, wissen Sie, ich bin als alter Mann in meinem Leben mehrmals durch die Hölle gegangen und heil wieder heraus gekommen, wenn ich das so sagen kann, aber Sie sind vielleicht noch jung und naiv. Da gibt sich jemand für Sie aus, soll ich die Polizei verständigen oder tun Sie es?.
Ich habe das gleich geahnt, dass Frau XYZ 2 keine Angestellte bei einer seriösen Bank sein kann, worum es sich zweifelsfrei bei der CEB handelt, diese Frau sprach äußerst respektlos, hantierte mit leeren abgedroschen Worthülsen und wollte mir doch tatsächlich weismachen, dass Ihre Bank kurzfristig vor dem Auszahlen alle Vereinbarungen, (mühsam ausgehandelt und verbindlich geregelt, schriftlich abgesichert) nicht mehr gelten und wir mal kurz telefonisch (!) die Raten um ca. 20 % erhöhen, ich sollte da zustimmen!
Frau XYZ 1, so nenne ich Sie mal, ich sollte da zustimmen, am Telefon, blitzschnell, Sie selbst sind im Bankgewerbe, das hätte für mich eine Erhöhung am Ende von 1700 Euro bedeutet.
Sie sind seriös, CEB ist seriös, da muss man etwas unternehmen, Betrüger sind im Gange. Ich habe das schon an der Stimme der Dame gehört, ehrgeizig, skrupellos, wahrscheinlich sexuell frustriert, man kennt solche Yuppies aus dem Fernsehen und aus der Presse. Diese Menschen machen am Ende unsere Gesellschaft kaputt.
Ich habe natürlich abgelehnt und schriftliche Unterlagen verlangt, denken Sie daran, ich bin ein alter Mann, durch -zig Höllen gegangen, da lasse ich mich doch durch gewissenlose Yuppies nicht über den Tisch ziehen... allerdings standen mir meine paar Haare zu Berge, das gebe ich zu, vor lauter Verblüffung des Moment, ich konnte nur fest stellen „Hier ist etwas nicht fair!“
Ich rief meinen Anwalt an, ich habe eine gute Rechtsschuttversicherung nebenbei bemerkt. Natürlich, sagte er, ist da irgendwie ein Betrug versteckt, aber setzen Sie sich erst einmal schriftlich in Verbindung, ob der Anruf überhaupt echt war. Es ist sehr schwer, an solche Leute heran zu kommen.
Dann las ich das betreffende Mail noch einmal durch. Mein Anwalt hat recht, 100 %-ig“ das Mail ist nicht von Ihnen! Hier setzt der Betrug ein.
Unter andrem steht da „Die CEB N.V. garantiert nicht für die Richtigkeit dieser Nachricht und kann auch nicht für eine Verzögerung oder Versäumnis in dieser Nachricht haftbar gemacht werden“. Das ist es, mein Anwalt hat Recht, 100 %-ig.. Sie waren das gar nicht... Frau XYZ 2 hat mit mir gesprochen. Hier geschieht ähnliches wie beim Phishing, wir müssen uns wehren, die Crdeit Europe Bank muss sich wehren.

Ich harre auf Ihre Nachricht wie wir vorgehen. Ich bin voller Vertrauen auf die Überweisung auf mein Konto, auf die Einhaltung des Vertrages mit der fest gelegten Rate bis dahin

freundlichst
Ihr Kunde

Harald Fimmel

PS. wehret den Anfängen. Da ich als Autor eigene Webseiten betreibe (vielfach gelesen), werde ich diese Mail veröffentlichen. Wenn Sie noch etwas in eigener Sache hinzufügen möchten, lassen Sie es mich wissen.
Es geht doch darum, ein Loblied auf die Credt Europe Bank zu verfassen, damit die Menschen ihr vertrauen... wie sie zum Beispiel mit diesen Internetpiraten umspringt, nun, nun. Rufen Sie mich an. Die Nummer müssten Sie haben, Frau XYZ 1. Aus Frankfurt am Main.
Das ist übrigens gut, dass mich viele lesen, die Menschen sollen Bescheid wissen, was es für skrupellosen Banditen gibt, die sich für andere Leute ausgeben, angeblich eine wirklich vorbildliche und lobenswerte Bank vertreten, die CEB. Leute, merkt euch den Namen.
Übrigens, das Telefonat habe ich aufgezeichnet, sollte es Sie interessieren?
493

Bericht über die Machenschaften einer Bank

Freunde,

ich setze hier noch einmal etwas rein :-)
Im vorletzten Beitrag sang ich ein Loblied auf eine Bank, und wenn irgend jemand total bescheuert ist, kann ich nur empfehlen dort einen Kredit aufzunehmen.
Jetzt bekam ich eine Nachricht, dass der Beitrag. der in keiner Weise irgend etwas Falsches behauptete, vom Netz genommen wurde wegen der Drohung einer Klage, da Klarnamen genannt wurden.
Joi, bravo, in diesem Staat darf man Politiker beleidigen wie einem gerade zumute ist, aber doch keinen Namen von einer Angestellten einer dubiosen Bank nennen. Wo kommen wir denn dahin?

Jetzt also zur Korrektur, die Dame, die da anrief hieß nicht (wer sich noch erinnert) Frau Er...iz. sondern Frau XYZ und die Bank, war in Wahrheit ein Kindergarten mit lauter lieben Erzieherinnen, wählen
Sie

Darlehen - Pfandbriefe, Credit (x), Schuldanweisung
Erdteil - Afrika, Amerika, Europe (x)
Verein - Bank (x), Kindergarten, Bierbar

Und dann gehen Sie einen Kreditvertrag ein, wenn einige Leute sich nicht nur dumm, sondern dumm und dämlich verdienen sollen...
Und am 27.9. wählen Sie am besten eine Christlich soziale Par... äh Vereinigung.

Max Liebermann "ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte..."
390

23
Aug
2009

Wegen technischer Probleme geschlossen

Allen Freunden ein herzliches Dankeschön

http://www.youtube.com/watch?v=EpKKYFPQkV8

bis bald, nun

es gibt ein Wiedersehen, wo, wird sich finden lassen :-))

Euer

Mukono
424

22
Aug
2009

ohne titel

die große weite welt

ist ein wilder hund,

der im garten kläfft

und die blumen abfrisst...


das kleine kätzchen

zittert vor angst

in meinen armen

ruhig, ganz ruhig

ich habe ja, ja

das tor

fest verschlossen

hab keine angst

meer/ katze

murmle ich

meine worte in

ihr dichterfell

beruhigend
427

16
Aug
2009

Erinnerungen 33

Bei Kasiske ist der Abend wie ein langes ruhiges Ausatmen nach einem anstrengenden Lauf. Man kann dieses entspannte Wohl-fühlen selbst bei Leistungssportlern beobachten, wenn sie nach dem Ziellauf auf dem Rasen sitzen neben der Aschenbahn und auf die Ergebnisse warten. Sie setzen dann so einen abwesenden Kuhblick auf, während sie die Muskeln lockern wie – ich habe alles gegeben, was nun kommt, liegt nicht mehr an mir. Der träumerische Glanz in den Augen eines Menschen, der sich verausgabt hat...

Es herrscht eine friedliche Ruhe in der Straße, etwas rötliches Licht von der untergehenden Abendsonne ergießt sich durch die Straße wie die sanfte Musik einer Harfe begleitet von einem klagenden Saxophon.

Farbe ist für die Augen wie die Musik für die Ohren. Wenn man es genau nimmt, braucht man nur die Umwelt richtig wahr zu nehmen, und so mancher könnte sich seine Psychopharmaka ersparen. Darum kommt es auch darauf an, dass man in einer schönen Wohnung lebt, nicht wahr.
B. hat es mich gelehrt und mit ein paar Veränderungen die Schönheit irgendwie frei gemacht, die ja latent vorhanden war, nicht zuletzt durch U., meiner ersten Frau, welche mit mir den Grundstock legte, wir waren darin ein tolles Team.
Auch sie hatte so ein Gefühl für das Außen und Innen, und die Harmonie, die dazwischen schwingt. Und da jeder ein anderes Innen hat, braucht auch jeder ein anderes Außen.
Als junger Mann beschloss ich einst, U. zu meiner Frau zu machen, als ich ihre Wohnung sah... meine Gedanken sind bei U. Ich fühlte mich zu Hause bei ihr, heimgekommen wie nach einer langen Wanderung endlich angelangt. Erst später wurde mir klar, dass es besser ist nie anzukommen, sondern immer auf dem Weg zu sein. Nichts ist schädlicher für den Menschen, als in einem Zustand zu verharren, früher dachte ich, das gelte nur für Zustände, die unangenehm sind, heute denke ich, es gilt für jeden Zustand. Ja. Ja, wenn man zum Augenblicke sagt, verweile doch, du bist so schön, hat man sich schon in die Hand des Teufels begeben...

Es war wohl diese neue Wohnung, welche die Leere in U. widerspiegelte, ich erinnere mich an ihren Blick und dann die Worte, jetzt bin ich im Westen angekommen, das ist nicht mehr meins, und sie sprach genau besehen das aus: Das ist nicht mehr meine Welt, ich habe keine Welt mehr, in der sich mein Innen im Außen entdecke. Ich dagegen fühlte mich sofort wohl, und das verzieh sie mir nicht. Vielleicht, ihr Abschiedsbrief an mich war ungewohnt liebevoll, hat sie mir zum Schluss verziehen. Doch Schluss besagt auch, es kommt nicht darauf an, auf das Verzeihen nämlich, Schluss ist Ende, und danach passiert nichts mehr, sonst wäre ja kein Ende. Sondern irgendwie etwas wie die Ewigkeit. Und da behüte uns Gott vor.

Wenn ich mir für den Fall einer Ewigkeit etwas aussuchen könnte, dann möchte ich sie bitte mit E. verleben. Natürlich in der Hoffnung, dass die Ewigkeit nicht ganz so ewig dauert, die alten Frommen übertrieben ja halt gern ein wenig.
Auf dem Foto über dem PC hat E. den wunderbar lässigen Blick der Afrikanerin, dazu das angedeutete Lächeln, rätselhaft wie das Lächeln der Mona Lisa, na klar, sie schaut durch mich durch, wenn ich am Computer sitze – und lächelt über mich, was ich auch schreibe. In aller Ewigkeit, he, wir wollen es nicht übertreiben, so lange, bis das Foto vergilbt ist, oder ich selbst bin schon vorher vergilbt. Aber wenn man einigen nicht dummen Leuten glauben mag, bin ich eh für die Hölle bestimmt.

Der Ausweg bestand für U. darin, aus dem Leben zu scheiden, denn zwischendurch mal immer wieder gerettet - die sterilen Krankenräume mit den weißen Betten und dem Licht der Leuchtstofflampen einer westlichen Psychiatrie Station waren auch nicht gerade ein Heim, und das Wort kommt von Heimat oder umgekehrt. Die Heimat war ihr gründlich verloren gegangen, dazu gehörte die gemeinsame Wohnung mit mir. Sie zählte auch zu den Menschen, die ihr Seelenheil von der Anwesenheit eines anderen abhängig machen. Wer einmal entdeckt hat, dass es nicht der Fall ist, dass man nur von sich selbst abhängig ist, für den ist auch die Umgebung plötzlich nicht mehr wichtig. In einer Slum Hütte in Nairobi, hatte ich entdeckt, ich fühle mich überall wohl, wenn das Ich das Ich-Selbst bleibe. Und in dem winzigen Platz in einem Zirkuswagen, der sich auf eine Pritsche und einem Nachtschränkchen reduzierte, habe ich es schon als junger Mensch entdeckt. Ich war da so glücklich, was hätte ich noch zu erzählen... Das Außen ist Nebensache wie ein angenehmer Luxus, eigentlich überflüssig... es kommt auf das Innen an. Immer muss man innerlich frei bleiben. Wer mich dieser inneren Freiheit berauben möchte, hat schon verloren, hat schon verloren, hat schon verloren... ja; ja, ja, das ist eine Litanei in meinem Leben, kein Herrscher über mich, als ich selbst.

Ich ergehe mich in Träumen wie ich mein Leben wieder neu gestalte, jetzt erneut allein, wie fühlt es sich an, wenn ich mir eine Katze anschaffen würde. Nachdenklich betrachte ich Bilder im Internet über Katzen. Wie wäre es, wenn ich nach Kenya auswandern würde, die Stiefkinder würden mit mir leben. Möchte ich das? Nein, weder Katze noch Kenya... alles ist denkbar. Schon die Existenzialisten entdeckten, derjenige ist wirklich frei, der alle seine Möglichkeiten erkennt und dann eine wählt. In diesem Verständnis war U. in den Momenten ihres selbst gewählten Sterbens vielleicht das erste Mal wirklich frei. Manche sagen, frei sein, bedeutet glücklich sein...

Es sind alle vier Tische vor der Kneipe besetzt mit je einem Mann. Einer löst ein Kreuzworträtsel, zwei lesen und einer guckt und macht sich seine Gedanken allein, das bin ich. In der abendlichen Stimmung wirkt alles gedämpft und verträumt, ein wenig unwirklich, selbst das Rufen und Lachen der Kinder vom Spielplatz nebenan gehören dazu. Ich erlaube mir voller Nachsicht ein Guinness.
Der das Kreuzworträtsel löst, ist der Kellner. Er trägt am Kinn so einen dünnen Ho-Chi-Minh Bart und grinst verschmitzt wie einst Meister Nadelöhr im DDR-Kinderfernsehen. Ich weiß nicht warum, aber es scheint Mode zu werden für die jungen Männer diese lächerlichen Kinnbärte zu tragen, jeder zweite hat schon einen in Berlin... ich weiß wirklich nicht, warum. Vielleicht, neulich sah ich im Fernsehen, dass diese Jugendlichen im Internet alle kostenlose Pornos gucken und seltsam sexsüchtig werde, Sex ohne Liebe, es geht scheinbar... vielleicht, dass darum die jungen Männer diese langen dünnen Bärtchen an der Kinnspitze tragen, es entstehen möglicherweise beim Oralverkehr besonders selige Zustände für die Frauen... ich denke mal nicht weiter darüber nach.
Diese Pornographie im Internet ist ja wirklich verblüffend für einen ehemaligen DDR-Bürger. Nix für ungut, aber seitdem jede zweite Internetuserin sich wie Jeanne d'Arc auf die Barrikaden schwingt, neben sich mit flammenden Worten einen Robespierre der Neuzeit... weil eine katholische Familienministerin Kinderpornographie im Internet zugegeben reichlich ungeschickt bekämpft, fange ich an zu zweifeln. Wenn diese Pornographie noch zugelassen ist, was wollen diese Heldinnen und Helden der Freiheit eigentlich? Noch mehr Freiheit? Das wäre ja dann nur noch Kinderpornographie...

Der Mann neben mir beginnt zu telefonieren. Ich kenne diesen Typ Menschen, trinke mein Guinness aus und beschließe Morgen darüber weiter zu schreiben... nachher kommt noch das Hundert-Meter-Finale der Männer, ich muss heim, wenn man das als Heimat sieht.
Nach dem Lauf werden wieder einige auf dem Rasen sitzen und die Muskeln lockern und mit diesem Kuhblick auf die Ergebnistafeln schauen... ich sehe das zu gern. Obwohl es ja nicht wichtig ist.
479

Die Ziege

Die Sonntagsgeschichte, Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind wie immer rein zufällig :-)

Ziege

http://herbsforum.plusboard.de/die-ziege-t266.html
372

11
Aug
2009

Flickflack

Eine alte Geschichte neu bearbeitet:

Der Mann betrat seine Wohnung. Er war den ganzen Tag unterwegs und hatte sich zum Abendbrot in einer kleinen Gaststätte eine Knacker mit Butterstulle und drei Biere geleistet. Er fühlte sich wohlig entspannt.
Schon als er die Tür öffnete, er zog ein wenig die Luft durch die Nase, überkam ihm das ganz sichere Gefühl, allein zu sein.
Der Mann hängte seine Jacke an den Haken und die Mütze darüber. Obwohl er schon beim Eintreten das Flurlicht eingeschaltet hatte, fiel ihm erst jetzt der kleine Zettel ins Auge, der auf dem Fußboden lag. Er hob den Zettel auf und las:
„Mein Schlüssel liegt unter dem Fußabtreter.“
Ganz leise öffnete der Mann noch einmal die Tür, schaute verstohlen nach rechts und links, niemand zu sehen. Er beugte sich schnell und lüftete die Matte. Tatsächlich, da lag der Schlüssel. Schnell nahm er ihn, schloss wieder die Tür, steckte den Schlüssel von innen ins Schloss und drehte ihn zweimal herum. Dann ging er zu seiner Jacke, ja, dort in der Tasche befand sich sein Schlüssel am Bund. Fast auf Zehenspitzen schlich er zur Kommode, ihr Geheimfach, nein, jetzt war es sein Geheimfach, dort lag der dritte Schlüssel. Und mehr Schlüssel gab es von der Wohnung nicht.
Unbewusst fing der Mann an zu pfeifen. So ein Tag, so wunderschön wie heute...
Er erschrak sich, aber warum, er war doch allein. Er öffnete die Schränke. All ihre Sachen waren verschwunden. Ich bin allein, dachte der Mann, und ein fast ungläubiges Lächeln huschte über sein Gesicht. Dann wurde ihm bewusst, dass ihn ja keiner beobachten konnte, und er stieß ein lautes „Haha!“ aus. Nichts passierte. Es schien keine Sonne, da brauchte auch er keinen Schatten werfen.
Nun ging er zum Telefon und hob den Hörer ab. Er drückte auf Anruferliste, unbekannte Anrufe (4). Der Anrufbeantworter sagte mit freundlicher weiblicher Stimme: „Es sind keine neuen Nachrichten für Sie eingetroffen.“ Eigentlich müsste der Anrufbeantworter Anrufbeantworterin heißen, überlegte der Mann.
So ein Quatsch, dachte der Mann und kicherte. Zuerst entwickeln sie Telefone, auf denen man gar nichts sieht, dann entwickeln sie Telefone mit Display, auf dem die Nummern der Anrufer erscheinen, dann entwickeln sie Telefone, dass man anonym anrufen kann, und die Nummer nicht mehr erscheint, und alle Welt ruft anonym an, jetzt müssten sie wieder Telefone entwickeln, die nichts anzeigen.
Der Mann kicherte. Drei Biere, dachte er, ich werde doch nicht betrunken sein.
Er schaute in den Kühlschrank. Da stand eine Flasche weinhaltiges Getränk. Das hatte sie immer gern getrunken, praktisch Bonbonwasser, aber zum Rauchen gut, wenn man so einen Geschmack in den Mund bekommt. Eine Gefahr zum Alkoholismus besteht nicht, man könnte einen Eimer voll austrinken. Also, goss er sich ein Glas voll und setzte sich auf den Schaukelstuhl, auf dem Tisch daneben stand das Telefon bereit zu Custers letzte Schlacht, und er rauchte. Also, wenn er jetzt einen Westernhut (heißt der Stetson? , dachte er) auf dem Kopf hätte, würde er ihn sich in die Stirn ziehen, und dazu müsste die Musik von „12 Uhr mittags“ erklingen. Der Mann saß, rauchte, schaukelte und wartete. Er war sehr entspannt. Er war bereit zum letzten Duell, wo ein Mann noch ein Mann sein musste.
Dann klingelte das erste Mal das Telefon. Er wartete zweimal das Läuten ab und nahm dann den Hörer in die Hand.
„Ja?“
„Hast du es bemerkt, ich habe dich verlassen.“
„Ja“, antwortete der Mann ganz ruhig, „hab ich bemerkt.“
„Und!“ Sie schrie fast in den Hörer.
Der Mann wunderte sich etwas.
„Ist damit alles für dich erledigt, oder wie?“
Er hielt den Hörer etwas vom Ohr, das war arg laut.
Dann wurde es still.
Also sprach er.
„Ja, du hast ja den Schlüssel da gelassen, denn wäre so weit alles erledigt.“
Sie kreischte. Er legte den Hörer auf den Tisch und wartete, trank einen Schluck ihres Bonbonwassers und zog an seiner Zigarette. Dann verstummte das Kreischen, er nahm den Hörer wieder auf. Sie hatte sich anscheinend beruhigt.
Sie sprach:
„In meinen Augen bist du ein Tier.“
„Ja“, sagte der Mann.
„Was heißt hier ‚ja’?“
Offenbar wollte sie wieder mit dem Kreischen anfangen.
„Na ja“, antwortete er schnell, bevor es los ging, “ein Tier würde ich auch verlassen.“
Dieser Satz schien ihr das Kreischen zu ersticken. Er wartete. Dann legte sie den Hörer auf.
So, dachte der Mann, und er drückte seine Zigarette aus, vielleicht ist ja damit die Schlammschlachtphase schon erledigt. Er hasste es, aber so war das Leben: Da musste man durch, und was danach kommt, du muss man auch wieder durch.

Dann überlegte er. Vor dreißig Jahren hatte er immer die Zirkusartisten mit ihren Flickflacks bewundert, also, ein Salto rückwärts mit den Händen abstützend. Und er hatte gedacht, das könnte ich auch. Ich bin ja allein, ich probiere es einfach mal. Er stellte sich auf den Teppich. Das Entscheidende ist der richtige Absprung, das ist die Mutfrage, alles andere läuft von allein, Wirbelsäule strecken nach hinten, Arme weit über den Kopf, landet man erst mal auf den Händen, ist das Ding gelaufen, und er sprang ab. Nun, er landete nicht elegant auf den Fußsohlen, aber immerhin ein Salto war es, wenn er auch auf allen Vieren hockte.
Mann, dachte der Mann, muss ich erst fünfzig werden, um den ersten Flickflack meines Lebens zu schaffen. Er setzte sich hin und lachte und lachte.

Das Telefon läutete. Er ging nicht ran. Männer weinen nicht. Es ist eine alte Geschichte, und immer geschieht sie neu, doch wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei...
434

9
Aug
2009

Erinnerungen 32

Das Radio dudelt fröhlich wie Schulkinder am letzten Schultag vor den Ferien freche Verse trällern...

...Der stadtbekannte Penner darf nicht fehlen in der Kleinstadt. Er trägt einen fadenscheinigen Anzug, der muss vor dem Krieg gekauft worden sein. Im Krieg war er verschüttet, wahrscheinlich Mann mit Anzug, in seiner Stirn klafft eine Handteller große Delle von einem Bombenanschlag., der ihn grausam verletzte. Er geht gegen den Wind über den Kirchplatz und lallt und schwenkt seine langen Arme, als diskutiere er mit jemandem.
Die Kinder kennen ihn. Sie kommen aus der Schule wie die Häftlinge, die entlassen wurden, und sind voller Übermut.
Komm mit, rufen Dieter und Peter, da drüben ist Hermann Lau.
Kinder sind anders, sie leben nur für den Moment. Schien es doch gestern noch, als wäre die Schulzeit eine lebenslanger Gefängnisaufenthalt, erstreckt sich nun die Ferienzeit aus wie das verheißene Paradies der ewigen Seligkeit. Die Sonne flimmert, die Mücken schwirren, das Kindergeschrei schwebt in der Luft wie eine Wolke, nur eine Wolke macht den blauen Ferienhimmel wahrlich lebendig und schön.
Die Schulranzen fliegen in den Torbogen des Schulgebäudes... wer ist der Erste bei Hermann Lau.
Sie schreien im Chor, Hermann Lau, der ist blau, eine alte Sau, komm aus deinem Bau, Hermann Lau. Der große düstere Mann schwankt, fast rennt er, als verfolge ihn eine Bienenschwarm.
Hermann Lau, schreit der Junge, hat keine Frau - die arme Sau, schreien die Kinder. Die Gasse führt an eine sandige Stelle vorbei, dort liegt ein Haufen Kopfsteinpflaster. Der düstere Mann beugt sich und dreht sich um, er wirft einen Stein und nuschelt und schreit plötzlich auf wie ein gequältes Tier, ihr, ihr, ihr.... geht nach Hause, geht, geht nach Hauhause...
Fröhlich kreischend stieben die Kinder auseinander wie ein Spatzenschwarm.
Zu Hause wartet die Mutter mit Pellkartoffeln und Leinöl und einem Löffel Butter. Und Salz wie die Würze des Meeres. Iss erst einmal Junge.
Sie studiert das Zeugnis.
Na ja, sagt sie und schließt das Heft, geh dann zum Papa im Laden und zeige es ihm.
Kann ich dann gleich zum Wolkensee, fragt er, er hat doch neuerdings ein Fahrrad. Die Mutter lächelt. Aber zum Abendbrot bis du pünktlich zu Hause, hörst du.
Der Laden ist voller Kunden, Papa steht an der Kasse aus gelbem Holz, die so wundervoll bimmelt, wenn man sie öffnet.
Er schiebt sich hinter den Ladentisch und zeigt dem Vater das Zeugnisheft. Wie viel Taschengeld wird es wohl geben? Die Kunden sind Frauen vom Dorfe.
Der Papa muss doch erst einmal das Zeugnis anschauen, sie lachen und nicken mit den Köpfen wie schnatternde Gänse. Er schmiegt sich an den Vater und schaut möglichst klein drein, das kommt besser an, das Engelchen.
Der Papa blättert theatralisch das Heft auf.
So, so, sagt er, und streicht sich über den dicken Bauch.
Im Rechnen eine zwei, aber im Fleiß eine vier...
Nun ja, nun ja, murmeln die Frauen und zwinkern ihm zu, er ist ja noch so niedlich. Er probiert einen Augenaufschlag. Und weiß schon da, es wird sich ändern im Leben, wie sich alles immerzu ändert. Wenn man erwachsen ist, ist man nicht mehr niedlich. Doch warum daran einen Gedanken verschwenden?
Ja, ja, der Papa lässt die Kasse klingeln, eine Mark wird es wert sein. Er brummt wie der Weihnachtsmann.
Ach nein, schnattern die Frauen, zweie sollten es schon sein, nicht wahr, der Scholli.
Er ziert sich und greift flugs in die große warme Hand mit dem Geldstück, das zweite dazu. Dann flitzt er wie ein Derwisch davon, jeder weiß ja, dass selbst der Teufel einmal ein Engel war.
Die Beurteilung interessierte doch niemand: H. könne weitaus bessere Leistungen vorweisen, wenn er ehrgeiziger und darum fleißiger wäre, auch lasse seine Ordnung zu wünschen übrig, als einziger Schüler der Klasse ist er immer noch nicht den Jungen Pionieren beigetreten.
Daran waren ja wohl mehr die Eltern und der Herr Pastor schuldig. Es las aber gar keiner diese Beurteilung. Sie hatten keine Zeit dafür, pah, was soll 's.
Das glücklichste Kind ist das wilde Kind...

Der Gedanke führt mich aus meinen Tagträumen, als nehme er mich an die Hand wie ein liebevoller Führer der Vernunft den Toren und Träumer zurück ins Leben des heutigen Tages. Schau an, sagt er, auf den hellen Dielen flimmert die Sonne freundlich, als würden Kinder Glasmurmeln trudeln, durch die offenen Balkontüren siehst du den blauen Himmel und auch das Wechselspiels des Lichts in den grünen Baumwipfeln gegenüber... so, so. Sehr schön, denke ich, und ich beschließe dem Radio den Hals abzudrehen wie einem aufdringlichen Schurken, es hört sich an, als wenn Udo Jürgens eine neues La, la, la Lied komponiert habe, irgendwie eins wie das andere. Na ja, ein Mozart hört sich auch an wie der andere...
Ich lege eine Schallplatte auf, diese schwarzen Scheiben waren in der DDR so wichtig, wunderbare Klassikaufnahmen, zum Glück funktioniert noch der alte Player. Isaac Stern und David Oistrach fiedeln Vivaldi und es hört sich an als würden sich zwei Freunde mal über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens unterhalten und die sind unglaublich heiter. Au den Dielen vor den Sportgeräten hinten im Schlafzimmer liegt ein weißes Tuch, wie ich es benutze, um mir den Schweiß abzuwischen...

Ich schließe kurz die Augen und lasse den Kopf auf der Sessellehne ruhen, die Musik trägt mich... ein Mann wacht auf und sieht ein Tuch auf den Dielen, die Frau ist verschwunden wie eine Fata Morgana, er springt auf, im Regal auf dem Flur liegt noch das Geld für die Hure, er nimmt das Tuch und springt die Treppen hinab, Musik trägt, die Straße entlang, Autos hupen, zur U-Bahn, aussteigen... irgendwo sieht er die Frau, durch Menschengewimmel... er fasst sie an den Arm, sie dreht sich um, ihr Gesicht ist voller Tränen... du hast dein Geld vergessen, Maria... sie schluchzt, ich will dein Geld nicht, Fremder...

Ich öffne die Augen, grinsend zum blauen Himmel da durch die offene Balkontür hindurch, die Fantasie ist manchmal autobiographisch, aber das Leben ist so, Huren lassen kein Geld liegen. Mitunter muss man alt werden, um das zu begreifen. Niemand tut etwas für dich umsonst.

B. ruft an. Wie geht es dir, will sie wissen. Ganz gut, sage ich und verschweige, dass eine Hure kein Geld wollte, ist es doch eh nur ausgedacht.
Schreibst du, fragt B.
Man kann nicht immerzu schreiben, antworte ich und versuche meiner Stimme einen dunklen geheimnisvollen Klang zu geben... Sie lacht. Was machst du?
Ach, ich knurre.
Dann fällt mir etwas ein. Weißt du, ich denke, es gibt ungefähr zehn Jahre in der Kindheit, die verstecken sich in den Erinnerungen wie jemand beim Blindekuhspiel unter einer Decke. Da lebt das Kind so scheinbar planlos, es ist nicht wichtig, ob es sich später daran erinnert, das Kind lebt wie ein Fischlein im Bach. Seltsamerweise existieren von diesen zehn Jahren auch kaum Fotos.
Hm, meint B. Sie scheint nachzudenken. Hast du dich als Kind in der DDR eigentlich unterdrückt gefühlt, als ob man dich klein machen wollte?
Ich denke auch nach. Klein machen wollen einem eigentlich immer nur Leute, die sich selbst größer machen, als sie sind. Ich glaube, ich habe das schon als Kind durchschaut. Ich habe darüber gelacht.
Später als Jugendlicher habe ich mich unterdrückt gefühlt wegen der erbärmlichen Heuchelei, ja, ja... ich stutze, und du?
B. stutzt auch, ich war ja ein braves und fleißiges Kind, da gibt es auch nichts zu erzählen. Na, klar, es geht ja nicht um ihre Erinnerungen...
Ich lege auf.

... Vor dem Laden wartet Peter, der neue Freund, der plötzlich vom Himmel gefallen ist, als Nachbarsjunge. Er ist groß, blond und schlaksig, in den Augen immer den Schalk.
Erst fünfzig Jahre später erfahre ich, dass seine Mutter eine Trinkerin in Halle war, und seine neue Mutter, die Frau nebenan ihn aus dem Heim holte. Ihr Mann, sein wirklicher Vater, war ein zuckerkranker Alkoholiker, ein selbständiger Ingenieur und Architekt, der gutes Geld verdiente. Abends soff er mit den Bonzen von der Kreisleitung der Partei... das interessierte die Kinder doch nicht.

Kommst du mit, fragt Peter, ich will dir mal was zeigen. Er lacht verschmitzt und er hat aber auch den Ausdruck eines zutiefst verletzten Kindes hinter dem Lachen.Das Nachbargrundstück ist eine kahle Fläche, im Krieg wurde hier ein Haus ausgebombt. Das Vorderhaus, die hinteren Gebäude stehen noch, unter anderem auch das Heim von Peters Familie. Auf der kahlen Fläche vorn ist noch der Kellereingang stehen geblieben. Peter hat einen Schlüssel besorgt für die alte Holztür, dick wie ein Tor in einem verwünschten Schloss aus dem Märchenbuch... er hat eine Taschenlampe mitgebracht, die Jungen balancieren durch die Dunkelheit hinter dem dem kleinen Lichtkegel wie die Schatzsucher in dem Buch, das er gerade gelesen hat, und der Junge hat das Gefühl, Long John Silver wäre ihnen auf den Fersen, und er hört in dem morschen Gang das Klopfen des Holzbeins, es ist doch nur das Klopfen des eigenen Herzens in der Brust. Peter stößt eine Kellertür auf, es zeigt sich, er hat sich hier einen Raum eingerichtet. Mit einer schnellen Bewegung zieht er ein Sacktuch von einem glaslosen Fenster, nur ein rostiges Gitter davor.
Der Junge ist fasziniert, sieht man das nicht oben?
Ach, da sind nur Steine und Sträucher, da kümmert sich keiner. Peter winkt großartig lässig ab. Er setzt sich auf einen kleinen Schemel an eine Obstkiste, er hat es sich hier gemütlich gemacht. Der Junge betrachtet einen Stahlhelm mit einem Einschussloch.
Original vom Krieg, Peter grinst.
Peter trägt eine Lederhose mit breiten Hosenträgern, quer ein Lederband vor der Brust, da ist eine Tasche drin. Er zieht den Reißverschluss auf und holt Zigaretten heraus.
Auch eine rauchen?
Großartig lässig reicht er die Schachtel herüber.
Der Junge hustet, aber raucht tapfer weiter. Eine Katze schaut durch das Kellerloch herein, als wundere sie sich sehr über die Kinder. Peter wirft einen Stein.
Der Junge ist fasziniert und ihm ist ganz schlecht.
Übrigens, sagt Peter und grinst etwas schief, in diesem Keller war Hermann Lau verschüttet...
Kommst du nachher mit Baden zum Wolkensee, fragt der Junge.
Nee, antwortet Peter, ich habe doch Stubenarrest vom Alten wegen dem Zeugnis.
Was ist das, Stubenarrest, fragt der Junge und drückt endlich die Zigarette aus...

Die Schallplatte ist aus.
Ich koche mir einen Tee. Vom Hinterhof schallt Lachen herauf. Der Mann, den alle heimlich Blockwart nennen, hat endlich eine Freundin gefunden. Sie sitzen beide auf der Terrasse seiner Wohnung und trinken Kaffee. Von meinem Fenster auf könnte ich ihnen auf die Köpfe spucken. Das tue ich aber nicht.
Sie haben laut das Radio an, Udo Jürgens singt schon wieder. Wenn ich einmal tot bin, wird er immer noch singen, vielleicht mit Heesters ein Duett.
Wegen dem Zeugnis, murmle ich ich halblaut.
In dieser Kleinstadt in der Uckermark wird bis heute eine abenteuerliche Grammatik betrieben. Ich trage das noch als Erbe mit mir herum. Datt werd ick auch nich mehr los. B. war immer gut im Korigieren, unersetzlich quasi. Sie fehlt mir.
Ich gieße den Tee auf.
Ich liebe diese Sonntage ganz allein für mich. Ja, ja,
Die Nachbarin unter mir, diese breit hüftige große Tschechin mit dem breiten freundlichen Gesicht hat sich eine weiße langhaarige Katze angeschafft. Sie hat sie mir stolz gezeigt, als ich mein Paket abholte. Sehr, sehr schön mit glänzenden Augen wie Bernsteine in der Sonne. Vielleicht schaffe ich mir auch eine Katze an.
Ach ja, im Paket war eine Jeans, die habe ich mir bestellt über den Versand von Otto. Größte Kindergröße, passt wie angegossen. Ich ziehe sie dann als Haushose an, statt der wunderbaren Trainingshosen, die manchen Leuten nicht gefallen.
Ja, die trage ich jetzt, ja, ja...
Warum schreibe ich so etwas überhaupt hier rein?
Pffh, warum nicht? Viele schreiben doch hier ihre privaten Nichtigkeiten hinein, oder nicht. :-)) Wenn man es genau sieht, ist die ganze Welt nichtig.

In diesem Alter spielte ich an langen Sonntagen oft Klavier, aber nur, wenn es regnete. Mein Papa lag auf der Couch und hörte mir zu und begann zu schnarchen im Takt.
Da gibt es sogar ein Foto... Ich muss mal nachschauen. KlavierO, mein Gott, das war vor fünfzig Jahren. Wir lernten die ersten Witze über Walter Ulbricht, um mal den politischen Zusammenhang herzustellen. Das ist der mit dem Ziegenbart, und wir bekamen die ersten Lektionen, wo man das sagen darf und wo besser nicht, ja, sorry, ich gerate ins Schwatzen. Jetzt müsste mal ein Foto von Ulbricht...
180px-Bundesarchiv_Bild_183-A1227-0009-001-2C_Walter_Ulbricht Grins, da ist er ja, der Ziegenbart :-))
453

In dieser Nacht schien der Mond

Die Sonntagsgeschichte.

http://herbsforum.plusboard.de/in-dieser-nacht-schien-der-mond-t225.html
356

2
Aug
2009

Der Friseursalon

Die Sonntagsgeschichte :-)) :

http://herbsforum.plusboard.de/der-friseursalon-t117.html

Einen schönen Sonntag allen Leserinnen und Lesern, sowie ein allseits sonniges Gemüt voller Heiterkeit und Sanftmut wünscht
Snapshot-of-me-8
433

29
Jul
2009

Erinnerungen 31

Endlich ist die Luft einmal klar wie der frische Atem eines Babys und nicht drückend schwül wie der eines alten Mannes, der zudem auch noch zuckerkrank ist. Leichtfüßig gehe ich spazieren und zähle die Schritte nicht mehr ,als wäre ich ein Marathonläufer vor dem Ziel. Der Weg ist noch weit, wenn man Glück hat.
Erst die Bekanntschaft mit B. hat mich zurück geholt ins Leben. Nach dem Tod von E. wollte ich wohl nicht mehr leben wie der englische Patient in den Binden. Ich fühlte mich damals auch so, als wäre ich eine Mumie. Aber wir können selbst unser Ende nicht bestimmen, als wären wir die Regisseure unseres eigenen Lebensfilms.
Es ist unermesslich, was diese Frau geleistet hat, ein Todgeweihter wurde zurück geholt ins Leben. Natürlich kann der Selbstmörder sein Leben beenden, doch das ist gegen die Natur. B. hat mich gelehrt, noch einmal Ja zum Leben zu sagen. Sie ist auf Reisen, vielleicht auf der Suche zu sich selbst, ich erwarte sie zurück in der mir so geliebten Heiterkeit.
Auf dem leeren Spielplatz laden die Bänke zum Sitzen ein. Auch B. konnte nur offene Türen einrennen, keiner von uns ist ein Übermensch...

Die kleinen Wolken segeln im Himmels blau wie Notiz Zettel, die beschrieben werden wollen. Ich übe mich in Tagesträume zu denken, vielleicht fallen mir ja ein paar Sätze ein, die darauf Platz haben. Auf den Zetteln. In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist, das ist zwar eine zweifelhafte Aussage... aber klingt gut, wie so manche Plattitüde.
Es gibt die Hygiene des Körpers und die Hygiene des Geistes, gesunde Ernährung und Reinigung sind die einfachen Dinge und die Grundlage, die Grundlage dafür auch das Denken zu kontrollieren, und darauf kommt es an. Die Wahl der geistigen Nahrung ist mindestens so wichtig wie die Vollkornnahrung für den Diabetiker. Wer sich damit begnügt Werbezettel von Supermärkten zu lesen oder tagsüber Daily soaps konsumiert wie die immer gleiche dünne Kohlsuppe, braucht sich nicht zu wundern, wenn er verkümmert wie ein Tabletten abhängiger. Das wahre Problem unserer Zeit sind die kranken einsamen Menschen., die geistig darben.
Träge lasse ich die Gedanken mit den Wolken reisen.

Ein großer, grauhaariger, leicht gebeugter Mann mit einem müden Gesicht spricht mich an, ob neben mir der Platz noch frei wäre. Ich antworte, ja, natürlich und versuche mich nicht stören zu lassen. Wenn er schwatzen möchte, habe ich immer noch die Möglichkeit meine Hörgeräte ausschalten zu können, mein Privileg in diesem Leben.
Ein Blick belehrt mich, er will nicht schwatzen, er will rauchen und schweigen und traurig sein.

Alles in einem Menschen ist nur das Wollen und natürlich die Vorstellung, überlege ich. Die Erkenntnis und der Wille zur Veränderung. Man müsste mal wieder Schopenhauer lesen. Neulich sah ich im Fernsehen eine Sendung über unsere Art der Wahrnehmung. Schon ein einfacher Versuch zeigt, dass wir nicht in der Lage sind einen wirklich existierenden schwarzen Punkt auf einem weißen Blatt zu erkennen, wenn wir es dicht vor die Nase halten. Wer zu dicht dran ist, erkennt die Welt nicht mehr, oder die Welt ist anders, als du denkst. Da jeder Mensch anders wahrnimmt, gibt es nicht nur eine Welt, sondern Millionen Welten.
Orwell überkam einst die Erkenntnis, dass er daran beteiligt ist eine Welt zu zerstören, als er einen indischen Rebellen zur Hinrichtung abführte. Immerhin konnte ich dieses lesen, als mir nach der Wende auch Orwells Bücher unter die Nase kamen.

Ich erinnere mich. 1989 gleich nach dem Mauerfall besuchten wir einen ehemaligen Arbeitskollegen von mir, der Mitte der achtziger Jahre nach dem Westen ausreiste. Stolz berichtete er, wie schön das Leben im goldenen Westen ist, da ja nun für uns alle das Paradies geöffnet sei. So genieße er es mit seiner Frau, die Werbeangebote zu studieren, denn die Auswahl wäre unergründlich groß, man käme gar nicht aus dem Vergleichen heraus, was denn nun am günstigsten sei – und dann führen sie jeden Samstag mit dem Auto von Supermarkt zu Supermarkt...
Ich sah ihn zweifelnd an, mit seinen blauen Augen schaute er wie ein Schaf. Einst diskutierten wir über den Einfluss von Hemingway auf die lateinamerikanische Literatur, insbesondere auf Marquez.
Er bestand darauf, zwei Tage nach dem denkwürdigen Tag, an dem die kommunistische Welt zusammen brach wie ein Kartenhaus, uns das fabelhafte Westberlin zu zeigen und führte uns schnurstracks in ein großes Kaufhaus. Unten befand sich die Lebensmittelabteilung. Bei den Backwaren gingen wir kilometerweit an Glasvitrinen vorbei mit immer anderen Pfannkuchen, gestapelt wie die Pyramiden in Ägypten. Mit Guss, ohne Guss, mit Zucker, ohne Zucker, verschiedene Konfitüren und Liköre die Füllungen, groß wie Melonen und klein und rund wie Weintrauben, eckige und rechteckige, kegelförmige wie Tüten, und dazwischen sogar normale groß wie Schneebälle die Formen, weiße, braune, gelbe, selbst blaue waren dabei... verzweifelt sah ich meinen ehemaligen Freund an. Wozu braucht es so viele Pfannkuchen?
Ist doch toll, strahlte er. Und dann sagte er etwas, was mich schlichtweg schockierte. Weißt du, was mich hier nur stört?
Nein.
Wenn die Pollaken einkaufen kommen und die ganzen Gehwege vor dem Kaufhaus voller leerer Pappkartons sind. Ich holte tief Luft und erwiderte, voll und leer aneinander gereihet ist eine interessante Wortkombination.
Später beschloss ich mit U., meiner damaligen Frau, diesen Menschen nicht mehr zu besuchen. Auch eine Form von Hygiene, mindestens so wichtig wie das abendliche Zähne Putzen: Menschen die das Wort „Pollaken“ benutzen, sollte man meiden...
U. grauste sich vor diesem Kaufhaus, sie grauste sich vor dem ganzen Westen, und irgendwann allein machte sie dann dem Grauen ein Ende. Das ist auch eine Wahrheit.

In diesem Moment fühle ich, dass der Mann mit mir sprechen möchte. Ich drehe meinen Kopf und sehe seinen traurigen Blick.
Sind Sie oft hier?
Bisher nicht, sage ich, vor zwei Wochen waren meine Freundin und ich hier mit meinen beiden Enkeln, und wir spielten mit Begeisterung das Oma und Opa Sein.
Und jetzt, will er wissen.
Sind die Enkel wieder in Irland.
Und ihre Freundin?
Ich zögere etwas.
Dann entschließe ich mich zu antworten. Meine Freundin ist auf Reisen.
Er lächelt etwas dünn. Sie sind nicht mitgefahren?
Nein, ich lächle auch, er wirkt so traurig, wir leben getrennt. Und ab und an nehmen wir eine Auszeit voneinander.
Dann schweigt er.
Trotzdem, sage ich, habe ich sie aber sehr lieb. Ich habe das unbedingte Gefühl, das äußern zu müssen.
Plötzlich sagt er, ich hatte einen Fehler gemacht.
Welchen denn, frage ich.
Ich bin mit meiner Freundin zusammen gezogen.
Und was ist daran der Fehler, will ich nun wissen.
Ich lebe in unserer Wohnung wie ein Bild an der Wand.
Das ist ein Witz, sage ich spontan.
Nein, nein, er winkt müde ab, das trifft es genau, ich bin so eine Art Schmuck. Wenn Freunde oder ihre Kinder kommen, sagen sie, er passt gut hier rein und sie meinen mich.
Auf einmal verstehe ich seine ganze Traurigkeit.
Und dann kommen Sie manchmal auf den leeren Spielplatz, um zu rauchen.
Ja.

Auf den Heimweg denke ich an den traurigen Raucher auf dem Spielplatz ohne Enkelkinder. Irgendwie erinnert er mich an den Fänger im Roggen. Ein alt gewordener Fänger im Roggen.
Ich war noch ein Kind, als ich dieses Buch las. Meine Schwester borgte es mir. Ab dann waren wir Freunde, meine Schwester und ich, sozusagen Verschwörer der guten Literatur, aber das ist eine andere Geschichte. Damals in der DDR war das Lesen wichtig fürs Überleben. Für mich als Kind schon.

Zu Hause öffne ich das Laptop. Sofort springt mich eine Psychoseite an, die ich wohl als letztes angesehen hatte in meiner unstillbaren Neugierde, die vor nichts halt macht. Das ist das Hobby und der Markt unserer Zeit in diesem Lande im Internet. Die Nutzer vor allem der weiblichen Art lieben die Beschäftigung mit solchen Psycho-Dingen, wie die Bewohner einer goldenen Insel sich mit den Nichtsnutz spielen beschäftigen, während ringsumher die Welt verelendet. Ich lese ein Horoskop:
„Drängen Sie sich Ihren Mitmenschen heute nicht auf, und seien Sie vorsichtig mit Ihren Äußerungen. Sie selbst sind vielleicht in der Laune, heute kein Blatt vor den Mund zu nehmen und alles offen und ehrlich herauszuplappern. Sie sollten aber unbedingt Rücksicht nehmen auf die Stimmung Ihrer Gesprächspartner, bevor Sie Ihren Mund öffnen. Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass die Anderen harte Kritik heute vertragen. Nehmen Sie Ihre Mitmenschen so wie Sie sind und ermutigen Sie sie lieber statt sie ihnen ihre Fehler vorzuhalten.“

Wow, aber ich dränge mich niemanden auf. Bei näherem Hinsehen entdecke ich, das ist für die Widder, ich bin aber ein Fisch.
Gestern galt schon für die Widder die Ermunterung zur Kreativität, zum Beispiel einen Roman zu schreiben oder ähnliche Kleinigkeit, nur für Widder...übrigens ein sehr seltsamer Deutsch.

Eine Kommentatorin verlautbart sich:
„Alles, was man gegen sein Gefühl und gegen sein inneres Wissen tut, anderen zuliebe, ist nicht gut und muß früher oder später teuer bezahlt werden.“

Das weiß man doch, oder. Das wird doch nicht B. gewesen sein? Doch sie ist ja auf Reisen.

Ich hole aus dem Bücherregal den Schopenhauer und blättere. Ein Satz springt mich an wie eine Offenbarung:
„Wer hingegen der Kantischen Philosophie sich nicht bemeistert hat, ist nämlich in demjenigen natürlichen und kindlichen Realismus befangen geblieben, in welchem wir Alle geboren sind und der zu allem Möglichen, nur nicht zur Philosophie befähigt.“

Wir sind heutzutage zu allem Möglichen befähigt, besonders dazu das Leben zu organisieren... darüber vergessen wir das Leben selbst, oder. Wer, frage ich mich, liest heute noch Kant? Wer ist überhaupt noch zur Philosophie befähigt?
Alter Knurrbär Schopenhauer, guter Mann...
Aus dem Laptop klingt ein kleines anschwellendes Heulen, als ob eine U-Bahn einfährt.
J., die kleine Träumerin meldet sich über Skype aus Irland.
Ich logge mich ein.
Was hast du da für ein neues Bild, fragt das Kind den Papa, macht das bloß weg, mich gruselst.
Warum denn das, frage ich verwundert.
So schaust du immer, bevor deine Wut ausbricht. Ich kenne das noch von meiner Kindheit, fürchterlich.
Balk-2
Nee, nicht wirklich...
Lass mich in Ruhe, sage ich und stehle mir nicht meine Zeit zum Schreiben, gibt es etwas wichtiges?
J. grinst, ja schreib nur, schreib, aber mal was Gutes, die letzten Texte ließen ja zu wünschen übrig.
Ach, die Jugend ist auf der anderen Seite des Flusses und spottet über uns.
CIMG7345
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