10
Mai
2008

Der alte Mann und das Mädchen 21

21

Am Nachmittag sitzt Nuu in der prallen Sonne auf dem Balkon. Sie hat die Füße auf den Tisch gelegt und schaut durch das Gitter auf die Straße. Neben ihren Füßen steht eine Tasse Kaffee, und Nuu raucht eine Zigarette. Es ist friedlich hier, und sie genießt ihren Urlaub. Der alte Mann ist schon erstaunlich selbstständig. Am Vormittag war der Doktor da und hat ihn untersucht. Er hat Nuu angelächelt und gesagt, er schläft sich gesund, es ist ein Wunder in seinem Alter.
Der Doktor ist ein guter Mann, er stellte keine Fragen. Jetzt hat er die Medikamentendosis herabgesetzt. Während er das Stethoskop abnahm, hatte er einen winzigen Moment gezögert und Nuu angeschaut. Aber noch keine körperlichen Anstrengungen für ihn. Um seine schmalen Lippen wehte ein winziges Lächeln, wie eine Mücke im Gras. Nuu lächelte auch wie eine Mücke im Gras und antwortete, ich passe auf, Herr Doktor. Dann verschwanden die beiden Mücken.

Nuu träumt in den blauen Himmel hinein. Hier ist der Himmel nicht so blau wie in Thailand, ein winziger Schleier liegt darüber wie eine dünne Gardine. In Thailand ist es bei solch einem Sonnenschein brütend heiß, aber die Frauen auf den Reisfeldern singen, als würde es ihnen nichts ausmachen.
Deine Liebe findet ihren Weg bis in die hohen Berge, wo mein Zuhause ist, singen die Frauen... Nuu träumt...
Sie beugt sich, die Stubentür klappert wie ein kleiner Schlagzeugwirbel, es ist wohl eine frische Brise, welche durch die Wohnung fegt, als wolle sie bewiesen, dass die Welt noch lebt an diesem stillen Nachmittag. Nuu hat auch im Schlafzimmer das Fenster einen Spalt breit geöffnet. Auf dem Gehweg gegenüber spielen zwei Jungen Ball, als wären sie einem Kindheitstraum entstiegen...
Na, genießt du die Sonne, das ist die knarrende Stimme des alten Mannes, der plötzlich neben ihr steht wie ein Schatten, wenn eine Wolke vorüber zieht.
Nuu lächelt, du hast dich ja angezogen.
Tatsächlich trägt er er seinen samtenen Hausanzug in violett. Nuu lacht, er sieht aus wie ein alter Straßenclown.
Ja, antwortet Hans Kohn, darf ich mich setzen?
Du bist hier zu Hause, Nuu lächelt und zieht die Füße vom Tisch. Sie stellt sich hin und klappt den Sonnenschirm auf, dass er im Schatten sitzt.
So bekommst du keinen Sonnenstich, Nuu lächelt unentwegt.
Danke, sagt Hans Kohn, du bist überaus freundlich zu mir.
Nuu setzt sich wieder. Sie lacht mit den Augen. Das kostet dich auch zweihundert Euro am Tag. Möchtest du einen Kaffee trinken?
Er winkt ab, vielleicht später. Dann lächelt er. Das Geld hast du dir verdient.
Es ist still und friedlich. Nur der springende Ball vom Gehweg gegenüber ist zu hören. Manchmal kommt ein Kinderlachen auf.
Das Mädchen schaut den alten Mann an und der alte Mann schaut das Mädchen an. Minutenlang. Es ist, als ob eine elektrische Spannung zwischen ihnen entsteht. Irgend eine geheimnisvolle Aufladung zwischen den Energien ihrer Seelen. Jeder wartet auf das erste Wort.
Nuu besinnt sich, in den Augen des alten Mannes entdeckt sie die Sanftheit, ja eine gewisse Zärtlichkeit und Zuneigung, aber nicht die übliche Begierde eines Freiers. Als könne er ihre Gedanken lesen, sagt Hans Nuu, nun kann ich dich in Zukunft nicht mehr als Hure bestellen. Ja, antwortet Nuu, weil ich dich in einem Moment der Schwäche gesehen habe.
Es ist, als ob er ihren Worten nachlausche wie ein Echo aus der Vergangenheit.
Du hast mir das Leben gerettet, sagt er schließlich.
Das musste ich tun, sagt Nuu.
Und sie genießen wieder das Schweigen, das zwischen ihnen ein Band knüpft.
Der Wind ist sanft und erzählt ein Lied. Und sie hören zu.
Es wäre ein guter Moment gewesen zu sterben, sagt Hans Kohn.
Wann wir sterben, können wir nicht selbst bestimmen, es steht in einem großen Buch, das Leben ist nicht unser Eigentum...
Wir können es selbst beenden, antwortet Hans Kohn.
Aber warum, antwortet Nuu, der Tod ist auch so unausweichlich.
Er schweigt und denkt nach.
Hast du eigentlich keine Familie, fragt Nuu.
Sie sind alle schon lange tot.
Dann sitzen sie wieder schweigend. Das Schweigen kann manchmal sein wie ein scharfes Schwert zwischen den Menschen. Aber so war es nicht zwischen ihnen.
Keine Kinder, fragt Nuu.
Er denkt lange nach. Dann sagt er langsam. Ich hatte eine Frau und einen Sohn, sie sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber das ist schon über fast dreißig Jahre her.
Nuu wartet, ob er noch mehr erzählen würde. Aber er schaut stumm auf die Straße, auf die spielenden Kinder. Schließlich sagt er doch etwas, weil er spürt, dass sie darauf wartet.
Der Junge war so alt wie diese Kinder vielleicht dort.
So viele Lieder kennt das Leben, traurige, lustige, Lieder der Liebe, der Sehnsucht und der Trauer. Wir singen sie lautlos, wenn wir träumen.
Hans Kohn lauscht den Worten Nuus.
Er atmet schwer.
Hast du deine Frau und deinen Sohn geliebt.
Jetzt blickt er sie, und sie fühlt eine Kälte.
Nein, antwortet er schließlich, aber sie haben mich geliebt. Er neigt etwas nachdenklich den Kopf, vielleicht zu sehr.
Man kann nie zu sehr lieben, hast du nie geliebt, fragt Nuu.
Ich bin müde, er antwortet seufzend, ich gehe wieder ins Bett. Er steht auf und geht zurück ins Schlafzimmer. An der Tür dreht er sich um.
Hast du jemand, den du liebst, Nuu?
103

8
Mai
2008

Im Straßencafé

Die Sonne macht schläfrig und benommen, als hätte man Haschisch geraucht. Der Kaffee ist schwarz und heiß wie ihn die Beduinen in der Wüste trinken, und die Pfeife schmeckt vertraut süßlich nach Vanille.
Wenn ich die Augen schließen würde, könnte ich mich vier Jahre zurück versetzen an den Strand des Indischen Ozeans in der Nähe Malindis, in Kenya. Im Wind rauschen die Palmen.
Ich schließe aber nicht die Augen.
Ich sitze am Tisch eines Straßencafés und anstatt der Palmen rauschen die Autos über die schmutzige Straße Berlins...
Vom nahen Spielplatz schallt Kindergekreisch herüber. Am Nachbartisch sitzt ein Mann mit zwei Frauen und redet. Sie trinken Milchkaffee, außerdem stehen einige Gläser mit Cola auf dem Tisch.
Er redet in einem gleichmäßigen Singsang ohne Pause. Ich beobachte ihn verstohlen, was gar nicht notwendig ist. Seine Augen kleben am Gesicht der gegen über sitzenden Frau, aber irgendwie ist er auch in sich gekehrt und bemerkt mich nicht. Sein Gesicht ist jungenhaft, eine erste Falte hat sich auf der Stirn über der Nasenwurzel eingegraben. Seine Haare sind dick strähnig wie Schiffsseile, aber glänzen bereits grau. Zwischen den Strähnen sieht man die Glatze. Er ist anscheinend vor der Zeit gealtert. Er redet und redet und es ist so, als ob gleichmäßige Wellen in einer Unendlichkeit an den Strand spülen.
Ich verstehe nur Wortfetzen wie „meine Mitarbeiter“ oder „mein Projekt“ und „meine Therapeutin“. Hier wird er eine Spur lauter: Meine Therapeutin hat mir empfohlen einige Wochen nach Thailand zu reisen, aber ich bitte dich, was soll ich in Thailand?
Dann wird er wieder leiser. Er hebt kaum die Stimme an, aber spricht unentwegt, als wäre er ein Priester in der Messe, oder ein Krankenhausarzt bei der Visite...
Er hat den sinnlich breiten Mund wie einst Marlon Brando, doch ihm fehlt der brutale Unterkiefer des Proleten Brando. Der jungenhafte Mann am Nachbartisch mit den zu früh ergrauten Haaren ist die vergeistigte Form des Genussmenschen. Hat er Sexprobleme? Möchte ihn seine Therapeutin deswegen nach Thailand schicken? Ich werde es nie erfahren.
An meinen Tisch setzt sich eine junge Frau mit einem Baby im Arm, offenbar ist sie mit dem nächsten schon schwanger. Sie hat das typische Muttergesicht, weich und rund und eine Knollennase mittendrin. Sie ist nicht hübsch, aber wenn ihre Hormone rufen, findet sich immer ein Mann. Sie sieht so aus, als wenn sie außerhalb der Begattungszeit keinen Mann braucht. Zärtlich lallt sie mit dem Baby. Ich bin drauf gefasst, dass sie mit dem Stillen beginnt, aber die Zeit scheint nicht so weit zu sein. Ihre Kleidung ist etwas schmuddlig. Wie soll es anders sein, wenn andauernd ein Baby an ihr herumsabbert. Sie ist glücklich dabei.
Auch der immerzu redende Mann hat zwei Kinder. Seine Frau sitzt neben ihn. Sie hat das scharf geschnittenes Gesicht einer sehr leidenschaftlichen Frau, die im Sex keine Tabus kennt. Das Gerede ihres Mannes scheint sie unsäglich zu langweilen. Es stört sie auch nicht, dass seine Augen an die gegen überliegende Frau hängen wie Motten am Licht.
Diese ist auch ein wenig schlampig gekleidet aber ihr Rock ist lang und sehr rot. Ihr schwarzes T-Shirt klebt an ihrem Körper und man sieht dicke Fettringe um ihren Bauch. Das macht ihr aber nichts aus. Sie hat ein sehr schönes Gesicht, dunkelhäutig wie ein Mulattin. Sie hört dem Mann zu. Und dreht sich ab und zu eine Zigarette. Die Frau des Mannes raucht auch sehr stark, allerdings keine gedrehten. Sie unterhält sich halblaut mit der Mutter an meinem Tisch, welche ihr Baby schaukelt.
Ab und an erscheinen vom Spielplatz Kinder der Familien, um einen Schluck Cola zu trinken, verschwitzt und voll unendlicher Energie. Der Mann und seine Frau haben schon zwei ältere Kinder, vielleicht sieben, acht Jahre alt. Eine Mädchen und ein Junge, sie reden aufgeregt durcheinander. Die Mutter mit dem scharf geschnittenen Gesicht einer leidenschaftlichen Geliebten hört ihnen grinsend zu. Sie sagt etwas mit polnischem Akzent.
Die Mulattin neben mir hat einen schwarzen Jungen mit Kraushaar, einen waschechten Afrikaner. Wenn er kurz zum Colatrinken erscheint, hängen die Augen des ewig redenden Mannes an ihn, als bewundere er seine Schönheit. Seine eigenen Kinder sind nicht schön. Vielleicht stellt er sich auch den Sex der neben mir sitzenden Mulattin im sehr roten Rock mit einem Afrikaner vor.
Beim Reden wird sein Blick melancholisch.
Die ganze Straße ist voller Kleinkinder, die Dreirad fahren oder Roller. Ab und zu drängelt sich eine Radfahrerein oder ein Radfahrer durch das Gewimmel. An den Bäumen lehnen unzählige Fahrräder.
Über allem scheint unentwegt die heitere Sonne weiter.
Alle trinken Milchkaffee. Die knochendünne Kellnerin erscheint. Sie ist an den Armen von den Schultern bis zu den Händen tätowiert. Ich bestelle mir ein Guinness und zünde mir eine zweite Pfeife an.
Rechts von mir lassen sich neue Gäste nieder. Den dicken weißhaarigen Mann mit dem Pferdeschwanz kenne ich vom Sehen mindestens schon zehn Jahre. In der Zeit hatte ich vier Frauen gehabt. Er hat immer noch die gleiche. Sie besitzt wie schon ewig das aufgedunsene Gesicht einer Alkoholikerin. In ihrer Jugend war sie sicher eine sehr attraktive Blondine, jetzt ist sie auseinander gegangen wie ein Hefeteig und ihr Gesicht ist rotfleckig. Wie immer haben sie einen großen Hund dabei. Der wievielte wird es inzwischen sein? Da ich ein Hundehasser bin, ignoriere ich ihren Gruß. Ich hasse jedenfalls große Hunde in einer Großstadt.
Die Frau bestellt sich Rotwein der Pferdeschwanzmann wie immer Milchkaffee... als würde dieses Leben nie enden.

Ich träume ein wenig. Ehe ich mich versehe, sitzt du neben mir und kuschelst dich an mich. Du kicherst etwas. Na, beobachtest du immer noch die Welt. Ich sehe sie mit deinen Augen, sage ich leise und streichle dir die Hand. Sie dreht sich weiter auch ohne dich...
196

5
Mai
2008

Dichtung und Wahrheit

Die Frau legt das Buch auf den kleinen Tisch des Cafés, dass es jeder sehen kann. Goethes „Dichtung und Wahrheit“, sie legt es demonstrativ hin. Den Titel kann jeder Gast lesen, sie hat es verkehrt herum gelegt. Sie bestellt einen Milchkaffee und schaut sich verstohlen um her. Wer liest so etwas heutzutage noch?
Aber sein Argument im Chat war auch wieder einleuchtend. An diesem Buch würde er sie unvermeidlich erkennen.
Hast du das Buch denn schon gelesen, hatte sie ihn neckisch gefragt. Nö, hatte er geantwortet und ein Zwinkerzeichen nachgereicht, aber es gehört zu meinen großen Plänen, es in der Zukunft wenigstens einmal zu versuchen.
Du wirst nach zwanzig Seiten aufgeben, und sie hatte ebenfalls gezwinkert.
So viele Chatstunden hatte sie mit ihm verbracht. Wenn sie sich jetzt nicht zu einem Treffen entschlossen hätten, wäre ihre Beziehung nichts weiter als eine der vielen, dieser bunt schillernden Seifenblasen des Internets, die schon beim ersten Zusammenprall mit der Wirklichkeit zerplatzen. Und es bleibt nichts weiter übrig als klebriges Seifenwasser.
Von Stunde zu Stunde waren sie sich vertrauter geworden. Sie ist eine Witwe und er ist ein Witwer. Sie hatten beide Schicksalsschläge erlitten, und sie bleiben stark. Jedenfalls versicherten sie es sich regelmäßig, vielleicht ein paar Mal zu oft, dass sie stark bleiben.
Wer weiß schon von den Tausend Nächten der Einsamkeit, die wie finstere Gestalten ihr Leben begleiten? Auch er sprach nie von der Einsamkeit und der Sehnsucht nach Liebe. Aber sie konnte gut zwischen den Zeilen lesen.
Meist chatteten sie tagsüber, wenn die Gespenster sich verkrochen haben. Und es entstand eine heitere Vertraulichkeit.
Sie heißt Karin und er heißt Klaus. Und diese Namen sind echt.
Sie sind beide fünfzig Jahre alt.
Karin ist eine immer noch attraktive Frau, und sie hat ein sicheres Gespür entwickelt, dass Klaus es ernst meint.
Sie trinkt einen kleinen Schluck Kaffee. Natürlich ist sie aufgeregt, aber es ist eine angenehme Aufgeregtheit.
In der U-Bahn hat ein kleines Baby mit ihr gelacht, und das war so schön wie die Sonne heute über Berlin. Die junge Mutter freute sich über das wortlose Gespräch Karins mit dem Baby, eine unverfälschte Sprache über die Lust am Leben, wie sie die Babys sprechen, wenn sie lachen.
Karin ist zwar selbst Großmutter eines Babys, aber ihre Schwiegertochter verhält sich sehr distanziert, fast eifersüchtig. So hat sie sich mehr und mehr zurückgezogen, weil sie nicht bereit ist, sich jemand aufzudrängen. Ihre Einsamkeit trägt sie möglichst mit der Würde einer erwachsenen und reifen Frau.
Klaus ist zum Mittelpunkt ihres Lebens geworden. Karin ist alt genug, sie kennt das Leben – und sie ist nicht prüde.
Goethe hin, Goethe her, man weiß nie, wie sich etwas entwickelt. Vielleicht schlägt hier im Café der Blitz einer Liebe ein. Und bei einer Liebe gibt man sich hin ohne Wenn und Aber.
Kurzum, gestern war sie in einer Boutique und hat sich Reizwäsche gekauft.
Ist die nicht etwas zu gewagt, hatte sie etwas skeptisch die junge Verkäuferin gefragt. Das Mädchen lächelte verschwörerisch, bei Ihrer Figur ist das nicht gewagt, sondern genau richtig. Die junge und etwas ältere Frau lachten sich an wie zwei Schwestern, die wissen, worauf es ankommt – und Karin kaufte die Wäsche. Sie sitzt und trinkt Kaffee, und sie fühlt wieder diese angenehme Aufgeregtheit.
Der junge italienische Kellner erscheint.
Ob sie nicht Appetit auf frische Erdbeertorte mit Schlagsahne hätte, will er wissen.
Karin lächelt, vielleicht später, ich erwarte noch jemand.
Der Blick des Jungen fällt auf Dichtung und Wahrheit.
Komisch, sagt er, da hinten sitzt eine Dame, bei der liegt das gleiche Buch auf dem Tisch, und er geht.
Karin sitzt da wie betäubt. Vorsichtig dreht sie sich um. Tatsächlich, hinten in einer Nische sitzt eine Frau mit einem Buch auf dem Tisch. Sie kann keinen klaren Gedanken fassen. Wie in Trance nimmt sie das Buch hoch und schlägt es wahllos auf. Sie liest: „Für alle Vögel gibt es Lockspeisen, und jeder Mensch wird auf seine eigene Art geleitet und verleitet.“ Mit einem Ruck schlägt sie das Buch wieder zu.

Als sie Klaus im Chat sagte, sie besitze aber „Dichtung und Wahrheit“ nicht, schrieb er, vor dem Café befindet sich ein kleines Antiquariat, die haben es bestimmt da. Er fügte noch hinzu, du bekommst es bestimmt preisgünstig und schob ein Zwinkern hinterher.

Und so war es. Der Ladenbesitzer war ein älterer und freundlicher Mann mit einem kurzem Vollbart. Er schaute sie über die Brille hinweg an und stutzte.
Dichtung und Wahrheit, fragte er, von Goethe, ich muss mal nachschauen. Dann verschwand er zwischen den unergründlichen Regalen. Und kehrte mit einem dicken Band zurück. Er lächelte. Eins war noch da.
Karin fühlte sich von seiner Freundlichkeit angezogen, auch hatte er einen sehr warmherzigen Blick.
Wie teuer, fragte sie.
Zwanzig Euro, sagte er, stutzte noch einmal und sagte dann, ich verkaufe es Ihnen für zehn, Das war schon eigenartig...

Karin brütet einige Minuten vor sich hin.
In einem plötzlichen Entschluss steht sie auf und geht zu der fremden Frau, die fast erschrocken hochschaut.
Entschuldigen Sie bitte, sagt Karin, haben Sie das Buch da eben im Antiquariat nebenan gekauft?
Ja, ja, die Frau schaut ängstlich wie ein scheuer Spatz.
Karin räuspert sich.
Wie viel haben Sie bezahlt, wenn ich fragen darf?
Ja, natürlich, die Frau ist sehr verlegen, zwanzig Euro.
Danke, sagt Karin.
Aber warum fragen Sie, die Stimme der Frau hält sie zurück.
Karin überlegt. Nur so, aber Sie sollten sich ein Stück Erdbeertorte bestellen.

Danach stürmt Karin zum Ausgang, Sie ruft dem Kellner zu, ich bin gleich wieder da.

Die Ladentür des Antiquariats hat eine kleine Glocke. Es herrscht ein mildes Licht. Und die Bücher in den Regalen erzählen Tausend Geschichten von Einsamkeit und Sehnsucht nach Liebe...
Klaus, ruft Karin. Ja, sie hört von hinten eine Stimme. Und sie sucht sich den Weg.
Er sitzt in einem kleinen Büro am Computer. Er hört sie und dreht sich um. Vor Schreck rutscht ihm die Brille von der Nase.
Chattest du gerade, fragt Karin und grinst.
Klaus läuft rot an.
Du, du bist, bist Karin, fragt er schließlich.
Karins Augen schleudern Blitze. Ja, und ich habe mir wegen dir verdammten Kerl extra neue Unterwäsche gekauft...
Klaus steht auf. Weißt du, das Geschäft läuft nicht so gut...
Von Karin fällt plötzlich die Wut ab wie eine faule Frucht vom Baum.
Klaus lächelt wie ein ertappter Schuljunge. Immerhin, sagt er, gab ich dir Rabatt. Er geht auf sie zu. Sein Blick ist ungeheuer sanft.
Und er streicht ihr über das Haar. Sie lehnt sich an ihn. Du verdammter Kerl, murmelt sie undeutlich.
Soll ich den Laden abschließen?
Erstaunt schaut sie hoch.
Warum?
Damit du mir die neue Unterwäsche zeigen kannst.
Sie kichert.
Ja, den Laden kannst du von außen abschließen und dann kaufst du mir im Café ein Stück Erdbeertorte. Dort wartet ja auch eine liebe Bekannte.
Und die Unterwäsche, fragt Klaus.
Die Antwort bleibt ihm Karin schuldig.
100

3
Mai
2008

Der alte Mann und das Mädchen 20

20
Hans Kohn schläft nicht, aber er stellt sich schlafend. So nach und nach kommt die Gesundheit zurück in seine alten Knochen, wie im Frühjahr die Säfte in den vom Winter erfrorenen Bäumen hoch steigen und frisches Grün sprießen lassen. Leben ist Wärme.

Nuu hat schon zwei Nächte in seiner Wohnung geschlafen. In der letzten Nacht ist er wach geworden und konnte schon allein auf die Toilette gehen. Ganz vorsichtig öffnete er danach die Wohnzimmertür und betrachtete lange das schlafende Mädchen. Es war eine milde Nacht, die Balkontüren standen offen, und der gelbe Mond schien wie das Licht eines großen Zauberers. Das Mädchen schlief nackt, die Bettdecke war verrutscht, und er sah ein nacktes Bein und sogar einen kleinen Teil der Scham. Es hielt seine Bettdecke über der Brust, wie ein kleines Mädchen sein Kuscheltier im Schlaf festhält.
Hans Kohn fühlte ein wahnsinnige Erregung, wie der Drachen den Hunger auf die Jungfrau. Aber dann sah er das Gesicht des Mädchens, und ihm fiel der Name Nuu ein. Nuu lächelte entspannt im Schlaf wie jemand, der in einer tiefen Geborgenheit ruht, wie ein Baby im Arm der Mutter. Hans Kohn war sehr verwundert, und wie die Frühlingssäfte in den Bäumen stieg in ihm die Wärme empor, die Wärme einer fürsorglichen Liebe, die er fast sein ganzes Leben nicht gekannt hatte. Die Erregung verschwand wie ein tückisches Fieber. Leise schloss er die Tür wieder und schlurfte zurück ins Schlafzimmer, die schlafende Schöne hatte das Biest besiegt.

Jetzt liegt er auf dem Rücken und verstellt sich schlafend. Er atmet ruhig und gleichmäßig. Im Zwielicht des Morgens sieht er durch die nur einen Spalt geöffneten Augenlider das Mädchen vor dem großen Stehspiegel. Offenbar denkt es, dass er schläft. Es cremt sich ein und ist völlig nackt. Hans Kohn beobachtet jede seiner Bewegungen. Das Mädchen ist in sich selbst versunken und in sich verliebt wie Narziss in seinem Spiegelbild des Wassers einer Quelle. Das dämmrige Licht lässt seinen Körper erscheinen wie von einem weichen Pinsel gemalt, nichts ist wirklich deutlich zu sehen, alles ist zu erahnen. Hans Kohn teilt die Zärtlichkeit und Liebe, welches das Mädchen zu seinem Körper empfindet. Es ist, als ob seine eigenen Hand über die Arme und Schultern streichelt, fast fühlt er die kühle und sanft flüssige Lotion, welche die Haut zum Glänzen bringt, als leuchte sie von innen. Die Hand des Mädchen gleitet über die Brüste, die so wunderbar fest sind, über den flachen Bauch, den geschwungenen Schenkeln, dem Hintern, rund wie ein Paradiesapfel, bis zur Scham...
Hans Kohn betet die Schönheit des Mädchens an als ein Kunstwerk, wie eine perfekte Statue aus glänzendem Marmor. Er versucht weiterhin gleichmäßig zu atmen, um sich nicht zu verraten... und er beginnt zu träumen, das Bild der nackten Judith erscheint.
Und Hans Kohn ist nicht der alte verwelkte Mann mit der gelben Haut wie das verschrumpelte Leder eines uralten Krokodils, nicht das Biest, der Drachen, nein, er ist der junge Prinz, ebenfalls schön und vollkommen, zart ist seine Haut und glatt und fest und glänzend, wie die Knospen an den Bäumen im Frühling....
Ich bringe dir dann das Frühstück, sagt das Mädchen plötzlich laut und lächelt.
Ehe der alte Mann antworten kann, ist es schon verschwunden.

Eine Stunde später sitzt er wie ein bemooster Stein aus der Urzeit auf einem Hocker in der Dusche. Nuu seift ihn ab und trällert dabei ein Liedchen, um ihm den Schimmer der Peinlichkeit aus dem Gesicht zu zaubern. Er beobachtet sie finster und misstrauisch, als wäre er ein alter König und von Mordgesellen umringt. Sie trocknet ihn gründlich ab, danach cremt sie ihn ein. Es ist die gleiche Lotion, mit der sie sich am Morgen selbst eingecremt hatte. Eine angenehme feuchte Kühle hüllt ihn ein wie ein Gewand. Seine Stimme kratzt wie rostiges Eisen auf Glas.
Er bemüht sich böse zu sein, doch er ist ein wehrloser Drachen. Nuus Leichtigkeit und Fröhlichkeit verblüffen ihn.
Du hättest mich verrecken lassen sollen, er gibt sich möglichst knurrig.
Aber warum denn das? Nuu legt ihm den Bademantel um und ihre Stimme zwitschert.
Sie führt ihn behutsam zurück ins Bett.
Hans Kohn schaut sie herausfordernd an, während er sich nach hinten fallen lässt. Weil ich eine alte stinkende und geile Sau bin.
Nuu kämmt ihm liebevoll das lange Haar. Ich werde dir einen Pferdeschwanz binden, flüstert sie, als hätte sie seine Worte gar nicht gehört. Der alte Mann lässt keinen Blick von ihr.
Als ich fünfzig war, hielt ich alle Achtzigjährigen für stinkende Säue, die sabbern und sich in die Hosen machen.
Und, fragt Nuu.
Jetzt bin ich achtzig, und es war nur eine Sekunde vergangen... er dreht den Kopf, dass sie besser kämmen kann.
So sagt Nuu, jetzt siehst du wieder gut aus, jetzt kannst du ein wenig schlafen. Sie bleibt einen Moment sitzen und schaut ihn an.
Wir Menschen fürchten uns alle vor dem Tod, sagt sie schließlich, darum hast du das gedacht, als du fünfzig warst. Aber was sollst du jetzt denken?
Der alte Mann überlegt. Vielleicht sollte ich heute eine Zigarre rauchen, wir könnten abends auf dem Balkon sitzen. Er grinst ohne Zähne.
Wir werden sehen, wie du dich abends fühlst, antwortet Nuu. Sie schweigt einen Moment.
Was meinst du, sagt sie dann, wie viele geile stinkende fünfzigjährige Säue ich kennen gelernt habe, keiner von denen konnte es mit deiner Schönheit aufnehmen, Hans.
Der alte Elefant schläft mit einem Lächeln ein.
424

1
Mai
2008

Rania ist weiter

mein heutiger Beitrag auf der Fanseite

Ich habe überhaupt keine Probleme damit „nur“ ein Fan zu sein. Rania hat es innerhalb dieses Konzepts DSDS mit dem fünften Platz sehr weit gebracht. Die gesanglichen Qualitäten (außer vielleicht Monika) der anderen Kandidaten sind in der Tat in meinen Augen besser. Aber um in der Unterhaltungsbranche erfolgreich zu sein, geht es nicht in erster Linie darum.
Mir ist das richtig klar geworden, als ich eine Sendung verfolgte, in der es um die erfolgreichsten Castingshowstars aller Zeiten ging. Es mag manchem weit her geholt sein, doch es wurde unter anderem auch der sehr erfolgreiche Heino (grins, ich mag ihn auch nicht) interviewt. Er sagte schmunzelt sinngemäß, ich hätte nie bei einer Castingshow mitgemacht, da wäre ich ja schon in den Vorrunden ausgeschieden. Heino bedient(e) eine Zielgruppe und verdient(e) dabei Millionen!

Nun zu Rania. Ich schrieb das schon in meinen ersten Beitrag „Das Geheimnis von Rania“: sie erreicht (nicht nur) mit ihrem Gesang sehr viele Menschen in allen Altersgruppen. Auch die da von mir erwähnte Alexandra hätte nie bei einer Castingshow Erfolg gehabt, noch nicht einmal einen fünften Platz hätte sie erreicht!
Rania strahlt eine unverwechselbare Persönlichkeit aus, auch mit ihrer Stimme. Die Zeit ist einfach reif dafür. Sie hat Wärme, Authentizität, sogar Witz und diese gewisse Leichtigkeit. Love and peace. Doch Rania ist kein Mensch, der Ellenbogen gebraucht, um vorwärts zu kommen. Darum ging sie beinahe unter der scharfen Kritik von Bohlen und Co. kaputt, sie war nicht mehr sie selbst. Und entsprechend sanken ihre Leistungen.
Trotzdem war in meinen Augen DSDS eine sehr gute Schule für sie. Sie gab sich einen Ruck und machte weiter, sie wurde erwachsener. Nach meiner Einschätzung sang sie auch besser. Doch die „Vernichtungsmaschine“ rollte schon und war auch von uns Fans nicht mehr aufzuhalten.

Jetzt ist die Zeit der Besinnung angesagt. Wenn die richtigen Leute erkannt haben, dass Rania eine sehr breit gefächerte Zielgruppe erreichen kann, wird sie im Gegensatz vielleicht von den anderen (auch dem Sieger) ihren Weg machen können.
Warum sollte Reto nicht zu den richtigen Leuten gehören? Aber allein ist er wahrscheinlich auch überfordert. Ich vermute das mal.
Ich habe auch in anderen Foren für Rania Reklame gemacht. Fast einhellig waren die Kommentare „ Sie ist sehr liebenswert und unwahrscheinlich niedlich und ehrlich, aber (!) sie kann nicht gut genug singen, sorry.“ Wir wollen doch nicht vergessen, dass Rania eine Stimmbandoperation hinter sich hat, nach der die Ärzte sagten, sie würde überhaupt nicht mehr singen können!
Dafür ist sie jedoch unwahrscheinlich weit gekommen. Leute, der fünfte Platz!
Sie braucht sicherlich noch Zeit, um zu reifen, auch stimmlich. Aber wenn die richtigen Leute die richtigen Lieder für sie finden, wird sie ein Superstar werden. Da bin ich mir ganz sicher.
Sie ist die einzige von den Kandidaten in meiner Einschätzung, die in der Zukunft Erfolg haben wird.
Wir Fans warten und überlassen es den Fachleuten, so denke ich.

herb
103

30
Apr
2008

Der alte Mann und das Mädchen 19

19
Der alte Mann schläft. Nuu putzt die Küche. Sie hat sich ein CD-Player mitgebracht und trällert Liedchen von Tata Young. Sie liebt diese Musik, die Trommeln schlagen dumpf den Rhythmus, begleitet vom Klang der Bambushölzer, die hohe Stimme der Sängerin steigt in den blauen Himmel, Liebe, Sehnsucht, Hoffnung. Überall auf der Welt singen die jungen Menschen davon, und man könnte aus den Schlagern und Chansons ein großes Tuch weben und es über den Himmel der ganzen Erde spannen. Sterne würden funkeln in diesem Tuch wie die Laternen bei einem Lichterfest, wenn der gelbe Mond auf einer Palme ruht.
Alles, was die Menschen wollen, ist ein kleines glückliches Leben... Nuu ist davon nicht ausgenommen. Ich möchte niemanden weh tun, ich möchte immer positiv denken, sagt sie, wenn sie jemand fragt.
Nuu ist äußerst gut gelaunt. Unversehens ist sie zu einer Woche Urlaub gekommen, der Junge war leicht zu überzeugen. Und finanziell macht sie keine großen Einbußen. Das Leben einer Hure ist manchmal ertragreich und manchmal wie der trockene Weg durch eine Wüste aus Stein.
Sie räumt alle Töpfe und Schüsseln und Teller aus den Schränken und wischt diese sauber. Es ist erstaunlich, wie reinlich der alte Mann ist. Wenn mal der Junge so wäre. In seinem Zimmer türmt sich der Müll wie auf einer Halde. Der Junge lässt sich gehen.
Der alte Mann offenbar nicht. Er hat keine Putzfrau, niemanden, die ihm hilft. Sie putzt auch die Fenster, erst das eine in der Küche und dann in der Stube das Fenster und die Balkontüren. Die Musik begleitet sie, und sie ist in einer ausgelassenen Fröhlichkeit. Nein, sie hat sich nichts vorzuwerfen. Der alte Mann schläft und schläft. Vielleicht schläft er sich zu Tode wie ein uraltes Krokodil. Das ist der Lauf des Lebens. Vielleicht ist seine Zeit gekommen.
Er hat fast keine Bücher in der Wohnung, in der Stube entdeckt sie auf einem kleine Wandregal ein dickes Lexikon und zwei Bücher über Elektrotechnik. In der Stube befindet sich auch die Couch, auf der sie nachts schläft. Sie lächelt, endlich wieder nachts schlafen. Ein großer Fernsehapparat steht in der Ecke und ein kleines Radio auf der Kommode. Der alte Mann hat es offenbar darauf angelegt, kaum Spuren seines Lebens zu hinterlassen, wenn er sich auf die große Reise begibt. So, wie ein Gespenst in der Nacht spukt, und am Morgen verschwunden ist.
Nuu macht Pause auf dem Balkon und raucht eine Zigarette. Der alte Mann lebt sein Leben wie ein Nachtgespenst, sie wundert sich. Auf der Kommode sieht sie ein vergilbtes Foto in einem Rahmen. Ein junges Mädchen lächelt scheu, es trägt Zöpfe und ein weißes Kleid mit Rüschen. Das Foto muss uralt sein. Wo hat der alte Mann die Bilder seiner Eltern, seiner Ahnen? In Thailand sind die Ahnen immer anwesend und man zündet kleine Räucherkerzen an, um ihre Seelen zu erfreuen...
Hat er keine Geschwister, keine Familie, wirklich? Nun, er ist uralt, aber seine Familie muss doch Spuren hinterlassen haben. Selbst der Wind am Meer malt seine Spuren im Sand wie Falten in ein zerfurchtes Gesicht.
Jeder sehnt sich nach Liebe, nach der einzigen Liebe, die ihm das Leben versüßt. Wo ist der andere, der mich sucht und mir die Träume von den Bäumen pflückt wie reife Früchte an einem Sommertag. singt Tata Young.
Jeder Mensch hat einmal in seinem Leben die Bekanntschaft mit einer Seele gemacht, die genau zu ihm gehört wie das eigene Bild in einem Spiegel. Wenn man ihm ein Lächeln schenkt, lächelt es zurück. Und es gibt keinen Menschen auf der ganzen Welt, der nicht sein eigenes Spiegelbild mit Wohlgefallen ansehe. So denkt Nuu. Natürlich ist es nicht einfach zu erkennen, ob genau diese andere Person die richtige ist. Der Junge, der Sven heißt, ist für Nuu nicht der richtige. Aber manchmal denkt sie an Tao. Gerade wenn sie die wundervollen Lieder Tata Youngs hört, hat sie das Gefühl, als gieße man Honig in eine warme Milch.
Immer erinnert sich Nuu an den heißen Tag vor dem Regenguss, als sie am Kühlschrank saß und Mangoeis löffelte und Tao in der offenen Tür stand wie ein Versprechen für den Rest des Lebens. Ist er der Richtige? Wird er auf sie fünf Jahre lang warten? Als sie Weihnachten in Thailand zum Urlaub war, hatte sie ihn nur einmal von weitem gesehen. Er ging ihr aus dem Weg, als fürchte er sich, und sie wusste auch wovor. Er fürchtete sich davor, sie mit seinem eigenem Leid zu verletzen. Tao hatte das heiße Herz für sie.
Wenn sie für immer heimkommt, kann sie ein Haus kaufen und ein großes Stück Land... Nuu beginnt auf dem Balkon zu träumen. Sie wird Tao an der Hand halten und mit ihm von der Zukunft sprechen. Lass uns die fünf Jahre vergessen wie einen Dämon, der sich verzieht, weil er besiegt wurde, wie einen bösen Schatten der Nacht... wir sind reich genug, ein gutes Leben zu führen. Aber frage mich nie nach der Vergangenheit, wird sie zu ihm sagen.
Seine Reaktion wird alles entscheiden, wenn sein Herz aus Gold ist, wird er es auf die Waage der Gerechtigkeit legen... von all dem singt Tata Young.
Nuu steht auf und geht zum Schlafzimmer. Hier herrscht die Dämmerung wie ein milder Balsam, der alte Mann liegt auf dem Rücken und schläft.
Sie setzt sich auf den Stuhl und betrachtet ihn.
Sein Gesicht ist zerklüftet wie die Haut eines alten Krokodils oder Elefanten, aber er atmet ganz ruhig und leise. Die Medikamente wirken wie das heilende Gift einer Schlange. Kommt sein Herz wieder zur Ruhe?
Der alte Mann erinnert sie an einen umgestürzten Baum im Urwald. Tao und sie waren noch Kinder, da kletterten sie zwischen den Wurzeln herum, die wie Knochenhände in die Höhe stachen. Sie waren vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und planschten zuvor unter einem Wasserfall. Dann fanden sie eine kleine Höhle unter den Wurzeln, die war ihr geheimes Versteck, und Tao flüsterte mit ihr, Nuu erinnert sich genau. Wenn du mir deinen Namen verrätst, sage ich dir auch meinen, flüsterte Tao... Nu träumt. Und in Gedanken hört sie den Namen Natasit... Sontaya und Natasit...
Woran denkst du?
Das ist die Stimme des alten Mannes. Wie lange hat er sie schon beobachtet?
Nuu erinnert sich, dass er sie bat, ihn Hans zu nennen. Ich denke an Zuhause, Hans, sagt sie.
An Thailand, fragt Hans Kohn.
Ja, als ich noch ein kleines Kind war.
Der alte Mann scheint über ihre Worte nachzudenken. Seine Augen sind ganz groß, und er schaut Nuu an. Sie lächelt.
Denkst du nie an deine Kindheit, Hans, fragt sie.
Hans Kohn schlägt etwas mühselig die Bettdecke beiseite. Nuu steht auf und hilft ihm hoch. Dann sitzt er am Bettrand und stützt seine Hände auf.
Das ist zu lange her, sagt er schließlich, ich muss auf die Toilette. Nuu legt ihm den Bademantel um die Schultern und stützt ihn dann. Der große alte Mann legt seine große knochige Hand auf ihre Schulter. Ganz langsam schlurft er mit ihrer Hilfe bis zur Toilette.
So, jetzt lass mich allein, ich schaffe es schon, sagt er dann vor dem Becken.
Ruf mich, antwortet Nuu, ich warte vor der Tür.
Später sitzt er im Bett und Nuu füttert ihn mit Reis und Gemüse.
Dann lässt er sich ächzend nach hinten fallen. Er schaut sie an wie ein kleines Kind.
Wenn ich gesund werde, er flüstert.... ja, fragt Nuu.... ziehst du dann wieder das rote Kleid für mich an?
Nuu lacht, und sie schüttelt sein Kissen ein wenig auf wie eine besorgte Mutter. Schlaf, schlaf, wir werden sehen...
537

29
Apr
2008

Eine heiße Schokolade für Sara

Im riesigen Schlauch der Einkaufspassage war es schön warm. Offenbar übte das eine Saugwirkung auf die Menschen aus. Während draußen über leere Straßen und Plätzen die Kälte hinwegfegte, bildete sich hier ein wahres Gewimmel.
Wenn Sara einen Kaufhausbummel machte, war es das Beste für Robert, ein Café aufzusuchen.
Er streckte behaglich seine Füße von sich und konnte in Ruhe rauchen und Menschen beobachten. Die kleine Kellnerin brachte ihm ein Bier mit einem verstehenden Lächeln, er hatte sich schließlich lange genug am Kaffee aufgehalten, da wurde es an der Zeit für das Bier.
Sara und Robert waren jung, das ganze Leben lag vor ihnen. Saras Bauch wölbte sich, sie ging im sechsten Monat schwanger. Nun wollte sie nach Babysachen schauen, das konnte ewig dauern.
„Danke.“
Robert zwinkerte der Kellnerin zu, er flirtete für sein Leben gern. Sie lachte herzhaft, wahrscheinlich hatte sie Sara gesehen, als sie sich hier von Robert verabschiedete. Dann wusste sie natürlich, dass Roberts Augenzwinkern als völlig harmlos einzustufen war. Ein werdender Vater ist der ungefährlichste Mann auf der Welt.
Er trank einen kleinen Schluck und stellte mit einem verklärten Lächeln das Glas zurück auf den Tisch. Die Menschengesichter tauchten auf und verschwanden wie in einem Film. Er sah düstere, lachende, suchende und verträumte Passanten. Ungeduldige Kinder und schlendernde Pärchen, einzelne ältere Frauen mit verhärmtem Blick und Männer in gesetzten Jahren mit kalten Augen. Alles wogte und schob und drängelte sich an ihn vorbei, in den Geschäften standen die Kunden scheinbar ziellos herum, die Verkäuferinnen packten mit flinken Fingern die Waren ein, irgendwo in der Menge war auch Sara untergetaucht.
Robert zog mit Genuss an der Zigarette und träumte.
Gestern brachte Sara ein Ultraschallbild vom Baby mit heim. Robert hatte noch lange mit ihr gesessen. Sie standen am Anfang eines neuen Weges, eine Familie wollten sie werden. Er war für diese Aufgabe bereit. Sara war ein sanftes Wesen, Robert fühlte schon ihre Mütterlichkeit.
Und er wollte ein guter Vater werden.
Seine Gedanken waren voller Zuversicht, da trafen seine Augen auf ein lächelndes Gesicht in der Menge. Eine junge Frau sah ihn an. Ich kenne dich, Robert sprach in Gedanken. Eine Haarsträhne fiel in die Stirn, etwas zerfahren strich die junge Frau sie beiseite, die Handbewegung war Robert unendlich vertraut. Wie sie den Kopf etwas neigte, auf einmal schoben sich andere Menschen davor. So schnell, wie sie erschien, war sie verschwunden.
Robert hatte die erste Liebe seines Lebens gesehen. Einen Moment lang bekam er das Gefühl, sein Herz setzte aus. Clara, ja das war Clara. Vor zehn Jahren waren sie ein Paar gewesen. Robert hatte damals mit siebzehn Jahren gerade seine Lehre in der Bank begonnen, sie ging im letzten Jahr zur Schule. Im letzten Jahr auf dem Gymnasium, sie war ein Jahr älter als er.
Blitzschnell trafen ihn die Erinnerungen, sie hatten sich so sehr geliebt. Die Abende hingen sie in einer kleinen Kneipe herum und spielten mit Freunden Dart, hörten Musik, tranken und rauchten. Sie saß meist auf seinem Schoß, und sie küssten sich die Lippen blutig.
Am Wochenende besuchte er sie Nachmittags, und sie spielte ihm auf dem Klavier vor. Clara, Clara, Robert erinnerte sich, während seine Augen in der Menge nach ihr suchten. Sie wurde sehr verwöhnt, weil sie ein Einzelkind war.
Wenn ihr sie Abends in der Woche nach Hause brachte, drängten sie sich im dunklen Hausflur aneinander. Er schob ihren Rock hoch, zog den Slip aus, und sie liebten sich im Stehen. Sie liebten sich gierig drei-, viermal hintereinander, als wären sie am Verdursten. Wenn er in der Nacht heimwärts ging, hatte er weiche Knie.
Dann beendete sie die Schule und ging zum Studium in eine andere Stadt. Irgendwie verloren sie sich aus den Augen.
Jetzt erst wurde ihm bewusst, dass sie doch gar keinen Streit hatten, wieso ging es eigentlich zu Ende?
Robert stand auf. Zwischen den vielen Menschen, sah er den Rücken einer jungen Frau. Die Bewegung der Schultern, so ein gewisser Gang, das könnte sie sein. Er ging los und drängelte sich vorwärts. Dort in dem Schuhgeschäft vielleicht, nein.
Er eilte weiter, direkt in den Lichthof mit künstlichen Palmen und einem kleinen Wasserfall. So viele Menschen, wie sollte er sie hier finden?
Robert starrte in fremde Gesichter, dann war es ihm wieder, als sehe er Clara.
Er entdeckte sie am Eingang des Kaufhauses und rannte beinahe ein Kind um. Clara wollte doch Ärztin werden, fiel ihm ein, ob sie es wohl geschafft hat. Robert war inzwischen schon zu stellvertretenden Filialleiter aufgestiegen. Irgendwie hatte er das Gefühl, er müsste ihr das mitteilen.
Im Kaufhaus fand er sich einem Gewimmel wieder, dass jede Aussicht sie zu finden, ins scheinbar Unendliche verkleinerte. Dichtgedrängt standen die Menschen auf Rolltreppen.
„Robert?“
Er stieß mit Sara zusammen.
Etwas verständnislos blinzelte er.
„Sara?“
Sara lachte.
„Ja, was machst du denn hier, ich denke, du wartest im Café auf mich?“
Robert schaute sie an, als wäre er aus einem Traum erwacht.
„Ich weiß nicht, ich sah hier jemand.“
„Wen denn?“
Sara trug in beiden Händen volle Einkaufstüten. Er nahm sie ihr ab.
„Ach, ist wohl nicht so wichtig, komm wir gehen.“
Sara hängte sich bei ihm ein. Sie lief schon ein wenig wie eine Ente watschelt, obwohl sie doch erst im sechsten Monat war. Robert ging mit ihr zum Ausgang. Er sah sich nicht mehr um.
„Jetzt brauche ich eine heiße Schokolade“, sagte Sara in sein Ohr.
Als sie am Café anlangten, setzten sie sich an den Tisch. Sein halbvolles Bierglas stand noch da.
Die junge Kellnerin erschien, sie lächelte.
„Ich dachte schon, Sie prellen die Zeche.“
Robert grinste.
„Nee, nee, ich habe nur meine Frau abgeholt, sie möchte eine heiße Schokolade.“
542

26
Apr
2008

Aufruf an alle Raniafans

Kopiert von der Fanseite www.rania-zeriri.de/forum

AUFRUF an alle Rania Fans!

Liebe Fans,
hiermit möchte ich euch nochmal dazu aufrufen,Rania am Samstag auf jeden Fall mit euren Anrufen zu unterstützen.
Es geht nicht an,dass Dieter Bohlen versucht eine Kandidatin ,mithilfe von beleidigenden Äußerungen, taktisch fertigzumachen.
Nachdem all die Kritik und die diskriminierenden Äußerungen von dem DSDS-Juror nicht geholfen haben,Rania aus der Show zu werfen,geht es nun um Drogen.
Die Gerüchte von RTL und der Bildzeitung haben sich jedoch als falsch erwiesen und nun ist es an uns,diesen Quatsch nicht mehr länger mitanzusehen und RTL endgültig zu zeigen,dass wir uns nicht von den Medien manipulieren lassen.
Dieter Bohlen denkt, er könnte Rania mit allen Mittel rausekeln,deshalb ist es ganz,ganz wichtig,dass wir Zuschauer zu Rania halten und diese mit unseren Anrufen unterstützen werden.
RTL und die Jury kann sich noch soviel unfaire Attacken einfallen lassen,aber solange WIR zu Rania halten und konsequent für sie anrufen,wird sie ihren Weg gehen.

So kannst du Rania unterstützen:

1.JEDER ANRUF ZÄHLT!Wir sind die Jury,Leute!Unterstütze Rania mit deinem Anruf.Einmal anrufen ist besser als keinmal.Am besten alle Fans versuchen diesmal mehr als sonst anzurufen.

2.Versuche möglichst viele Freunde und Verwandte zu überreden für Rania anzurufen.

3.Verbreite den Aufruf in anderen Foren ,um noch mehr Fans zu motiveren.

4.Auch Nicht-Fans sollten anrufen.Lohnen tut es sich auf alle Fälle,denn was RTL mit dieser jungen Frau macht ist eine Schande.Außerdem wünschen sich so oder so sehr viele,dass Monika nächste Show fliegen wird;-)

Nicht vergessen!Am Samstag,dem 26.April für Rania anrufen!Mindestens einmal,am besten so oft wie möglich.
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Wir sind alle Schauspieler
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EugeneFaust - 10. Mai, 00:52
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ich gucke das gar nicht mehr. Rania wurde dermaßen...
mukono - 4. Mai, 12:57

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