3
Mai
2008

Der alte Mann und das Mädchen 20

20
Hans Kohn schläft nicht, aber er stellt sich schlafend. So nach und nach kommt die Gesundheit zurück in seine alten Knochen, wie im Frühjahr die Säfte in den vom Winter erfrorenen Bäumen hoch steigen und frisches Grün sprießen lassen. Leben ist Wärme.

Nuu hat schon zwei Nächte in seiner Wohnung geschlafen. In der letzten Nacht ist er wach geworden und konnte schon allein auf die Toilette gehen. Ganz vorsichtig öffnete er danach die Wohnzimmertür und betrachtete lange das schlafende Mädchen. Es war eine milde Nacht, die Balkontüren standen offen, und der gelbe Mond schien wie das Licht eines großen Zauberers. Das Mädchen schlief nackt, die Bettdecke war verrutscht, und er sah ein nacktes Bein und sogar einen kleinen Teil der Scham. Es hielt seine Bettdecke über der Brust, wie ein kleines Mädchen sein Kuscheltier im Schlaf festhält.
Hans Kohn fühlte ein wahnsinnige Erregung, wie der Drachen den Hunger auf die Jungfrau. Aber dann sah er das Gesicht des Mädchens, und ihm fiel der Name Nuu ein. Nuu lächelte entspannt im Schlaf wie jemand, der in einer tiefen Geborgenheit ruht, wie ein Baby im Arm der Mutter. Hans Kohn war sehr verwundert, und wie die Frühlingssäfte in den Bäumen stieg in ihm die Wärme empor, die Wärme einer fürsorglichen Liebe, die er fast sein ganzes Leben nicht gekannt hatte. Die Erregung verschwand wie ein tückisches Fieber. Leise schloss er die Tür wieder und schlurfte zurück ins Schlafzimmer, die schlafende Schöne hatte das Biest besiegt.

Jetzt liegt er auf dem Rücken und verstellt sich schlafend. Er atmet ruhig und gleichmäßig. Im Zwielicht des Morgens sieht er durch die nur einen Spalt geöffneten Augenlider das Mädchen vor dem großen Stehspiegel. Offenbar denkt es, dass er schläft. Es cremt sich ein und ist völlig nackt. Hans Kohn beobachtet jede seiner Bewegungen. Das Mädchen ist in sich selbst versunken und in sich verliebt wie Narziss in seinem Spiegelbild des Wassers einer Quelle. Das dämmrige Licht lässt seinen Körper erscheinen wie von einem weichen Pinsel gemalt, nichts ist wirklich deutlich zu sehen, alles ist zu erahnen. Hans Kohn teilt die Zärtlichkeit und Liebe, welches das Mädchen zu seinem Körper empfindet. Es ist, als ob seine eigenen Hand über die Arme und Schultern streichelt, fast fühlt er die kühle und sanft flüssige Lotion, welche die Haut zum Glänzen bringt, als leuchte sie von innen. Die Hand des Mädchen gleitet über die Brüste, die so wunderbar fest sind, über den flachen Bauch, den geschwungenen Schenkeln, dem Hintern, rund wie ein Paradiesapfel, bis zur Scham...
Hans Kohn betet die Schönheit des Mädchens an als ein Kunstwerk, wie eine perfekte Statue aus glänzendem Marmor. Er versucht weiterhin gleichmäßig zu atmen, um sich nicht zu verraten... und er beginnt zu träumen, das Bild der nackten Judith erscheint.
Und Hans Kohn ist nicht der alte verwelkte Mann mit der gelben Haut wie das verschrumpelte Leder eines uralten Krokodils, nicht das Biest, der Drachen, nein, er ist der junge Prinz, ebenfalls schön und vollkommen, zart ist seine Haut und glatt und fest und glänzend, wie die Knospen an den Bäumen im Frühling....
Ich bringe dir dann das Frühstück, sagt das Mädchen plötzlich laut und lächelt.
Ehe der alte Mann antworten kann, ist es schon verschwunden.

Eine Stunde später sitzt er wie ein bemooster Stein aus der Urzeit auf einem Hocker in der Dusche. Nuu seift ihn ab und trällert dabei ein Liedchen, um ihm den Schimmer der Peinlichkeit aus dem Gesicht zu zaubern. Er beobachtet sie finster und misstrauisch, als wäre er ein alter König und von Mordgesellen umringt. Sie trocknet ihn gründlich ab, danach cremt sie ihn ein. Es ist die gleiche Lotion, mit der sie sich am Morgen selbst eingecremt hatte. Eine angenehme feuchte Kühle hüllt ihn ein wie ein Gewand. Seine Stimme kratzt wie rostiges Eisen auf Glas.
Er bemüht sich böse zu sein, doch er ist ein wehrloser Drachen. Nuus Leichtigkeit und Fröhlichkeit verblüffen ihn.
Du hättest mich verrecken lassen sollen, er gibt sich möglichst knurrig.
Aber warum denn das? Nuu legt ihm den Bademantel um und ihre Stimme zwitschert.
Sie führt ihn behutsam zurück ins Bett.
Hans Kohn schaut sie herausfordernd an, während er sich nach hinten fallen lässt. Weil ich eine alte stinkende und geile Sau bin.
Nuu kämmt ihm liebevoll das lange Haar. Ich werde dir einen Pferdeschwanz binden, flüstert sie, als hätte sie seine Worte gar nicht gehört. Der alte Mann lässt keinen Blick von ihr.
Als ich fünfzig war, hielt ich alle Achtzigjährigen für stinkende Säue, die sabbern und sich in die Hosen machen.
Und, fragt Nuu.
Jetzt bin ich achtzig, und es war nur eine Sekunde vergangen... er dreht den Kopf, dass sie besser kämmen kann.
So sagt Nuu, jetzt siehst du wieder gut aus, jetzt kannst du ein wenig schlafen. Sie bleibt einen Moment sitzen und schaut ihn an.
Wir Menschen fürchten uns alle vor dem Tod, sagt sie schließlich, darum hast du das gedacht, als du fünfzig warst. Aber was sollst du jetzt denken?
Der alte Mann überlegt. Vielleicht sollte ich heute eine Zigarre rauchen, wir könnten abends auf dem Balkon sitzen. Er grinst ohne Zähne.
Wir werden sehen, wie du dich abends fühlst, antwortet Nuu. Sie schweigt einen Moment.
Was meinst du, sagt sie dann, wie viele geile stinkende fünfzigjährige Säue ich kennen gelernt habe, keiner von denen konnte es mit deiner Schönheit aufnehmen, Hans.
Der alte Elefant schläft mit einem Lächeln ein.
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ich bin sehr angenehm überrascht über diese...
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dann wird man eben Laptops herstellen, die sich wie...
mukono - 25. Mai, 13:10

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