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    <title>Mukonos Tagebuch (Erster Eintrag)</title>
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    <description>Erster Eintrag</description>
    <dc:publisher>Mukono</dc:publisher>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    <dc:date>2008-07-08T23:26:13Z</dc:date>
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    <title>Mukonos Tagebuch</title>
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  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5047463/">
    <title>Das dunkle Auge der Nacht</title>
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    <description>(nach einer Gedichtzeile von Ingeborg Bachmann)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul, der hagere alte Mann geht mit dem Whiskyglas in der Hand auf die Terrasse. Seine Augen suchen die untergehende Oktobersonne über dem See. Einige Schwäne gleiten noch über das Wasser durch Nebelschwaden, als wollten sie Zauberwesen sein. Das Quaken der Frösche klingt matt. Irgendwo dort im Schilfgürtel ragt ein kleiner Steg aus schwarzem Holz einige Meter in den See. Am Steg ist ein Angelkahn festgemacht. Früher fuhr Paul morgens und abends hinaus um zu angeln. Jetzt wäre die richtige Zeit zurückzukommen, aber er hatte erst gar keine Lust gehabt aufzubrechen. Vielleicht ist der Steg morsch und verfallen, der Kahn leck und unter Wasser. Kahn und Steg sind unwichtig geworden. &lt;br /&gt;
Eine große Gleichgültigkeit gegenüber den Dingen hat sich in ihm breit gemacht. &lt;br /&gt;
Auch Morgen wird er nicht nachschauen, geschweige denn noch heute Abend. Die Frösche verstummen. Es wird kühl und er trinkt einen winzigen Schluck. Sofort steigt die Wärme des Alkohols in ihm hoch. Er raucht eine Zigarette und schaut in das Gold, das die Sonne über den See gelegt hat.&lt;br /&gt;
Paul ist so weit aus dieser Welt, wie man nur sein kann. Seine ernste Einsamkeit macht ihm schon lange keine Angst mehr, weil er keine Sehnsüchte kennt. Irgendwo knallt ein Schuss, aber ganz weit weg, mindestens zehn Kilometer entfernt von hier. Ob ein Jäger ein Reh tötete? Mag sein.&lt;br /&gt;
Die Dunkelheit nimmt dem Gold seinen Glanz, eine Brise rauscht kurz über den Schilfgürtel. Er wirft die Kippe in weitem Bogen auf das nasse Gras im Garten, dann geht er hinein, schließt die Terrassentür und setzt sich auf die Couch. Auf dem kleinen Tisch steht der Whisky, sein einziger Freund. Er sitzt mit ihm ganz still. Ab und an raucht er. Er wartet die Nacht ab, weil es sich am Tage besser schlafen lässt. Diese Nacht fällt kein Mondlicht durch die Scheibe. Trotzdem kann er die Umrisse der Möbel im Zimmer gut erkennen. Den Bücherschrank mit vielen guten Ausgaben der Klassiker, schon jahrelang hat er nicht mehr gelesen. Er hat jedes Interesse an Büchern verloren. &lt;br /&gt;
Paul hat jedes Interesse an allem verloren. &lt;br /&gt;
In bestimmten Abständen trinkt er einen neuen Schluck und raucht eine neue Zigarette. Er trinkt nie einen Schluck zuviel. Alles was er braucht ist diese gewisse freudige Entspanntheit und Leere.&lt;br /&gt;
Manchmal schaltet er den Fernseher ein, aber den Ton ab. Dann guckt er auf die lautlosen Bilder der Nachrichtensender, doch heute Nacht lässt er auch das sein. Dreimal läutet das Telefon im Flur. Dann verstummt es. Er weiß, dass es seine Tochter ist, die fragen möchte, ob er auch gegessen hat. Morgen am Vormittag kommt sie wieder und stellt neues Essen in den Kühlschrank. &lt;br /&gt;
Paul wird dann schlafen. &lt;br /&gt;
Seine Tochter ist daran gewöhnt, dass er den Hörer nicht abnimmt. Dreimal lässt sie es klingeln, jedes mal. Wenn du mal Hilfe brauchst, Papa, dann nimm einfach ab und sag es, hatte sie ihm vor etlichen Jahren gebeten. Ist gut, hatte Paul geantwortet. Das war damit erledigt, und so ist es bis heute. &lt;br /&gt;
Sie ruft immer um zehn Uhr an. Das ist für ihn eine Mahnung, Whisky nachzufüllen. Er trinkt in der ganzen Nacht vielleicht eine halbe Flasche. Und er kann gut warten.&lt;br /&gt;
Um Mitternacht kommt Irene. Sie ist schon seit zehn Jahren tot, aber sie kommt zuverlässig als Gespenst. Paul, flüstert sie, aber er schweigt. Sie hat nicht seine Ruhe und geistert durch das ganze Haus. Irgendwann sitzt sie vor ihm am Couchtisch. Er trinkt einen Schluck, wenn es so weit ist.&lt;br /&gt;
Hast du denn deine Erinnerungen verloren? Irene wispert, Paul schweigt. Die Kinder lachten im Garten, dein kleiner Enkelsohn ging an deiner Hand zum Angelkahn. Paul schweigt. An den Sommertagen backte ich Erdbeertorte, Paul, dazu gab es frische Schlagsahne. Du erzähltest so viele Geschichten, was haben wir gelacht. Wir hatten drei Nachbarn mit ihren Familien als Freunde, unsere Gartenfeste waren Ereignisse. Paul schweigt.&lt;br /&gt;
Du warst ein großartiger Mann, Paul, ein erfolgreicher Mann, ein guter Familienvater, ein leidenschaftlicher Liebhaber bis zum Schluss, Paul, Paul. Irene flüstert immer wieder seinen Namen, als wolle sie ihn beschwören. Er antwortet nicht, solange nicht, bis auch sie beginnt zu schweigen. &lt;br /&gt;
Paul denkt, die Freunde sind alle tot, Irene, meine Liebe ist tot, die Kinder haben ihr eigenes Leben, da störe ich nur. Mit Irene ist auch meine Liebe gestorben. Jetzt bin ich ein alter Mann, der in der Nacht eine halbe Flasche Whisky trinkt, und nichts weiter macht und manchmal sein Essen vergisst. Irene scheint seine Gedanken zu verstehen.&lt;br /&gt;
Sie schluchzt plötzlich leise.&lt;br /&gt;
Ich muss jetzt gehen, was kann ich für dich tun. Er gießt sich einen neuen Whisky ein. Nimm meinen Namen mit. Noch nicht, Paul, noch nicht, du musst noch warten, Paul. Ich komme morgen wieder, Paul.&lt;br /&gt;
Er zündet sich eine Zigarette an, als Irene verschwindet. Die Nacht ist noch lang. Ihr dunkles Auge schaut auf ihn.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-08T23:25:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5042293/">
    <title>Mein kleiner lieber Kobold</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5042293/</link>
    <description>Es dauert immer eine Weile, ehe ich nach dem Mittagsschlaf zu mir komme. Was ist überhaupt los? Wo bin ich? Langsam finde ich mich zurecht, ich bin zu Hause, in Deutschland, in Berlin und liege auf meiner Couch, die wollene grüne Decke habe ich anscheinend im Schlaf mit den Füßen von mir gestoßen. So, jetzt weiß ich Bescheid. Vor dem Einschlafen hatte ich doch noch mit meiner Tochter telefoniert. Die Kleine, ist einfach abgehauen aus dem Krankenhaus, merkt eh keiner, abends bin ich wieder da. Ich muss mich erst mal aufrichten, Blei in den Adern, ich brauch&apos; jetzt einen Kaffee. Ich hatte sie doch etwas gefragt, ach, wegen ihrer Schwangerschaft, ist nicht so wichtig.&lt;br /&gt;
Der Mund verzieht sich von allein zum Gähnen, jetzt aber hoch. Ich schalte das Flurlicht an, das heißt, ich möchte es gern anschalten und  es knallt laut. Der Flur bleibt dunkel, ich bin munter. Der Flur ist nicht so dunkel wie in der Nacht, rabenschwarz, wenn die Gespenster spuken. Es bleibt noch genügend Licht aus der Stube, der Flur ist dämmrig, und ich überblicke sofort die Sachlage. Am anderen Ende des langen Flures ist eine Lampe explodiert, der Knall setzte sich genaugenommen aus zwei Knallen  zusammen, einmal das helle Klirren der Lampe und zum anderen das harte Klacken der Sicherung. Was soll das? So eine schöne große weiße Lampe, groß wie ein Handball. Kann doch nicht einfach explodieren, das ist ja wie ein Mordanschlag. Haben sie hier in Deutschland keine Sicherheitsbestimmungen in der Lampenindustrie? Sie haben doch sonst für alles Bestimmungen. Und so eine Lampe ist teuer.&lt;br /&gt;
Na ja, ich trete erst einmal vorsichtig über die Scherben in die helle Küche und bereite den Kaffee vor. Dabei singe ich, bin ja schließlich allein, hört keiner meine falschen Töne.&lt;br /&gt;
Ich bin brech&apos; die Herzen der stolzesten Frauen, weil ich so lalala bin, mir braucht nur eine in die Augen zu schau&apos;n  und schon ist sie hin. Während dessen brodelt und zischt die Kaffeemaschine, scheinbar empört sie mein Gesang. Ich fege die Scherben auf, klacke die Sicherung wieder ein. Die zweite Lampe leuchtet. Na, zum Glück, finde ich immer noch ein Buch, wenn ich es suche. So, ein paar Zigaretten stopfen, Kaffee, Aschenbecher, auf den Sessel fläzen, schalte ich mal die Maschine an. Sie braucht wie immer ihre Zeit. Mein kleiner grüner Kaktus, bambambambamba.  Der heiße Kaffee ist gut, den ich schlürfe, hört ja schließlich keiner.&lt;br /&gt;
Was mache ich nun, gehe ich gleich in Words, die Geschichte will schließlich raus, ach, ich gucke erst mal ins Internet, das Anwählen, dazwischen das Summen wie von einer Hornisse, jetzt bin ich drin, kann mich keiner mehr anrufen, und das ist gut so, ich hasse das Telefonieren. Zzzschi, irgend etwas zischte an mir vorbei, streifte direkt mein Ohr. Was war das? Nun höre ich ein Kichern, es ist übermütig, zum einen glockenhell, aber es ist auch ein Klirren darin wie vorhin die Lampe. Es spielt hier jemand einen Schabernack mit mir. Ich bin doch allein, oder.&lt;br /&gt;
Auf dem Bildschirm baut sich die Leiste über Start auf, ohne dass ich die Maus in der Hand halte, dann: wollen Sie den Computer herunterfahren, ja oder abbrechen, der Pfeil geht auf das Ja, klick, ich tue gar nichts, ein Summen, das Standbild, und alles bricht zusammen. Der Computer ist vom Netz und ausgeschaltet, schwarzer Bildschirm, totes Auge.&lt;br /&gt;
Was soll das, spinnt das Ding?&lt;br /&gt;
Wieder ertönt dieses seltsame Kichern. Jetzt höre ich, wo es herkommt. Auf meiner Deckenlampe sitzt ein kleines Wesen.&lt;br /&gt;
Das war ich, sagt das Wesen und kichert wieder. Und dann singt es. Dein kleiner lieber Kobold, bambambambamba, lalalalala.&lt;br /&gt;
Du kommst aus dem Internet:&lt;br /&gt;
Das Wesen kichert wieder. Ein virtueller Kobold.&lt;br /&gt;
Dann fasst es das Gestänge der Lampe an, zieht sich einmal hoch und dann in voller Länge mit gestreckten Armen saust es herum, Riesenwelle, nennen die Turner das.&lt;br /&gt;
He, pass auf, rufe ich, du knallst mir hier noch auf den Teppich!&lt;br /&gt;
Mitten im Herumsausen ruft es:&lt;br /&gt;
Dann fängst du mich auf!&lt;br /&gt;
Nee, nee, so schnell bin ich nicht.&lt;br /&gt;
Der Kobold setzt sich wieder auf die Stange und hält sich mit beiden Händen fest.&lt;br /&gt;
O, jetzt ist mir schwindlig.&lt;br /&gt;
Ich habe es geahnt. Die Schnelligkeit habe ich mir wirklich nicht zugetraut, na, wenn es darauf ankommt, wächst man über sich selbst hinaus. Ich katapultiere mich  aus meinem Sessel und bin tatsächlich rechtzeitig zur Stelle. Das Wesen knallt mir direkt in die Arme.&lt;br /&gt;
Siehst du, du hast mich doch aufgefangen! Und das Wesen zupft mir so ein wenig liebevoll am Ohrläppchen.&lt;br /&gt;
Ich setzte den Kobold behutsam auf meinen Korbsessel, auf den ich immer die Füße hochlege beim Schreiben, während ich die Tastatur auf dem Schoß ablege.&lt;br /&gt;
Sag mal mein kleiner lieber Kobold, vorhin, das mit der Lampe, warst du das?&lt;br /&gt;
Der Kobold grinst.&lt;br /&gt;
Psst.&lt;br /&gt;
Aber ich war doch noch gar nicht im Internet?&lt;br /&gt;
Der Kobold hockt in meinem Korbsessel und grinst unentwegt.&lt;br /&gt;
Alles musst du nicht wissen.&lt;br /&gt;
Ich schaue das klitzekleine Wesen an, und es schaut mich an. Wir schweigen lange, lange Zeit. Da kommt mir die Erleuchtung.&lt;br /&gt;
Mein Nachbar, der surft doch andauernd im Internet. Über die Nachbarwohnung bist du auch an die Elektrik gekommen, denn die Zuleitung für beide Wohnungen ist die gleiche.&lt;br /&gt;
Schiet, sagt der Kobold, wie hast du das rausgekriegt?&lt;br /&gt;
Schließlich war ich einst Elektriker.&lt;br /&gt;
Nun lachen wir beide.&lt;br /&gt;
Das sage ich, es ist nichts passiert, aber die Lampe ist teuer.&lt;br /&gt;
Jetzt bin ich streng und guck auch so.&lt;br /&gt;
Das Wesen versteckt ein wenig sein Köpfchen, wie ein kleines Kind, das sich schämt.&lt;br /&gt;
Dafür erfülle ich dir einen Wunsch.&lt;br /&gt;
Was für einen Wunsch, ich bin wunschlos glücklich.&lt;br /&gt;
Wirklich? &lt;br /&gt;
Was ist mit diesem Kobold? Wie gut kennt er mich? Habe ich schon zuviel Texte ins Internet gegeben?&lt;br /&gt;
Ich kann mich zum Beispiel verwandeln, flüstert das Wesen leise.&lt;br /&gt;
Wie verwandeln?&lt;br /&gt;
In jeden Menschen, den du jetzt bei dir haben möchtest.&lt;br /&gt;
Nun klopft mein Herz. Es hat tatsächlich meinen einzigen Schwachpunkt entdeckt. Ich seufze.&lt;br /&gt;
Dann sitzt sie da im Korbsessel, leibhaftig, ihre Augen leuchten, und sie lächelt. Ihre strahlend weißen Zähne in dem schwarzen Gesicht, sie ist so schön.&lt;br /&gt;
How do you do. I hope, fine.&lt;br /&gt;
`Yes, I am fine and you?&lt;br /&gt;
Also.&lt;br /&gt;
I want you give a kiss.&lt;br /&gt;
Yes, yes.&lt;br /&gt;
Ich beuge mich vor, um sie zu küssen, möchte sie umarmen, da schrumpft sie zusammen zu dem kleinen Kobold. Er kichert.&lt;br /&gt;
Alles nur Fantasie, virtuelle Gedanken.&lt;br /&gt;
Ohne ein Wort zu verlieren, schalte ich die Maschine ein, da kann der kleine liebe Kobold noch so traurig gucken, hinein ins Internet  und zzzschi heraus aus meinem Korbsessel.&lt;br /&gt;
Und ich kann endlich wieder meine Füße hochlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-06T16:52:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5037995/">
    <title>Die Reise 4</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5037995/</link>
    <description>4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wachte auf wie ein Krokodil, dass hundert Jahre geschlafen hatte und plötzlich die Augen öffnete und nicht weiß, ob es noch schlief oder nur mit offenen Augen weiter träumte.&lt;br /&gt;
Irgend woher kamen Stimmen, ein Kind war dabei. Einer der Vorhänge bewegte sich leicht, sie leuchteten matt gelb, weil draußen die Sonne schien. Das große Fenster der Terassentür war an gekippt.&lt;br /&gt;
Warum liege ich hier am helllichten Tag, warum bin ich nicht auf der Arbeit?&lt;br /&gt;
Martin drehte den Kopf zum Wecker. Es war vier Uhr.&lt;br /&gt;
So nach und nach ordneten sich seine Gedanken wie Puzzles zu einem Bild.&lt;br /&gt;
Die Frauen saßen im Garten, Sybilles Stimme klang ganz deutlich zu ihm herüber. Tinchen, die Kleine musste schon da sein. Ein Baby greinte.&lt;br /&gt;
Ist ja gut, ist ja gut, Sabines Stimme, schlaf noch ein wenig, bald kommt der Opa.&lt;br /&gt;
Der Opa bin ich, dachte Martin und schaute mit großen Augen gegen die Zimmerdecke, die blau gemalt war mit weißen Wolken, kaum zu sehen, so schummrig war es... die Vorhänge hielten dicht, als wollten sie etwas verbergen.&lt;br /&gt;
Sybille hat aus unserem Schlafzimmer ein Kinderzimmer gemacht, dachte er und staunte, als erkannte er es zum ersten Mal.&lt;br /&gt;
Dann hörte er die Stimme des Jungen.&lt;br /&gt;
Warum schläft denn der Opa am Tage, ist er krank?&lt;br /&gt;
Psst, das war wieder Sybille, der Opa ist jetzt Rentner, und da braucht er nicht mehr zur Arbeit, weißt du, und er kann am Tage ein Schläfchen machen wie du im Kindergarten...&lt;br /&gt;
Martin lächelte und staunte.&lt;br /&gt;
Wenn er am Tage ein Schläfchen macht, bringst du ihn dann auch in den Kindergarten?&lt;br /&gt;
Das helle Lachen eben, das war von Tinchen.&lt;br /&gt;
Jetzt gluckste ihre Stimme vor Vergnügen, Martin gluckste ganz leise mit.&lt;br /&gt;
Ja, sagte seine jüngste Tochter und Mutter des Kindes, die Oma bringt jetzt Opa in den Kindergarten...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin senkte den Blick, er war nackt und nur mit einem Laken zugedeckt. Draußen kam eine kurze Windböe auf und wie im Echo bewegte sich wieder der eine Vorhang.&lt;br /&gt;
Beim Mittag hatte er mindestens zwei Whisky zu viel getrunken. Langsam kamen die Erinnerungen zurück wie verlorenen Kinder, die Heim finden, bevor es beginnt zu regnen.&lt;br /&gt;
Sybille hatte ihn unter gehakt, als sie aus dem Taxi gestiegen waren und direkt ins Schlafzimmer geführt. Er hob etwas den Kopf an, seine Sachen lagen verstreut auf der beige farbigen Auslegware wie die Trümmer einer verlorenen Schlacht., auch sein Jackett mit der weißen Margerite im Knopfloch, die aussah, als würde sie lachen.&lt;br /&gt;
Es war unglaublich. Er ließ den Kopf zurück auf das Kissen fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na du böser Mann, hatte sie geflüstert und versucht, ihrer Stimme einen verruchten Klang zu geben, wirst du jetzt endlich mehr Zeit haben für deine kleine dumme Frau...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er schloss die Augen in einer gewissen Ergebenheit. Jetzt wurden die Stimmen leiser. Komm, kleiner Mann, wir decken jetzt den Kaffeetisch, damit der Opa an seinem ersten Rentnertag mit uns Kaffee trinken kann... die Geräusche entfernten sich. &lt;br /&gt;
Martin wusste, dass sie jetzt alle in die Küche gegangen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sybille hatte sich nieder gekniet und ihm die Hose geöffnet. Dann hatte sie den kleinen Martin in den Mund genommen. Er war hin und her geschwankt.&lt;br /&gt;
Sybille, was soll denn das, du musst so was nicht machen, das passt nicht zu dir. Schließlich hatte er sich ihre blonden Haare gepackt, sie in seinen Händen verknotet wie Schiffsseile den schwankenden Seemann halten. Natürlich konnte sie es gar nicht richtig... ich mache das nur für dich, gurgelte ihre Stimme, als wäre sie am Ertrinken. Das war das Problem, Martin behielt es für sich, sie sollte es für sich tun, wenn schon... schließlich stieß sie ihn aufs Bett, riss sich die Kleider vom Leibe und anschließend seine auch.&lt;br /&gt;
Martin tat das, was er immer tat, wenn er mit ihr schlief, er schloss die Augen und stellte sich andere Frauen vor...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt begann das Baby wieder zu weinen. Es musste allein sein im Kinderwagen auf dem Rasen im Schatten des Birnbaums. Was trieben sie nur so lange in der Küche? Schwatzen natürlich.&lt;br /&gt;
Das Weinen hörte nicht auf.&lt;br /&gt;
Er drehte sich und schaltete die kleine orange  Nachttischlampe an. Das Baby wurde lauter, keine Frage, es rief nach ihm.&lt;br /&gt;
Martin stand auf und wickelte sich das  braune Laken um die Hüften wie ein Inder seinen Sari, aber nein, so hieß ja das indische Frauengewand. Ihm war es egal, er zog die Vorhänge auf, klappte die Tür zu und entriegelte sie, um sie dann weit zu öffnen. Die Sonne blendete ihn, als würde er eine erleuchtete Bühne betreten wie ein Schauspieler, der hinter dem Vorhang hervor kommt. Was für ein Stück wurde gegeben?&lt;br /&gt;
Etwas ungeschickt hielt er sein provisorisches Hüfttuch fest und hüpfte über den Rasen zum Birnbaum.&lt;br /&gt;
Hallo Baby, sagte er und schaukelte den Wagen. Sofort hörte das Kind auf zu weinen und lachte ihn an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich erschienen nun die Frauen mit dem Jungen, alle trugen Geschirr und Tortenschalen, Kaffeekanne, selbst der Kleine trug eine Glasschüssel mit frisch geschlagener Schlagsahne. Tinchen lachte.&lt;br /&gt;
Auch Sybille lachte. Hast du schon ausgeschlafen, fragte sie.&lt;br /&gt;
Martin hielt seine Wange hin, um sich vom Tinchen und von dem Kleinen je einen Kuss auf die Wange geben zu lassen.&lt;br /&gt;
Wenn ihr mich hier allein mit dem schreienden Baby lasst, Martin spielte etwas den Entrüsteten, kann ich ja schlecht schlafen.&lt;br /&gt;
Dann könne  wir ja Kaffee trinken, Sybille warf ihm eine  langen Blick zu, in dem ein gewisser Triumph glänzte, als wäre sie eine Siegerin der Mittagsschlacht.&lt;br /&gt;
Martin zwinkerte Tinchen zu.&lt;br /&gt;
Ich ziehe mir was über. Er lief etwas ungeschickt zurück zur Terassentür des Schlafzimmers. Kurz vorher drehte er sich noch mal um.&lt;br /&gt;
Soll ich jetzt etwa den Anzug anziehen?&lt;br /&gt;
Sybille lächelte. Ein Bademantel reicht... später zur Party musst du dich natürlich wieder schick machen, wenn die Gäste kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor er das Schlafzimmer betrat, hörte er die Stimme Tinchens. Habt ihr etwa noch Sex?&lt;br /&gt;
Er zog die Tür grinsend hinter sich zu. Des kleinen Pauls Stimme trompetete, Oma, was ist den Sex? Während er ins Badezimmer ging, konnte er sich genau vorstellen, was Oma antwortete.&lt;br /&gt;
Wenn ein Mann und eine Frau sich ganz toll lieb haben, dann küssen sie sich und streicheln sich, das ist Sex...</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-04T00:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5035837/">
    <title>Armin Müller-Stahl</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5035837/</link>
    <description>So ist gut. Die Kühle kommt wie ein guter Whisky mit Eis. Die Stadt ist schlafen gegangen, nur vereinzelte Trinker grölen und hadern mit ihrem verpfuschten Leben. Eine leichte Brise streichelt mich wie ein Schmetterlingsflügel aus Samt. Ich bin allein und betrinke mich nach und nach planvoll, allein auf dem Balkon. Alles ist unglaublich friedlich.&lt;br /&gt;
Dann sitzt dieser Kerl mir plötzlich gegenüber. Er sieht irgendwie zerzaust aus. Wie ein herunter gekommener Stadtstreicher, den das Leben zum Philosophen gemacht hat. Und er grinst schräg von unten her.&lt;br /&gt;
Zufrieden, fragt er.&lt;br /&gt;
Mein Schweigen scheint ihn nicht zu stören. Wortlos nimmt er den Whisky entgegen und wartet. Ich trinke einen Schluck und lasse mich dabei beobachten. Die Blätter der Straßenbäume rascheln ganz leise. &lt;br /&gt;
Warum sollte ich nicht zufrieden sein?&lt;br /&gt;
Langsam trinkt er einen Schluck, danach gewinnt er an Haltung.&lt;br /&gt;
Du antwortest mit einer Frage.&lt;br /&gt;
Über den gelben Mond streicht der Schatten eines Vogels. Das ist der Mann, der entdeckt hat, dass er fliegen kann.&lt;br /&gt;
Er wartet.&lt;br /&gt;
Man muss ja nicht unbedingt fliegen, sage ich und der Whisky kitzelt meinen Schlund. Der kommt immer nach dem Mund. Ist auch so ein blöder Reim.&lt;br /&gt;
Nein, sagt der Kerl, man muss gar nichts. Aber wenn man weiß, dass man...&lt;br /&gt;
Dass man was, frage ich.&lt;br /&gt;
... dass man fliegen kann.&lt;br /&gt;
Warum zieht diese Pfeife denn schon wieder nicht ordentlich?&lt;br /&gt;
Könnte, sage ich.&lt;br /&gt;
Dann sollte man es auch tun, sagt er und trinkt aus.&lt;br /&gt;
Dann bin ich wieder allein in der Kühle und Behaglichkeit.&lt;br /&gt;
Warum, frage ich in die Nacht.&lt;br /&gt;
Um zufrieden zu sein, tönt eine Stimme vom Mond.&lt;br /&gt;
Ich sollte nicht so spät Fernsehen schauen.&lt;br /&gt;
Der Whisky schmeckt nicht mehr.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-03T00:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5034918/">
    <title>Erdbeerzeit</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5034918/</link>
    <description>Sie waren gut durch den Stau gekommen, denn Dieter kannte ein paar Schleichwege, wie er bei jeder Gelegenheit stolz verkündete. Obwohl Sabine dachte, dass die meisten Autofahrer der Stadt diese Schleichwege benutzten, und sie ganz einfach wieder einmal Glück hatten, schwieg sie, als er prahlte, wie immer. Sie schwieg zu oft, er sprach zu viel. &lt;br /&gt;
Sabine bekam das Gefühl, von Woche zu Woche vermehrten sich die Erntelasten, wenn sie in den warmen Monaten des Jahres am Sonntag abend von ihrem Garten heimkehrten. Der Garten wucherte bis in ihre Stadtwohnung hinein. Seine Fruchtbarkeit wuchs unaufhaltsam: Sie allein trug vier große Körbe gefüllt mit frischen Erdbeeren und hatte Mühe, das Eingangstor zu öffnen. Dieter folgte drei Schritte hinter ihr, mit schweren Taschen beladen, Mohrrüben und Kohlrabi und Rettich.&lt;br /&gt;
Warten Sie, hörte Sabine auf einmal eine Männerstimme, ich halte Ihnen das Tor auf.&lt;br /&gt;
Sabine lächelte bereits, als sie aufsah. Sie hatte den Nachbarn aus dem Hinterhaus sofort an seiner Stimme erkannt. Er lächelte zurück. Seine Augen funkelten lustig, möglicherweise zwinkerte er ihr sogar zu. Er drückte die große Tür auf, ohne richtig von seinem Fahrrad abzusteigen und ließ sie und Dieter durchgehen, um sich ihnen dann anzuschließen.&lt;br /&gt;
Na, das Wochenende hat sich gelohnt, die Erdbeeren duften verführerisch, bemerkte der Mann und zeigte mit einer Hand auf die Körbe, wenn sie sich nicht täuschte, klang ein kleiner Spott in seiner Stimme mit..&lt;br /&gt;
Dann beugte er sich vor, um sein Fahrrad anzuschließen. Der ganze Flur stand voller Fahrräder in dieser Jahreszeit.&lt;br /&gt;
Am liebsten würde Sabine sagen:&lt;br /&gt;
Morgen backe ich eine Erdbeertorte, und dann bringe ich Ihnen ein Stück. Aber sie verschluckte den Satz. Manchmal fühlte sie es selbst als ihre Eigenart, Worte und Sätze nicht auszusprechen. Inzwischen kostete es sie keine Mühe und schmerzte schon lange nicht mehr. Dafür sprach ja Dieter laut genug.&lt;br /&gt;
Ja, junger Mann, riecht gut, schmeckt gut, macht aber einen Haufen Arbeit.&lt;br /&gt;
Der Nachbar lachte und antwortete:&lt;br /&gt;
Ja, so ist das Leben, kein Genuss ohne Arbeit, zum Glück bin ich frei davon, ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.&lt;br /&gt;
Er lächelte kurz zu Sabine hinüber, die errötend flüsterte.&lt;br /&gt;
Ihnen auch noch einen schönen Abend.&lt;br /&gt;
Sie könnte sich selbst ohrfeigen, da sie wie ein junges Mädchen reagierte. Doch hinter seinem Rücken fiel schon die zweite Tür zum Hinterhof zu, wahrscheinlich hatte er ihre Flüsterworte gar nicht mehr gehört. Langsam stieg sie die Treppe hoch. Unter ihr schnaufte Dieter.&lt;br /&gt;
Ich möchte mal wissen, was dieser Kerl sich dabei denkt, dich so anzustarren, als wärst du eines seiner Weiber.&lt;br /&gt;
Sabine lachte ungewohnt laut auf, während sie die Körbe auf den Boden stellte. Sie kramte nach dem Wohnungsschlüssel.&lt;br /&gt;
Dieter, was du für einen Unsinn redest, du bist doch nicht etwa eifersüchtig, sprach sie möglichst leichthin und öffnete die Tür.&lt;br /&gt;
Nee, antwortete Dieter und schob sich einfach an ihr vorbei, für den bist du zu alt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Stunde später stand sie in der Küche und putzte Erdbeeren. Dieter saß im Wohnzimmer und sah fern. In der Wohnung schwiegen sie seit Jahren gemeinsam. Er schaffte es immer wieder Sportsendungen zu finden, die sie  langweilten, aber genau genommen war es ihr schon lange egal. Für sie war Dieter wie ein Gast in der Wohnung, den man halt zu erdulden hatte. Erst wenn er in der Woche tagsüber arbeiten ging, war diese Wohnung ihr Heim, und manchmal drehte sie sogar das Radio laut auf. Dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis er in Rente gehen würde, verdrängte sie wie einen bevorstehenden Tod. &lt;br /&gt;
Die Dämmerung schlich behutsam in die Küche und brachte ein laues Lüftchen mit.&lt;br /&gt;
Sabine schaltete die Lampe an und ging zum Küchenfenster, um es weit zu öffnen. Gegenüber im Quergebäude erblickte sie eine Etage höher den Nachbarn. Auch er hatte sein Fenster weit geöffnet, saß an einem Tisch und schrieb offenbar. Sie hielt einen Moment inne und beobachtete ihn und wähnte sich selbst unbeobachtet. Ihr Herz schlug schneller, das empfand sie als angenehm. Vielleicht, überlegte sie, schreibt er ein Liebesgedicht für eines seiner Weiber, und sie lächelte; er wirkte so versunken und konzentriert. Vielleicht, dachte sie dann und seufzte, schreibt er auch nur die Steuererklärung. &lt;br /&gt;
Auf einmal durchfuhr sie ein Schreck. Wenn er jetzt hochschaut, erwog sie, sieht er mich hier im Fenster stehen und zu ihm hinüberstarren.&lt;br /&gt;
Schnell ging sie wieder zurück zu ihrem Erdbeerberg und bemühte sich, nicht zum Fenster zu blicken. Ihr fiel ein, er könne sie deutlich von der Seite sehen, und die Arbeit ging ihr leichter von der Hand.&lt;br /&gt;
Sabine verließ in einem plötzlichen Einfall die Küche und betrat das Bad und &lt;br /&gt;
betrachtete sich im Spiegel. So, so, überlegte sie, während ihr Augen achtsam die Falten im Gesicht und die schlaffe Haut am Hals verfolgten, ich bin also alt. Sie war selbst darüber verwundert, dass dieser Gedanke sie belustigte und ein Lächeln erschien. Aber deswegen bin ich noch lange nicht hässlich, gab sie sich selbst die Antwort und kämmte sorgfältig das von grauen Strähnen durchzogenes Haar. Und das Lächeln verschwand nicht aus ihrem Gesicht, als sie wieder die Küche betrat.&lt;br /&gt;
Der Nachbar gegenüber stand nun in seinem Fenster und schaute auf den Hof und rauchte eine Zigarette. Er schaute direkt in ihre Küche hinein.&lt;br /&gt;
Sabine schritt zu ihren Erdbeeren und bemerkte, wie der Nachbar den Arm zum Gruße hob. Sie beschloss diesen Gruß zu ignorieren, und senkte den Kopf und putzte konzentriert. Ich bin eine blöde Gans, kam es ihr in den Sinn und in einem plötzlich Entschluss drehte sie sich zur Seite und hob den Arm als  Antwort. Der Nachbar lachte, und Sabine lachte zurück. Ihr war leicht zumute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie immer ging Sabine früher ins Bett als Dieter. Es war seine sonntägliche Gewohnheit sich im Dunkeln auf sie zu legen. Sie empfand den Sex nicht mehr als unangenehm und bemühte sich, dabei an etwas Schönes zu denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht wachte sie auf. Es war stockfinster. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Sabine bekam ein seltsames Gefühl und erhob sich. Sie ging in die Küche ohne das Licht einzuschalten. Im Fenster des Nachbarn stand eine brennende Kerze, und sie sah den Mann dort stehen wie ein Schemen. Er kann mich ja gar nicht sehen, überlegte sie ruhig. Doch wie in einem Zauber schlug ein einziger Lichtstrahl eine Brücke zu ihr. Sabine staunte, auf einmal waren nur sie beide auf der Welt im gelben Licht. Der Nachbar breitete seine Arme aus und setzte einen Fuß auf die Brücke. Auch sein Gesicht leuchtete und wurde überirdisch deutlich sichtbar, und er wandelte auf dem Strahl direkt auf sie zu. Wie schön er ist, ungläubig lächelte Sabine und betrat ebenfalls die Zauberbrücke und breitete ebenfalls die Arme aus.&lt;br /&gt;
Mitten im Hof trafen sie sich.&lt;br /&gt;
Ich bin doch viel zu alt für die Liebe. Sabine flüsterte, ja sie hauchte die Worte. Eine Geige setzte ein und spielte eine einfache Melodie. Sabine sah ein kleines Mädchen schweben, das spielte, und sie fragte sich, woher kenne ich nur das Kind.&lt;br /&gt;
Für mich bist du nicht zu alt, du bist wunderschön, sprach der Nachbar. &lt;br /&gt;
Und sie umarmten und küssten sich. Aus dem Himmel aber klangen die Geigen eines ganzen Orchesters. &lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitten in der Nacht wachte sie auf. Es war stockfinster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sabine hörte ein Grollen, offenbar kündete sich ein Sommergewitter an. Alle Fensterflügel waren weit geöffnet, um Kühle in die Wohnung zu bringen. Sie stand auf und schloss zuerst in den Zimmern und im Bad die Luken zur Straßenseite. Zum Schluss ging sie in die Küche. Sie stellte sich ans Fenster und wartete auf das Gewitter und starrte ins Dunkle gegenüber.&lt;br /&gt;
Sturmböen wirbelten, Blitze zuckten, Donner krachten, die ersten schweren Regentropfen platzten auf das Brett aus Blech. Sabine genoss das Naturschauspiel, bis der Himmel flutete und die Wassermassen herab schwollen, da schloss sie auch hier die Flügel und ging wieder ins Bett.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Morgen wachte sie wie stets als erste auf und ließ Dieter schlafen.&lt;br /&gt;
Bevor sie das Frühstück bereitete, öffnete sie weit das Küchenfenster. Beim Nachbarn blieb es geschlossen. Er schläft lange, dachte Sabine und schmunzelte vor sich hin. Die gewaschene Luft genoss sie als eine Wohltat, und sie atmete tief und glücklich ein und aus.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-02T15:23:00Z</dc:date>
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    <title>Sommernachmittag auf dem Balkon</title>
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    <description>Der Tag verläuft sich in der Stille eines sonnigen Nachmittags auf dem Balkon und sucht seinen Weg in den Abend. Die Bienen sind zu müde herum zu summen und dösen auf den Blüten der Geranien. Ich verfolge den weißen Qualm meiner Tabakspfeife und träume von vergangenen Zeiten in Afrika. Nichts, was war, kommt wieder und trotzdem begegnet man sich im Leben immer ein zweites Mal.&lt;br /&gt;
Was wissen wir schon vom Reich der Toten, monatelang wachte ich am Bett meiner Liebe, und sie befand sich in einer Zwischenwelt des Wachkomas. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das musste ähnlich gewesen sein wie auf einem Bahnhof, welcher Zug wird kommen? Kommt überhaupt noch einer? &lt;br /&gt;
Grasbüschel wuchsen wie Hundert kleine Inseln aus den Fugen der zerbrochenen Gehwegplatten auf dem Bahnsteig, hier war niemand und von den Wartebänken blätterte die verwaschene grüne Farbe ab wie welkes Laub von den Bäumen im Herbst. Da herrschte überall diese Stille und die Sonne, der Schatten der alten Litfaßsäule war ganz kurz. Für jeden Atemzug brauchten wir eine Ewigkeit und über das endlose Warten vergaß uns die Welt. Die Zeit war stehen geblieben. Auf den verwaschen und vergilbten Plakaten der Säule lächelten müde Schauspieler von Filmen, die niemand mehr ansah. Wir selbst waren zu Schauspielern geworden und unser Lebensfilm wurde zu einem alten Streifen, vergilbt und vergangen...&lt;br /&gt;
Dein kleiner kahler Kopf ruhte wie ein junger Spatz in meiner Handfläche, deine großen dunklen Augen waren tiefe Seen, schon blind, suchten sie mich noch. Doch meine Stimme war verstummt, selbst das heisere Flüstern von Geschichten aus einer Welt, die lebte, erstarb wie ein letztes vergebliches Röcheln.&lt;br /&gt;
Wir befanden uns in einem weiten Niemandsland, jenseits von Trauer und Schmerz.&lt;br /&gt;
Alles lag schon Ewigkeiten zurück, irgend welche gewissenlose Menschen hatten meine Liebe ermordet und wieder zurück geholt in diese Zwischenwelt eines verlassenen Bahnhofs.&lt;br /&gt;
Selbst die Verzweiflung und der Hass hatten sich ermüdet. Über allem lag diese Schläfrigkeit, die Trauer hatten wir hinter uns gelassen.&lt;br /&gt;
Warten, warten, warten.&lt;br /&gt;
Am Horizont flimmerte die Hitze, bis ein erstes kühlen Lüftchen auf kam. Zuerst fühlte ich die winzige Unruhe in meiner Handfläche, dann sah ich dort in der Ferne den Zug ankommen. Anfangs  war er so klein wie eine Eisenbahn aus dem Spielzeugland.. Im Gesicht meiner Liebe entdecke ich einen Hoffnungsschimmer  Eine kleine freudige Erwartung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann  stand der Zug am Bahnsteig, groß und leer. Kein Mensch war zu sehen. Meine Liebe erhob sich wie in einem Traum, lächelte zum Abschied und stieg ein. Ich war gelähmt, denn das war der Zug ins Jenseits. Schnaufend setzte er sich in Bewegung, ich saß starr auf der Bank und  sah ihm nach.&lt;br /&gt;
Keine Trauer, nur eine große Verwunderung und Leere. Leer geweint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war schon am Abend, da ging ich allein nach Hause.  Von nun an wird nichts wieder so sein, wie es mal war. Ich habe den Zug ins Jenseits gesehen, ich sah dein Lächeln zum Abschied, und ich sah dich einsteigen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist fast ein Jahr vergangen. Ich sitze auf dem Balkon in der Nachmittagssonne. Die Bienen sind zu müde, um zu summen. Und der Rauch meiner Pfeife steigt in den blauen Himmel.&lt;br /&gt;
Wo bist du jetzt? Wenn die Sonne untergeht in ein blutiges Rot, stehe ich auf und lebe weiter... Verzeih mir den Moment der Erinnerung. Du hast die Füße in meinem Schoß gelegt, deine Augen funkeln vor Vergnügen, während du mir Geschichten von Afrika erzählst...&lt;br /&gt;
Irgendwo in der Ferne höre ich ein irrendes Lachen.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-01T16:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5030061/">
    <title>Die Reise 3</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5030061/</link>
    <description>3&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin sah sich um. Hier hatte sich nichts verändert, hier wird sich nie etwas verändern. Das dunkelbraune Mobiliar wirkte gediegen und zeitlos. Wenn man genau hinsah, schimmerte das Holz etwas rötlich. Sie hatten einen Nischenplatz.&lt;br /&gt;
Zwischen den Tischen befanden sich Raumteiler, fahrbare Türen mit Holzrahmen und Milchglas. In dem Glas zeichneten sich wie fein gezeichnet die Formen von Vögeln und Blumen ab, wahrscheinlich Kraniche oder Pelikane und Orchideen.&lt;br /&gt;
Erinnerst du dich, flüsterte Sybille und beugte sich etwas vor. Ihre Wangen waren gerötet, und ihre Augen funkelten, als hätte sie eine Verschwörung ausgeheckt.&lt;br /&gt;
Martin lehnte sich an, die Stuhllehne war so hoch, dass er auch seinen Kopf anlehnen konnte.&lt;br /&gt;
Woran, fragte er.&lt;br /&gt;
Natürlich wusste er, woran, aber er mochte diese Sentimentalität Sybilles nicht.&lt;br /&gt;
Sie lächelte, aber das weißt du doch.&lt;br /&gt;
Wie eine Elfe erschien die Kellnerin, sie trug ein silbernes Tablett, auf dem zwei zusammen gerollte Handtücher lagen.&lt;br /&gt;
Mit einer gewissen Ergebenheit setzte er sich etwas steifer hin und ließ den Nacken nach hinten auf der gepolsterten Lehne ruhen. Die chinesische Kellnerin, die natürlich in Wahrheit eine thailändische Kellnerin war, legte ihm ein ein feuchtes warmes Handtuch auf die Stirn. Sie spitzte die Lippen selbst wie ein Schmetterling, während sie sagte, das ist wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Dann legte sie die Hände zusammen und verbeugte sich.&lt;br /&gt;
Martin grinste, er beobachtete es aus den Augenwinkeln.&lt;br /&gt;
Die Elfe war davon geflogen, und er saß nun da mit diesem Handtuch auf der Stirn. Und Sybille ebenfalls. Sie lächelte selig und hielt die Augen geschlossen.&lt;br /&gt;
Das sagen sie jedes mal, bemerkte Martin und betrachtete die selige Sybille neugierig.&lt;br /&gt;
Ja, flüsterte sie, das ist wunderbar entspannend.&lt;br /&gt;
Martin schwieg.&lt;br /&gt;
Vielleicht zweimal im Jahr besuchten sie dieses Restaurant. Er dachte nach. Irgendwie fand er es ziemlich albern. Und er trug immer noch seinen dunklen Anzug mit der Margerite im Knopfloch. Sybille öffnete die Augen halb, sie waren feucht.&lt;br /&gt;
Das erste Mal waren wir am zehnten November 1989 hier, ich erinnere mich genau, ein Tag nach dem Mauerfall, an unserem neunten Hochzeitstag.&lt;br /&gt;
Martin grinste, er war auf alles gefasst.&lt;br /&gt;
Ja, sagte er mit schrägem Kopf und schielte zu Sybille, das ist schon verwunderlich, der Mauerfall fand vielleicht wegen unseres Hochzeitstages statt. Sybille kicherte etwas.&lt;br /&gt;
Du wieder mit deinem Sarkasmus.&lt;br /&gt;
Martin lachte.&lt;br /&gt;
Die Kinder waren noch so klein, sagte er dann, aber sie waren dabei.&lt;br /&gt;
Ja, Sybille dehnte sich, um den Grad ihre Entspannung anzuzeigen. Im Hintergrund klang ein Zupfinstrument.&lt;br /&gt;
Ich weiß es noch genau, erst standen wir an der Sparkasse an und holten das Begrüßungsgeld ab. Martin schob mit der rechten Hand das Tuch nach oben auf die kahle Stelle. Dann setzte er sich wieder gerade hin.&lt;br /&gt;
Die Kleine werde ich nicht vergessen, sie hörte nicht auf zu kichern, dann faltete sie das Handtuch auseinander und band sich ein Kopftuch daraus.&lt;br /&gt;
Sybille lachte auch. Und die Große blieb ganz ernsthaft.&lt;br /&gt;
Ich weiß noch genau, was du sagtest, als wir die Sparkasse verließen.&lt;br /&gt;
Mit vierhundert Euro, sagte Martin.&lt;br /&gt;
Er wartete einen Moment.&lt;br /&gt;
Sybille setzte sich nun auch wieder gerade hin. Sie nahm das feuchte Handtuch und legte es auf den Tisch.&lt;br /&gt;
Du sagtest, wenn die uns schon annektieren, will ich mehr als dieses alberne Bestechungsgeld, du musst nicht denken, dass ich jetzt durch die Kaufhäuser hetzen, wir suchen uns ein chinesisches Restaurant und verfressen die Beute...&lt;br /&gt;
Die Elfe schwebte herbei und sammelte die Handtücher ein.&lt;br /&gt;
Martin lächelte sie an.&lt;br /&gt;
Das war wie immer wunderbar, sagte er.&lt;br /&gt;
Dann waren sie wieder allein mit der Zupfmusik. Von der bunten sechseckigen Deckenlampe hingen Kordelschnüre mit roten Quasten herab.&lt;br /&gt;
Ja, und dann fanden wir dieses Restaurant, wir waren ganz allein, meinte Sybille.&lt;br /&gt;
Wir haben uns mit Mangosekt betrunken, während auf den Straßen sich die Menschenmassen wälzten. Martin lachte wieder...&lt;br /&gt;
Die Elfe brachte die klare Suppe mit ein paar Nudelchen darin in kleinen Porzellanschälchen, die blau bemalt waren mit Buddhafiguren und tanzenden Geishas.&lt;br /&gt;
Kann ich ein Bier haben, bat er.&lt;br /&gt;
Sybille lächelte, ich möchte Mangosekt.&lt;br /&gt;
Wenig später brachte sie die Getränke und für jeden ein Tellerchen mit einem Glückskeks.&lt;br /&gt;
Sybille kicherte vergnügt. Da bin ich aber gespannt, sie brach ihren Keks auseinander. Ihr Lippen bewegten sich, als sie lautlos las.&lt;br /&gt;
Sie ist so sehr Kindergärtnerin, dass sie sich selbst zu einem Kind zurück entwickelt hat, dachte Martin amüsiert und zog eine Augenbraue hoch.&lt;br /&gt;
Nun, was steht auf deinem Zettelchen, fragte er.&lt;br /&gt;
Sybille antwortete, ich weiß nicht, das gefällt mir nicht, was steht auf deinem?&lt;br /&gt;
Ich zuerst, Martin lachte und brach seinen Keks auf.&lt;br /&gt;
Heute explodieren noch Sterne für dich im Himmel der Nacht, las er laut. Er zog seine Augenbraue noch ein Stück höher, ich hoffe, du hast kein Feuerwerk organisiert.&lt;br /&gt;
Nein, meine Organisation wird wohl eh ein Misserfolg.&lt;br /&gt;
Warum, wollte Martin wissen.&lt;br /&gt;
Betrachte jeden Misserfolg als eine Stufe zum Erfolg, las Sybille laut.&lt;br /&gt;
Die kleine Kellnerin brachte die Hauptgericht, Martin aß Ente kross wie immer, mit Spargel und Champignons. Und Sybille aß ein Vogelnest.&lt;br /&gt;
Während des Essens, hielt Martin kurz inne, er trank ein Schluck Bier.&lt;br /&gt;
Die Kleine, er lachte, hatte sich damals auch ein Vogelnest bestellt, sie dachte, es wäre ein echtes.&lt;br /&gt;
Ja, stimmt, Sybille lächelte.&lt;br /&gt;
Martin bemerkte, dass sie etwas traurig war.&lt;br /&gt;
Als die Kellnerin erschien, um das Geschirr abzuräumen, sagte er, bringen Sie mir bitte einen Whisky und für meine Frau noch einen Mangosekt.&lt;br /&gt;
Lächelnd servierte die Kellnerin die Früchte als Nachtisch.&lt;br /&gt;
Kommt sofort, sagte sie.&lt;br /&gt;
Aber Martins Stimme hielt sie fest.&lt;br /&gt;
Hören Sie...ja?... könnte meine Frau einen neuen Glückskeks bekommen, sie ist nicht zufrieden.&lt;br /&gt;
Wenig später stand das Tellerchen neben Sybille.&lt;br /&gt;
Gilt das überhaupt, fragte Sybille und zierte sich etwas.&lt;br /&gt;
Martin beruhigte sie, aber ja.&lt;br /&gt;
Sabine brach den Keks mit der Neugierde eines Kindes auf. Wieder las sie lautlos und bewegte die Lippen.&lt;br /&gt;
Nun, fragte Martin.&lt;br /&gt;
Sie reichte ihm den Zettel und ihre Wangen röteten sich.&lt;br /&gt;
Du wirst mit Deinem Charme und Deiner Persönlichkeit immer Deine Ziele erreichen.&lt;br /&gt;
Martin sah sie an und lächelte.&lt;br /&gt;
Na also, sagte er.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-30T19:00:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5026262/">
    <title>Altersliebe</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5026262/</link>
    <description>Noch einmal dieses Sehnen, das mit jedem Blick&lt;br /&gt;
erwidert wird&lt;br /&gt;
Noch einmal dieses Bangen, das ein Zurück&lt;br /&gt;
sich nicht mehr lohnt&lt;br /&gt;
Das Fallen lassen in ein Gefühl, dass das Du&lt;br /&gt;
im Ich jetzt wohnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herze klopfen, die kleine Schwindligkeit,&lt;br /&gt;
der Überschwang der Worte,&lt;br /&gt;
dass alles noch einmal Erleben, soll mir&lt;br /&gt;
vergönnt nun sein?&lt;br /&gt;
Die Jugend noch mal kosten, wie einen&lt;br /&gt;
schwer süßen Wein?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann es einfach noch nicht glauben&lt;br /&gt;
du bist doch viel zu jung für mich&lt;br /&gt;
Ich ermahne mich selbst zur Vernunft&lt;br /&gt;
und gebe dir zum Abschied&lt;br /&gt;
ein Lächeln, zärtlich Augen streicheln,&lt;br /&gt;
weil was geschah, &lt;br /&gt;
nie mehr geschieht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;100&quot; alt=&quot;Louisa&quot; width=&quot;88&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/mukono/images/Louisa.jpg&quot; /&gt;</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-28T20:29:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5025636/">
    <title>Maria</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5025636/</link>
    <description>Der Mann macht es sich gemütlich, ein Glas Rotwein, ein Pfeifchen. Es ist schön, allein zu sein. Keine laute Musik, kein Streit, keine Fernsehnachrichten, er lacht laut. Schnell dreht er sich um, &lt;i&gt;so ein Quatsch, ich bin doch allein. Ich kann lachen, ich kann weinen, wen interessiert das?&lt;br /&gt;
Na ja, man leidet immer nur von denen, die einem beobachten. Um ohne Leid durch die Welt zu gehen, muss man nur unerkannt bleiben. Wer sagte das?&lt;br /&gt;
Ist doch auch egal. Ich könnte mir eine Kerze anzünden und an Nichts denken.&lt;/i&gt; Nirwana, der Mann lächelt&lt;i&gt;, kann man auch erreichen, wenn man die Stufe der Weisheit überspringt. Na, ich guck noch mal, ob eine Mail gekommen ist, wobei die einzigen Mails, die mich interessieren, sind die von Cecilia Wambui und ihre Reports über Inspector Magiri in Nairobi.&lt;/i&gt; Der Mann lacht, &lt;i&gt;ich kenne beide nicht. Andererseits sind die Internetcafés dort schon geschlossen, sie sind uns zwei Stunden voraus, aber vielleicht war ein Knoten in der langen Leitung.&lt;/i&gt; Mal sehen, denkt der Mann und ruft sein e-mail-Programm auf. O, da ist eins, sieht er und holt es vom Server. Wer ist denn das? Auf jeden Fall nicht Cecilia Wambui, eine Maria@gmx.de und Betreff: Einsamkeit.&lt;br /&gt;
Hm, denkt der Mann, ob ich es einfach lösche, ist schließlich gefährlich, schwupps hat man einen Virus drin oder einen Pornodealer.&lt;br /&gt;
Er pafft erst einmal ein paar Züge aus der Pfeife und trinkt einen  Schluck. Ach was, denkt er, was hatte dieser Kerl neulich für ein Motto: Lebe einsam, wild und gefährlich. Er lacht schon wieder laut, dann drückt er auf &quot;lesen&quot;:&lt;br /&gt;
Ich denke an dich und weine. Bitte antworte mir.&lt;br /&gt;
Was soll denn das, denkt der Mann, ich kenn keine Maria, warum weint sie, und warum denkt sie an mich? Na gut, die Kerze und das Nirwana können warten.&lt;br /&gt;
Er tippt:&lt;br /&gt;
Vergiss mich und hör auf zu heulen, wer bist du überhaupt?&lt;br /&gt;
Dann drückt er auf Antwort senden und ab das Ding. Er verlässt das Internet und beschließt, die Kerze anzuzünden. Aber irgendwie zieht es ihn doch wieder zum Computer.&lt;br /&gt;
Tatsächlich, schon wieder sie. Das ist ja wie im Chat.&lt;br /&gt;
Ich bin Maria und weine um dich. Bitte antworte mir.&lt;br /&gt;
Er lacht. Hier erlaubt sich jemand ein Scherz. &lt;i&gt;Also, da halte ich mit.&lt;/i&gt; Die Kerze ist immer noch nicht angezündet.&lt;br /&gt;
Der namenlose Mann tippt schnell. Wie immer.&lt;br /&gt;
Solltest du die Heilige Jungfrau Maria sein, ich bin nicht gläubig, und es gibt wirklich keinen Grund zum Weinen, gute Nacht.&lt;br /&gt;
So. Er kann es nicht verhindern, er wartet noch auf eine Antwort.&lt;br /&gt;
Es geht wirklich schnell.&lt;br /&gt;
Du denkst, du schummelst dich mit Scherzen durch bis zum Schluss, oder, darum weine ich, was ist der Sinn deines Lebens? Bitte um Rückantwort.&lt;br /&gt;
O weia, Esoterik pur, denkt der Mann. &lt;i&gt;Gut, komm ich ihr mit Goethe.&lt;/i&gt; Er tippt.&lt;br /&gt;
Dein wahres Glück  oh Menschenkind,&lt;br /&gt;
so denke doch mitnichten,&lt;br /&gt;
dass es erfüllte Wünsche sind,&lt;br /&gt;
es sind erfüllte Pflichten!&lt;br /&gt;
Einmal in der Woche gehe ich zu einer Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Kranke, und dort spiele ich Klavier, Sonata facile und so. Bitte um keine Rückantwort.&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ab das Ding&lt;/i&gt;, und er schaltet den Computer aus. Dann zündet er endlich die Kerze an. Doch das Nirwana verschließt sich ihm. Was will diese Frau? Ist das überhaupt eine? Maria, Maria, Maria. Er singt ein wenig. Und doch geht er wieder zum Computer.&lt;br /&gt;
Natürlich ist eine Mail da. Von ihr, von wem sonst?&lt;br /&gt;
Und die anderen Tage, ich weine immer noch, Maria. Bitte um Rückantwort.&lt;br /&gt;
Mein Gott, denkt der Mann, was will sie. Jeder Tag ist anders.&lt;i&gt; Ich atme, esse, trinke.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Er denkt eine Weile nach. Er seufzt. Schließlich tippt er die Antwort:&lt;br /&gt;
Heute abend zünde ich eine Kerze an und weine um dich, Maria.&lt;br /&gt;
Warum lässt sie ihn jetzt warten. Da haben wir den Salat, denkt er.&lt;br /&gt;
Endlich kommt eine Mail.&lt;br /&gt;
Sie schreibt:&lt;br /&gt;
Danke und gute Nacht, Maria.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt weiß der Mann, er kann wirklich die Kiste ausschalten. Die halbe Nacht sitzt er bei seiner Kerze. Er weint.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-28T12:08:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5023969/">
    <title>Fußball gucken mit einer Indianerin</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5023969/</link>
    <description>Die junge Frau ist schön. Sie hat das Gesicht einer Indianerin, rotbraun mit breiten Wangenknochen und einer flachen kleinen und niedlichen Nase, allerdings mit Sommersprossen übersät, dickes schwarzes Haar, das bis auf das weiße glänzende T-Shirt fällt. Sie begrüßt die Kellnerinnen und Kellner des großen türkischen Restaurants sehr herzlich, jede und jeden mit Kuss rechts und Kuss links, sie vergisst keinen.&lt;br /&gt;
Ich habe meinen Platz an dem einzigen nicht reservierten Tisch gefunden und strecke die Beine weit von mir. Der Tisch ragt so in eine Lücke hinein, eine Lücke zur Straßenseite hin. Wie ich sehe, sind da draußen schon alle Plätze besetzt. Zuerst trinke ich einen starken Kaffee und rauche mein Pfeifchen. Schließlich geleitet ein Kellner die junge Frau zum Tisch vor mir, reserviert natürlich. Die große Leinwand an der Wand ist noch glatt und matt, den Bildwerfer schalten sie demnächst an.&lt;br /&gt;
Mindestens zehn Frauen und Männer machen sich bereit zur großen Schlacht, zum Spiel. Sie huschen hinter der Theke hin und her, da rückte noch einer ein paar Stühle herum vor der Leinwand, hier packt ein Mädchen einen  Karton mit schwarzen Servierschürzen aus und verteilt diese. Einer steht etwas abseits neben der Kaffeemaschine und löffelt ein Eis... ein anderer bringt aus einen hinteren Lagerraum einen Karton mit neuen Gläsern... nach und nach trudeln Gäste ein und suchen Plätze. Ein Mann hakt auf einem Zettel die Bestellliste ab und weist die Gäste ein... das Personal ist wie ein Bienenschwarm, der sich langsam vor dem Korb zentriert, das summende Geräusch wird lauter. Zwei große Räume sind zu bewirtschaften, je eine Leinwand, ein Nichtraucherraum, in dem die ersten Gäste essen und der Raucherraum, ich bestelle ein Bier...&lt;br /&gt;
Zwei Türken tragen große Fernsehgeräte nach draußen für die Gäste, die auf der Straße sitzen. Einer klettert auf einen Barhocker und hantiert an dem Projektor, bis plötzlich die unsäglichen Moderatoren des Fernsehsenders auf der Leinwand erscheinen. Die Gäste strömen ins Lokal, bald sind alle Tische besetzt, meist von einzelnen, die dann die Plätze für die Freunde frei halten.&lt;br /&gt;
Ich bin immer noch allein an meinem Tisch, genau genommen hat man hier auch nur von meinem Platz aus eine gute Sicht auf das Bild. &lt;br /&gt;
Kerner schwatzt wieder dummes Zeug, dazu braucht &apos;s gar keinen Ton, um das zu wissen. Wieder einmal erinnert er mich an einen rothaarigen Cousin aus der Kinderzeit, der sich in der Schule immer in den Vordergrund drängelte und keiner mochte ihn leiden, selbst die Lehrer nicht, bei denen er schleimte. Er versuchte das Kunststück, sich gleichzeitig bei seinen Mitschülern lieb Kind zu machen, natürlich vergeblich. Man gähnte, wenn man ihn sah und ging ihm aus dem Weg. So ist Kerner. Jetzt hat er es in die Fernsehstudios geschafft und keiner kann ihm mehr aus dem Weg gehen. Man erträgt ihn am besten mit stoischer Gelassenheit.&lt;br /&gt;
Die Frau vor mir raucht nervös und versucht Blicke der Angestellten zu erhaschen, aber niemand hat Zeit für sie... sie wirkt etwas ängstlich.&lt;br /&gt;
Da taucht endlich ein junger Mann auf, er bewegt sich geschmeidig wie ein gut durch trainierter Kraftsportler, sein Kopf ist kahl rasiert, er ist braun gebrannt und lacht. Alles an ihm ist schnell und kraftvoll. Die Augen der jungen Frau vor mir leuchten auf. Er beugt sich zu ihr und umarmt sie. Aber dann ist er schon wieder verschwunden und umarmt jeden vom Personal. Er taucht hinter der Theke auf und hantiert. Er gehört hier zur Truppe.&lt;br /&gt;
Kurz danach erscheint er mit zwei Gläsern, wahrscheinlich Cocktails darin. Und er setzt sich zu der Frau, zu der Indianerin, sie glänzt wieder vor Freude. Er legt den Arm um ihre Schultern und küsst sie. Dann klingelt sein Handy. Gleich nach dem Telefonat springt er wieder auf  und die Indianerin ist wieder allein. Obwohl der Freund offenbar einen freien Tag hat, eilt er nun hin und her und hilft seinen Kollegen. Ab und an setzt er sich wieder zu ihr wie eine Biene auf eine Blüte, um einen Schluck Nektar zu trinken, das heißt, er holt sich einen Kuss.&lt;br /&gt;
Dazwischen sitzt sie allein am Tisch wie ich. Im Gegensatz zu mir schaut sie jedoch etwas traurig drein, so, wie ein nutzloses Möbelstück mit Seele. Sie raucht hastig.&lt;br /&gt;
Langsam wird es voll. Es wird noch emsig umgestellt. Der Freund der Indianerin fragt mich, ob ich meinen Tischplatz mit dem seiner Freundin tauschen würde. Er hat ein herzliches offenes Lachen.&lt;br /&gt;
Nun sitze ich noch günstiger, hinter mir haben sie zwei Tische zusammen gestellt. &lt;br /&gt;
Dicht vor der Leinwand stehen jetzt die Stuhlreihen wie im Kino. Zwei Kellner und der Freund der Indianerin machen eine Weg frei zur Toilette. Ich drehe mich um. Sie sitzt jetzt genau in der äußeren Ecke der Nische und kann wahrscheinlich fast nichts von der Leinwand sehen, hauptsächlich kann sie nun meinen Rücken und den Hinterkopf betrachten. Ich bedeute ihr, dass ich mich möglichst klein machen werde, sie lächelt traurig und winkt ab. Es wäre nicht so schlimm. Wieder ist sie allein.&lt;br /&gt;
Inzwischen ist das Restaurant dicht gedrängt gefüllt mit schwitzenden Menschenleibern. &lt;br /&gt;
Das Spiel beginnt. Die jungen Leute auf den Stuhlreihen vor mir sind wahrscheinlich Studenten. Sie diskutieren lebhaft und verfolgen das Spiel nur mit halbem Interesse.&lt;br /&gt;
Neben mir sitzt plötzlich der etwas ältere Kellner, der die Platzierungen vornahm.&lt;br /&gt;
Als die Türken das 1:0 schießen springt er auf und schießt zwei längliche Pappröhren ab, über die Studentengruppe hinweg, welche betreten die Köpfe einzieht, während hinter mir das türkische Personal jubelt, auch einzelne Gäste. Überall segeln bunte Papierschnitzel umher.&lt;br /&gt;
Ich drehe mich um und sehe das lachende Gesicht des Freundes der Indianerin. Ich halte den Daumen hoch und lache mit. Sie wirkt seltsam unbeteiligt. Da vor mir ein Hüne wie Majakowski Platz genommen hat, kann ich mich nicht mehr so klein machen. Ich tippe ihm auf die Schulter, und er dreht sich erstaunt um. Ob er nicht ein Stück nach rechts ausweichen könne wegen der Sicht, bitte ich ihn. Das tut Majakowski dann auch. Plötzlich legt sich eine schlanke Hand auf meine Schulter, ich drehe mich um, und die Indianerin sagt, ich solle mir keine Sorgen machen, für sie wäre das nicht so wichtig.&lt;br /&gt;
Kurz danach schießen die Deutschen das Gegentor. Ich klopfe dem Türken, der eben gerade die Pappröhren abgeschossen hatte auf die breite Bodybuilderbrust und sage tröstend, take it easy. Zwischen uns huschen die Kellnerinnen mit Tabletts voller Biere. Der Türke lächelt kläglich, aber freundlich.&lt;br /&gt;
Dann bin ich im Bann des Spiels.&lt;br /&gt;
Als die Türken 2:2 ausgleichen, drehe ich mich um. Der Freund der Indianerin strahlt mich an. Vielleicht erleben wir noch ein Elfmeterschießen, sage ich. Vielleicht, antwortet er, er lächelt.&lt;br /&gt;
Die Indianerin raucht und träumt abwesend. &lt;br /&gt;
Bei jedem Tor der Deutschen kreischen die Studentinnen vor mir und reißen die Arme hoch.&lt;br /&gt;
In der 90. Minute schießt Lahm sein Führungstor. &lt;br /&gt;
Ich sehe den Freund der Indianerin am Tresen auf einem Barhocker sitzen. Er lacht und hält einen Daumen hoch.&lt;br /&gt;
Ich drehe mich um. Sie sitzt ganz allein und träumt traurig.&lt;br /&gt;
Schönes Spiel, frage ich sie.&lt;br /&gt;
Ja, sie lächelt dünn.&lt;br /&gt;
Bevor ich gehe, nehme ich zwei bunte Papierschnipsel und lege sie dem Schützen auf die Schultern zum Trost. Ist schon okay, sagt er und lacht.&lt;br /&gt;
Auf der Straße kommen die Autos nur im Schritttempo durch. Überall ziehen durch den lärmenden Jubel Rauchschwaden von Raketen, als wäre das Land im Bürgerkrieg. Die Türken mit ihren Fahnen reihen sich problemlos ein unter die feiernden deutschen Fans.&lt;br /&gt;
Eilig gehe ich nach Hause. In der Halbzeitpause brachten sie die Lottozahlen. Ich werde doch kein Millionär geworden sein...&lt;br /&gt;
Kurz vor meinem Zuhause passiere ich die Kirche. Auf den Stufen hat sich eine Gruppe  dunkel gekleideter Punks nieder gelassen, als wartet sie auf eine Beerdigung.  Unter den schwarzen Haaren die müden weißen Gesichter glanzlos. Ich glaube nicht, dass irgend einer Interesse an Fußball hat...&lt;br /&gt;
Vor dem Computer hole ich mir die Lottozahlen aus dem Internet... es ist nur ein kleiner Gewinn.&lt;br /&gt;
Auch gut, ich zische noch ein Bier und rauche ein Pfeifchen und sitze vorm Fernseher, dass sie endlich den Kerner zum Verstummen bringen. &lt;br /&gt;
In der Nacht träume ich von Indianern.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-27T14:56:00Z</dc:date>
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    <title>Der Tangaslip - Achtung Überlänge!</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5018668/</link>
    <description>Peter kehrte in einer frühen Morgenstunde frohgemut heim. Er pfiff vor sich hin &lt;i&gt; Hei, heute morgen mach ich Hochzeit, ding, dong, ist das nicht wunderbar&lt;/i&gt;, seine Hut hatte er nach hinten geschoben und lächelnd beobachtete er, wie die ersten Zeitungszusteller sich auf den Weg machten mit ihren blauen Wagen.&lt;br /&gt;
Im Treppenhaus sang er sogar halblaut &lt;i&gt; lasst uns noch einen heben, doch führt mich pünktlich zum Altar&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Peter bekam ein wenig Probleme, mit dem Schlüssel das Schloss zu finden. In diesem Moment öffnete die Nachbarin ihre Tür.&lt;br /&gt;
Guten Morgen, Herr Nachbar.&lt;br /&gt;
Guten Morgen, Frau Nachbarin, antwortete Peter mit etwas schwerer Zunge, heut schon so früh zur Arbeit?&lt;br /&gt;
Die Nachbarin lächelte und beobachtete sein Fummeln mit dem Schlüssel für einen Moment an der Tür.&lt;br /&gt;
Ich hab Frühschicht, sagte sie, Sie haben wohl die Nacht durchgefeiert, soll ich Ihnen helfen, die Tür aufzuschließen?&lt;br /&gt;
Peter richtete sich erstaunt hoch.&lt;br /&gt;
Nein, ich bin ein Frühaufsteher, ich hab geguckt, ob die Zeitung schon da ist, ich komm schon klar mit dem Schloss, irgendwie habe ich meine Brille vergessen.&lt;br /&gt;
Die Nachbarin kicherte. Sie lief die Treppe hinab und rief ihm zu:&lt;br /&gt;
Einen schönen Tag noch.&lt;br /&gt;
Ihnen auch, lallte Peter zurück. Er runzelte die Stirn und wendete sich wieder dem Problem des Schlosses zu. Die Lust zum Singen war ihm vergangen. Warum kicherte die Frau dachte er. Endlich gelang es ihm, die Tür zu öffnen.&lt;br /&gt;
Er fand auch, relativ ruhig, so meinte er, sein Bett, zog sich aus, wobei er dreimal hinfiel, aber geräuschlos, um anschließend mit einem glückseligen Lächeln einzuschlafen.&lt;br /&gt;
Seine Hauswirtschafterin und Pflegeschwester rüttelte ihn derb an einer Schulter wach.&lt;br /&gt;
He, willst du nicht mal aufstehen, ich denke, du arbeitest schwer?&lt;br /&gt;
Benommen öffnete Peter die Augen und schaute die Frau an, bis er sie erkannte.&lt;br /&gt;
Wie spät ist es denn?, fragte er.&lt;br /&gt;
Elf Uhr, sagte seine Haushälterin. Peter sah ihr zu, während er die Hände unter dem Kopf verschränkte, wie sie seine Sachen aufhob und auf den kleinen Kleiderständer hängte. Er stöhnte.&lt;br /&gt;
Tja, das hilft alles nichts, dann muss ich wohl.&lt;br /&gt;
Seine Pflegeschwester verschwand in der Küche, während Peter noch etwas taumelnd das Bad aufsuchte.&lt;br /&gt;
Willst du frühstücken?, fragte sie aus der Küche, als er vorbeischlich.&lt;br /&gt;
Um Gottes Willen, nichts essen, nur n Kaffee, murmelte Peter.&lt;br /&gt;
Dann duschte er kalt und kam langsam zu sich. Beim Zähne putzen ging es ihm schon besser. Er schaute kurz in den Spiegel des kleinen Schrankes über dem Waschbecken und wendete sich schnell wieder weg. Anschließend zog er sich an. Die Hauswirtschafterin machte das Bett. Peter ging in die Küche und setzte sich an den Tisch aus gelbem Kiefernholz. Vor ihm stand der dampfende Kaffeepott. Seine Pflegeschwester setzte sich ihm gegenüber und trank ebenfalls Kaffee. So, so, dachte Peter, na, ja, warum soll sie nicht auch mal einen Kaffee trinken, sie ist ja sonst sehr fleißig, findet man nicht alle Tage.&lt;br /&gt;
Hast du ne Zigarette?, fragte er.&lt;br /&gt;
Es war ein Fehler, aber da sie schon lange bei ihm war, hatte er ihr das du angeboten.&lt;br /&gt;
Nee, du auch nicht?, fragte sie und blies über ihre Kaffeetasse.&lt;br /&gt;
Warte mal, sagte er, ich glaub in meiner Manteltasche.&lt;br /&gt;
Peter wollte sich gerade erheben, da hielt sie ihn auf.&lt;br /&gt;
Bleib sitzen, ich geh schon.&lt;br /&gt;
Nun gut, dachte Peter, immerhin ist sie meine Pflegeschwester. Sie kam mit Zigaretten zurück und einem kleinen Stück beigefarbenen Seidenstoff. Den Stoff hielt sie mit Daumen und Zeigefinder und ließ ihn vor Peters Kaffeetasse auf den Tisch fallen.&lt;br /&gt;
Peter nahm sich eine Zigarette und zündete sie sich an, seine Haushälterin rauchte bereits. Sie stützte die Ellbogen auf und sah ihn mit zusammen gekniffenen Augen an. Peter stutze. Er nahm das Stofffetzchen ebenfalls mit Daumen und Zeigefinger hoch und besah es sich.&lt;br /&gt;
Was ist denn das, fragte er, ein Damentaschentuch?&lt;br /&gt;
Seine Pflegeschwester blies den Qualm gegen die Küchendecke.&lt;br /&gt;
Das ist ein Slip, ein Tangaslip.&lt;br /&gt;
Hm, machte Peter nachdenklich.&lt;br /&gt;
Und wozu dient das?&lt;br /&gt;
Seine Haushälterin atmete einmal tief durch.&lt;br /&gt;
Das tragen heutzutage die jungen Mädchen, als du jung warst, trugen sie Schlüpfer, so nannte man es damals.&lt;br /&gt;
Peter schüttelte den Kopf.&lt;br /&gt;
Na ja, aber diese Schlüpfer waren doch aus Baumwolle und schützten gegen Nieren- oder Harnwegentzündungen, so ein Taschentuch hat doch gar keinen Sinn. Wo hast du das eigentlich her?&lt;br /&gt;
Seine Pflegeschwester antwortete trocken:&lt;br /&gt;
Aus deiner Manteltasche, wo die Zigaretten waren.&lt;br /&gt;
Peter lachte.&lt;br /&gt;
Das ist ja ein Ding, die Jungs, mit denen ich in der Nacht durch die Häuser zog, müssen sich doch einen Scherz erlaubt haben.&lt;br /&gt;
Fast angewidert ließ er das Taschentuch, dass sie als Tangaslip bezeichnete, wieder auf den Tisch fallen. &lt;br /&gt;
Was sind denn bei dir Häuser?&lt;br /&gt;
Also, dachte Peter, das geht irgendwie zu weit, ich hätte mit dem du nicht anfangen sollen. Würde ich in New York leben, würde ich sie jetzt feuern, aber es ist schwierig in Berlin eine tüchtige Kraft zu finden. Darum entschloss er sich zu antworten:&lt;br /&gt;
Das sind Kneipen und Bars.&lt;br /&gt;
Bars mit hohen Hockern, hattest du da keine Gleichgewichtsprobleme?&lt;br /&gt;
Das klang ja sarkastisch, aber Peters Grundsatz war, in jeder Situation höflich zu bleiben.&lt;br /&gt;
Nein, sagte er, da war doch eine verchromte Stange am Tresen, da konnte man sich festhalten. Und ehe du auf die Idee kommst, ich, er betonte das ich,&lt;br /&gt;
hätte mit einer jungen Russin gewettet, dass ich auch Tolstois Krieg und Frieden gelesen habe und den Namen des russischen Heerführers Kutusow kenne, und dann ihr dafür als Belohnung diesen Taschentuch vom Körper entfernt, dann sage ich dir gleich, da irrst du dich, das ist nicht mein Ding, es muss einer von meinen Kumpels gewesen sein.&lt;br /&gt;
Seine Pflegeschwester lachte kurz auf.&lt;br /&gt;
Auf Tolstoi wäre ich nicht gekommen.&lt;br /&gt;
Peter erhob sich.&lt;br /&gt;
Nun gut, bloß Frauen haben manchmal solche irrationalen Ahnungen, ich geh dann arbeiten. Übrigens, die Küchengardinen müssen mal gewaschen werden und die Fenster geputzt, in der Küche auch Staub saugen und das Bad wischen, alles andere ist, glaub ich, in Ordnung.&lt;br /&gt;
Mach ich dann, sagte seine Haushälterin.&lt;br /&gt;
Peter setzte sich an den Schreibtisch und schaltete den Computer ein. Er konzentrierte sich auf seine Arbeit  Zwischendurch störte ihn zwar das Staubsaugergeräusch, aber es dauerte nicht lange.&lt;br /&gt;
Plötzlich stand seine Hilfe in der Tür.&lt;br /&gt;
Was willst du zum Mittag essen?&lt;br /&gt;
Nichts, rief Peter entsetzt, mir ist noch so übel.&lt;br /&gt;
Doch sie blieb an der Tür stehen.&lt;br /&gt;
Wenn du schwer arbeitest, musst du auch was essen.&lt;br /&gt;
Peter schaute gedankenverloren  hoch, bis er ihren Einwand begriff.&lt;br /&gt;
Dann mach Eisbein mit Erbsenpüree und Sauerkraut.&lt;br /&gt;
Er wollte sich gerade wieder dem Monitor zuwenden, da fiel ihm auf, seine Haushälterin stand immer noch in der Tür.&lt;br /&gt;
Peter schaute sie an.&lt;br /&gt;
Was ist denn?&lt;br /&gt;
Ihr Mund stand offen. Endlich formte er ein Wort.&lt;br /&gt;
Nichts.&lt;br /&gt;
Peter hörte aber noch deutlich, wie sie im Flur laut sagte:&lt;br /&gt;
Das kann ja wohl nicht wahr sein, ihm ist übel, und er will Eisbein.&lt;br /&gt;
Peter grinste kurz und wendete sich wieder ernsten Dingen zu. Er steckte mächtig in Problemen, sie galt es zu lösen.&lt;br /&gt;
Zwei Stunden später rief sie ihn zum Essen. Zu seinem Erstaunen stellte er fest, sie aß auch ein Eisbein, allerdings ein kleines. Dann aber sagte er, warum soll sie nicht essen, schließlich arbeitet sie ja auch ein wenig. Ohne ein Wort zu sagen, stellte sie vor Peter ein Bier.&lt;br /&gt;
Peter trank fast in einem Zug die Flasche leer.&lt;br /&gt;
Aaah, das tat gut, sagte er und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Schweigend stand sie auf und holte eine zweite Flasche. Seltsamerweise bemerkte sie:&lt;br /&gt;
Mehr gibts nicht.&lt;br /&gt;
Peter stutzte. In New York würde ich sie jetzt feuern, dachte er, aber so beschränkte er sich darauf zu antworten:&lt;br /&gt;
Mehr würde ich auch nicht trinken. Guten Appetit, übrigens.&lt;br /&gt;
Danke, gleichfalls.&lt;br /&gt;
Sie grinste dünn. Das Essen war vorzüglich wie immer.&lt;br /&gt;
Kannst ruhig rülpsen, wenn du willst, sagte seine Haushälterin und Pflegeschwester zum Abschluss. Jetzt grinste Peter dünn. &lt;br /&gt;
Nach dem Mittagessen legte er sich stets eine halbe Stunde auf die Lesecouch im Flur, so auch heute. Seine Haushälterin und Pflegeschwester brachte ihm die Zeitung.&lt;br /&gt;
Danke, sagte Peter.&lt;br /&gt;
Bitte, sagte sie.&lt;br /&gt;
Er hörte, wie sie in er Küche das Geschirr abwusch. Plötzlich brach er in lautes Gelächter aus. Sie kam aus der Küche und fragte neugierig:&lt;br /&gt;
Was lachst du so?&lt;br /&gt;
Ich las gerade einen Witz.&lt;br /&gt;
Und?, fragte sie.&lt;br /&gt;
Meine Putzfrau macht Probleme, sie will sich scheiden lassen. Ist bestimmt von Woody Allen.&lt;br /&gt;
Seine Pflegefrau lachte gar nicht.&lt;br /&gt;
Ist es der, der seine Stieftochter heiratete?&lt;br /&gt;
Peter blickte sie kurz an.&lt;br /&gt;
Du solltest nicht so viel bunte Zeitungen lesen.&lt;br /&gt;
Nun lachte sie doch.&lt;br /&gt;
Na, zum Glück sind wir beide ja nicht verheiratet.&lt;br /&gt;
Peter dachte noch kurz über die seltsame Bemerkung nach, da schlief er ein. Er brauchte diesen Tagesschlaf bei seiner schweren Arbeit. Eine halbe Stunde später saß er wieder am Computer.&lt;br /&gt;
Wo bleibt mein Kaffee, brüllte er in Richtung der Küche.&lt;br /&gt;
Den musst du dir allein machen, hörte er eine leise traurige Stimme von rechts. Rechts befand sich aber nicht seine Küche, sondern hinter einer Regalwand die Betten. Peter runzelte die Stirn. Er stand auf und ging um die Regalwand herum.&lt;br /&gt;
Was machst denn du im Bett?&lt;br /&gt;
Seine Haushälterin und Pflegeschwester lag tatsächlich im Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte an die Decke. Sie hatte feuchte Augen. In Peters Kopf erklangen Alarmglocken. Er setzte sich auf die Bettkante.&lt;br /&gt;
Gerda, sagte er behutsam, was ist denn mit dir?&lt;br /&gt;
Sie sah ihn an.&lt;br /&gt;
Ich denke darüber nach, dich zu verlassen.&lt;br /&gt;
Aber Gerda, warum denn?&lt;br /&gt;
Weißt du überhaupt, was es heißt, verliebt zu sein?&lt;br /&gt;
Peter überlegte, dann streichelte er über ihr Haar.&lt;br /&gt;
Von einer Frau nicht, aber wenn ein Mann verliebt ist, handelt es sich um eine vorübergehende Geistestrübung, in der er denkt, es gibt nur eine Frau in der Welt.&lt;br /&gt;
Ist das ein Zitat?, flüsterte Gerda.&lt;br /&gt;
So ungefähr.&lt;br /&gt;
Und weißt du, was Liebe ist?&lt;br /&gt;
Peter überlegte. Dann sagte er:&lt;br /&gt;
Wahre Liebe erwartet keine Gegenliebe.&lt;br /&gt;
Hm, machte Gerda.&lt;br /&gt;
Du bist wohl nie um eine Antwort verlegen. Was ist denn Eifersucht?&lt;br /&gt;
Peter lachte hell auf.&lt;br /&gt;
Das ist was für Spießer.&lt;br /&gt;
Er stutzte. Dann schlug er die Bettdecke auf.&lt;br /&gt;
Du hast ja gar nichts weiter an, als dieses Taschentuch?&lt;br /&gt;
Gerda lächelte.&lt;br /&gt;
Wie hieß der russische Heerführer bei Tolstoi?&lt;br /&gt;
Peter lächelte auch.&lt;br /&gt;
Kutusow.&lt;br /&gt;
Fast eine Stunde später fiel er in eine Art Ohnmacht. Merkwürdigerweise bekam er noch mit, dass Gerda aufstand und dabei sagte:&lt;br /&gt;
Eins ist sicher. Sex hast du gestern nicht gehabt, sonst hättest du in deinem Alter es nicht mehr gebracht.&lt;br /&gt;
Eine halbe Stunde später saß er wieder am Computer. Gerda kam und stellte ihm einen Kaffee hin, danach machte sie das Bett.&lt;br /&gt;
Danke, sagte Peter und wendete sich wieder seiner ernsthaften Arbeit zu.&lt;br /&gt;
Im Flur telefonierte seine Haushaltshilfe. Wahrscheinlich unterhielt sie sich mit einer ihrer Freundinnen, zum Glück für Ortstarif.&lt;br /&gt;
Auf einmal erschien sie in der Tür im Mantel. Peter sah erstaunt hoch.&lt;br /&gt;
Die Küchengardinen sind gewaschen, die Fenster geputzt, der Fußboden gesaugt, das Bad gewischt, Geschirr ist auch abgewaschen, deine Abendbrotstullen stehen im Kühlschrank, tschüss, ich geh heut noch aus, es kann spät werden.&lt;br /&gt;
Tschüss, sagte Peter.&lt;br /&gt;
Doch dann stutzte er.&lt;br /&gt;
Wo gehst du denn hin?&lt;br /&gt;
Gerda kicherte.&lt;br /&gt;
Ach, das ist so ein Männerstripabend nur für Frauen, die sind aus Amerika, da soll mächtig was abgehen.&lt;br /&gt;
Aha, antwortete Peter, viel Spaß.&lt;br /&gt;
Als die Wohnungstür zuklappte, wendete sich Peter wieder seiner Arbeit zu. Aber die Konzentration gelang ihm nicht. Er lief durch die leere Wohnung. In der Küche schaute er in den Kühlschrank, dort stand sein Stullenteller, schön mit Folie angedeckt. Wo ist eigentlich dieses verdammte Taschentuch, dachte Peter.&lt;br /&gt;
Er lief zum Bett und schlug es auf. Da war es auch nicht.&lt;br /&gt;
Gerda?, stammelte Peter laut vor sich hin. &lt;br /&gt;
Mein Gott, dachte er, sie weiß gar nicht, wie Männer sein können, das sind Tiere. Er rannte hin und her. Plötzlich schrie es aus ihm.&lt;br /&gt;
Peter warf sich auf den Fußboden und trommelte mit beiden Fäusten.&lt;br /&gt;
Gerda!!!!!!&lt;br /&gt;
Dann sprang er auf. Er rannte zum Küchenfenster. Strahlend weiß blitzte die Gardine. Peter fasste sie an, sie war noch feucht. Ein satanisches Grinsen schlich sich in sein Gesicht. Er lief zum Kühlschrank, fand einen Plastikbehälter mit Himbeermarmelade- und schleuderte ihn gegen das Fenster, die roten Fladen tropften von der weißen Gardine. Was hatte sie gemacht, überlegte er. Abgewaschen, ja, er öffnete alle Küchenschränke, bis er die Teller fand.&lt;br /&gt;
Peter warf sie durch die Küche wie ein Diskuswerfer. Immer, wenn es klirrte, lachte er wie ein Hund bellt. Der Fußboden, grübelte er. Das Bier fand er sofort. Er goss eine halbe Flasche auf den Fußboden, die andere Hälfte trank er aus. Das Bad fiel ihm ein. Ha, im Kühlschrank stand doch ein Senfglas. Er nahm es und zerschmetterte es auf den gekachelten Fußboden, der braune Senf spritze über die Kacheln bis an die Wand hoch.&lt;br /&gt;
Anschließend wankte Peter zum Bett, legte sich darauf und weinte. Mein Gott, dachte er und schluchzte, sie holt sich eine Nieren- und Blasentzündung weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich hörte er Geräusche von der Tür, das Klappern des Schlosses. Peter sprang auf und setzte sich an den Computer, um wieder ernsthaft zu arbeiten.&lt;br /&gt;
Was ist denn hier los?&lt;br /&gt;
Peter lächelte. Es war Gerdas Stimme. Sie kam zu ihm an seinen Schreibtisch.&lt;br /&gt;
Hast du geweint, mein Schatz?&lt;br /&gt;
Wie kommst du darauf?, antwortete Peter cool.&lt;br /&gt;
Sie lächelte.&lt;br /&gt;
Dein Gesicht ist ganz nass.&lt;br /&gt;
Sie fasste in ihre Manteltasche und holte das seltsame Taschentuch heraus und trocknete ihm die Tränen.&lt;br /&gt;
Wie sieht denn unsere Wohnung aus, flüsterte sie.&lt;br /&gt;
Peter grinste.&lt;br /&gt;
Ich denke, du wolltest dir mit deiner Freundin einen schönen Abend machen?&lt;br /&gt;
Seine Haushälterin und Pflegekraft seufzte.&lt;br /&gt;
Ihr Mann hat es ihr verboten.&lt;br /&gt;
Peter schüttelte den Kopf.&lt;br /&gt;
Ist das ein Macho, ein Pascha oder was?&lt;br /&gt;
Gerda grinste.&lt;br /&gt;
Scheint so.&lt;br /&gt;
Peter meinte:&lt;br /&gt;
Na hier zu Hause kommt viel Arbeit auf dich zu.&lt;br /&gt;
Auf mich?&lt;br /&gt;
Gerda wunderte sich.&lt;br /&gt;
Ich guck heut Abend Fußball, sagte sie.&lt;br /&gt;
Während Gerda Fußball guckte, Wein trank und Salzstangen aß, kam Peter zu keiner ernsthaften Arbeit. Er fegte Scherben, weichte eine Gardine ein, reinigte den Teppichboden mit einem Spezialreiniger und schruppte das Bad.&lt;br /&gt;
Schließlich sackte er erschöpft neben Gerda auf die Couch. Er trank ein Bier.&lt;br /&gt;
Alles fertig?, fragte Gerda.&lt;br /&gt;
Ja.&lt;br /&gt;
Peter schwieg. Er senkte den Kopf, drückte seine Knie zusammen und errötete etwas.&lt;br /&gt;
Gerda?&lt;br /&gt;
Ja?&lt;br /&gt;
Würdest du mich bitte fragen, ob ich dich heiraten würde?&lt;br /&gt;
Gerda dachte nach. Sie schob sich noch eine Salzstange in den Mund.&lt;br /&gt;
Na, ja, sagte sie schließlich, in meinem Alter finde ich auch keinen besseren mehr.&lt;br /&gt;
Peter lachte und Gerda lachte auch.&lt;br /&gt;
Russland hat gewonnen, kommt auch nicht oft vor.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-25T14:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5015921/">
    <title>Mein Geist</title>
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    <description>Zu jener Zeit hatte ich einige Probleme. &lt;br /&gt;
Eigentlich war mir bald völlig klar, ich war besessen von einem Geist, der seinen Schabernack mit mir spielte. Es war nicht mein Gehör, im Gegenteil, ich hörte sehr gut, aber ich hörte einfach das Falsche. Vielleicht verhielt sich dieser Geist auch so klug, dass man sagen konnte, ich hörte das Richtige. Diese Frage ginge ins Philosophische. Das erste Mal fiel er mir in einem Café auf. Damals hatte ich mir angewöhnt, im Café zu schreiben. Die junge Kellnerin erschien, und ich, von meinem Manuskript hoch sehend, sagte:&lt;br /&gt;
 Ich hätte gern einen Kaffee schwarz und einen kleinen Weinbrand.&lt;br /&gt;
Die Kellnerin lächelte, nickte und plötzlich sprach es aus ihr: &lt;br /&gt;
Ich weiß ja, dass du am liebsten meine Brüste anfassen würdest.&lt;br /&gt;
Ich nahm meine Brille ab, legte das Heft beiseite und antwortete: &lt;br /&gt;
Bitte, ich habe das eben nicht richtig verstanden.&lt;br /&gt;
Und sie sprach, ohne mit einer Wimper zu zucken: &lt;br /&gt;
Wir haben eine französische Sorte und eine gute deutsche. Welchen möchten Sie denn?&lt;br /&gt;
Äh, ich reagierte verdutzt wie ein blindes Schaf und war ziemlich verstört: ich nehme den deutschen Weinbrand. &lt;br /&gt;
Und während die kleine Kellnerin Hüfte schwingend auf ihren hochhackigen Schuhen entschwand, wurde mir klar, das mit den Brüsten hatte sie nicht gesagt, aber ich hatte es gehört.&lt;br /&gt;
So ging das von einem Tag zum anderen. Verkäuferinnen sagten manchmal dermaßen obszöne Dinge, dass mir das Blut rasend in den Kopf stieg, und dann stellte sich heraus, sie nannten nur den Preis des Tabaks und der Schokolade, die ich gerade kaufen wollte. Seltsamerweise hatte dieser Geist, von dem ich besessen war, einen Heißhunger auf Schokolade.&lt;br /&gt;
Ich ging zu verschiedenen Ärzten, die meisten schüttelten den Kopf, murmelten etwas von Schizophrenie oder so, einer sagte: &lt;br /&gt;
 In meinen Augen bist du ein kleiner Idiot, der sich interessant machen möchte. &lt;br /&gt;
Natürlich wusste ich inzwischen, das sprach dieser närrische Geist, und meine Nachfrage ergab ja auch, wie die anderen empfahl er irgendwelche Tröpfchen oder Tabletten. Es half alles nichts.&lt;br /&gt;
Ich versuchte, so gut es ging, mit diesem Geist zu leben.&lt;br /&gt;
Wenn ich mit meiner Frau den Einkauf zum Wochenende absprach, so viel von den Getränken, Brot, Kartoffeln und dies und das, und sie auf einmal sagte: &lt;br /&gt;
Ich weiß, warum du seit einer Woche nicht mehr mit mir schläfst, du liebst eine andere Frau, beachtete ich diese Worte gar nicht, sondern führte das Gespräch ganz normal fort, was meinst du, Schweinebraten, oder hast du mal Appetit auf Ente? &lt;br /&gt;
Und sie antwortete: &lt;br /&gt;
Wir kaufen eine Ente.&lt;br /&gt;
Unsere kleine Tochter, die mit am Tisch saß, wir versuchten immer, sie in allem einzubeziehen, sprach zu mir, besser gesagt, es sprach aus ihr: &lt;br /&gt;
Nach meiner Ansicht ist deine Frau eine egoistische Zicke. &lt;br /&gt;
Sie sprach von ihrer Mutter!&lt;br /&gt;
Ich runzelte die Stirn, schaute sie fragend an, sie erwiderte meinen Blick mit unschuldigen Kinderaugen, und, als wenn sie von meinem Geist ahnte, wiederholte sie: &lt;br /&gt;
Ihr sollt die Cola für mich nicht vergessen. &lt;br /&gt;
Die Kleine war sechs Jahre alt. Wir saßen alle in der Küche. Meine Frau bemerkte: &lt;br /&gt;
Deine Tochter ist eine kleine, verzogene Prinzessin, und ich weiß gar nicht, was sie hier in unserer Küche sucht.&lt;br /&gt;
Inzwischen kannte ich meinen Geist so gut, dass ich wusste, nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit hatte sie gesagt: &lt;br /&gt;
Du trinkst für dein Alter zu viel Cola.&lt;br /&gt;
Und so redete ich einfach in die Vermutung hinein: &lt;br /&gt;
Na ja, eine große Flasche fürs Wochenende können wir ja kaufen.&lt;br /&gt;
Beide lächelten und nickten, und ich wusste, ich hatte ins Schwarze getroffen.&lt;br /&gt;
Aber die Missverständnisse nahmen mitunter peinliche Formen an. Nur eines war mir sicher, der Geist saß im Innenohr.&lt;br /&gt;
In einer Zeitungsannonce bot sich eine  Psychologin mit Hypnosebehandlung an.&lt;br /&gt;
Ich erzählte ihr alles. Sie schien eine kluge Frau zu sein, trug eine schicke Brille, aber dahinter erkannte ich warmherzige Augen. Mein Geist schwieg bei ihr, jedenfalls dachte ich es.&lt;br /&gt;
Sie erklärte mir: &lt;br /&gt;
 Dieser Geist, von dem sie sprechen, ist mit Sicherheit eine innere Unzufriedenheit, vielleicht irgend etwas anderes, vielleicht ihre Ehe, ihre Kindheit, ich denke, mit mehreren Hypnosebehandlungen werden wir ihn verbannen.&lt;br /&gt;
Ich vertraute ihr und legte mich bereitwillig auf die Liege. Sie zündete Kerzen an und legte indische Musik auf. &lt;br /&gt;
Ihre Stimme klang so sanft, wie ihre Augen es schon versprachen. Ich war ganz entspannt, ich roch sogar frische Waldluft mit Farn im Sonnnenlicht und kleine rote Erdbeeren und dachte glücklich,  jetzt verschwindet der Geist. Wie Siddhartha, der Buddha schwebte ich ins Nichts.&lt;br /&gt;
Genau in diesem Moment, sie stand hinter mir, küsste sie mich auf die Stirn und sagte mit ihrer schönen Stimme ganz zärtlich: &lt;br /&gt;
Wenn du willst, kannst du mich jetzt durchvögeln.&lt;br /&gt;
Ja, antwortete ich in meiner seligen Entspannung, ich will.&lt;br /&gt;
Und ich hob meine Arme nach oben, griff sie mir, zog sie auf die Liege, sie spielte ein wenig die Widerstrebende. Kurz und gut, ich zerriss ihren Slip, öffnete meine Hose und machte meine Sache, so gut ich konnte... als wir dabei waren, nahm sie ihre Brille ab.&lt;br /&gt;
Danach, wir ordneten unsere Kleider, setzte sie ihre Brille wieder auf - und flüsterte etwas verwirrt: &lt;br /&gt;
Sag mal, was hast du dir denn dabei gedacht?&lt;br /&gt;
Na, hast du nicht gesagt, wenn du willst, kannst du mich jetzt durchvögeln?&lt;br /&gt;
Nein, habe ich nicht.&lt;br /&gt;
Verdammter Geist.&lt;br /&gt;
Wir saßen Minuten später wieder an ihrem Schreibtisch, und sie sagte ganz leise: &lt;br /&gt;
Ich denke, wir setzen die Behandlung nicht fort, was du brauchst, ist eine richtige Kur.&lt;br /&gt;
Ich bin auch der Meinung, Sie haben recht.&lt;br /&gt;
Es erschien mir irgendwie anständiger zu sein, ins Sie zurück zu wechseln.&lt;br /&gt;
So fuhr ich zur Kur. Da wurde alles noch schlimmer, anstatt besser... inzwischen sind Jahre vergangen - ich habe mein Gehör verloren, der Geist plagt mich nicht mehr. Ich lebe allein und bin ein zufriedener Mensch. Smile, taub, aber geistlos.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-24T14:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5012006/">
    <title>Abziehendes Gewitter</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5012006/</link>
    <description>Die Hitze brütet über die Stadt, ob ihr wohl klar sei, dass sie am Abend ein Unwetter herein bringe, dass die Pflaster dampfen lasse wie eine Landschaft in Island mit hundert Geysieren. Keine Maus lässt sich auf der Straße sehen, weil irgendwo in der Tiefe der Erde kleine Löcher Kühlung bieten wie ein Schokoladeneis.&lt;br /&gt;
Sämtliche Freunde haben mich vergessen, wahrscheinlich sind sie in die Kühlschränke gekrochen. Eine einzelne SMS flattert durch den flirrenden Äther. In Afrika frieren sie bei zehn Grad... die Welt übt den Kopfstand, und über meinen nackten Oberkörper fließen wie kleine Schlangen Rinnsale von Schweiß.&lt;br /&gt;
Ein Musiker bläst müde in seine Klarinette, als wenn er seinen letzten Atem aushauche.&lt;br /&gt;
Durch die offenen Fenster weht ein heißer Föhn, da könnten sich dickhaarige Frauen die Frisur trocknen lassen.&lt;br /&gt;
Jetzt schwitzt auch mein Rücken, und ich fühle mich wie in einer Badewanne. Wenn ich mir ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank hole, bin ich nach einem Glas betrunken wie ein Totengräber nach der Beerdigung.&lt;br /&gt;
Ich trinke heißen schwarzen Kaffee, um am Leben zu bleiben, denn bei diesen Temperaturen hört schon mal das Herz einfach auf zu schlagen, als würde es vor Liebessehnsucht zerbrechen.&lt;br /&gt;
Ein Pianist hat den Kollaps und jagt wie ein Verrückter über die Tastatur, der die Klarinette spielte ist anscheinend ohnmächtig geworden. &lt;br /&gt;
In der Straßenkneipe liegen die Trinker wie Leichen in den Korbsesseln, sie sind zu schwach nach den Gläsern zu greifen.&lt;br /&gt;
Der Tabaksqualm schmeckt bitter wie Gift, und resigniert klopfe ich die Pfeife aus. Nun ist der Pianist mit den Kopf auf die Tasten gefallen, und es klingt wie der letzte Aufschrei eines Sterbenden.&lt;br /&gt;
Ich hocke mich träge vor den Computer wie ein Krokodil im seichten Schlammwasser des Viktoriasees, wo in der schwülen Luft die Moskitoschwärme dunkle große Kugeln bilden und summen. Eine Partneragentur bietet einen kostenlosen Test an, nun ja, ich lasse mich gern testen. Etwas müde lese ich die Bedingungen durch, nein, es scheint kein Haken dahinter zu sein, der mich ahnungslosen Fisch an Land zieht.&lt;br /&gt;
Natürlich würde ich, wenn ich unversehrt auf einer Bananenschale ausrutsche, wieder aufstehen und dieselbe in einem Mülleimer werfen, damit nicht den nächsten das Schicksal trifft. Was denken sie sich, dass ich herum belle wie eine tollwütige Bulldogge? Seltsame Fragen. Ja, ich bin mit meinem Aussehen zufrieden, ich würde nicht wie Luca Toni aussehen mögen, noch nicht mal wie Torres. Meine Glatze und mein Bauch sind mühsam erworben. Ja, wenn ich eine Partnerin hätte und diese mit anderen flirte, würde ich ihr den Spaß gönnen und nicht aus Rache auch noch mit anderen Frauen flirten. Warum denn das? Wenn mein bester Freund mein Lieblingsauto erworben hätte, würde ich es ihm nicht neiden. Ich habe kein Auto und möchte auch keines. Ob ich es liebe, lange Spaziergänge zu unternehmen? Um Himmels Willen, ich denke an meine Gleichgewichtsprobleme und verneine. Wenn ich mit meiner Partnerin eine Zweizimmerwohnung bewohnen würde, ob ich dann eines als gemeinsames Schlafzimmer vorschlüge? Hier zögere ich und denke an die glücklichen Morgenstunden, an denen ich allein erwache. Hat der Computer mein Zögern registriert? Ich bejahe, man muss Kompromisse eingehen. Dann klicke ich eine Reihe von Bildern an, mir gefallen immer die runden, wegen der Harmonie.&lt;br /&gt;
Schließlich meldet mir das System, dass es Bedenkzeit benötige zur Auswertung.&lt;br /&gt;
Ich schleiche zum Balkon, schaue zuerst in den in den milchig blauen Himmel und flehe die Götter um eine Abkühlung an. Mein zweiter Blick gilt der leblosen Straße. Über dem Dach eines blauen Autos hängt schlapp die Deutschlandfahne.&lt;br /&gt;
Wenn sie hier und jetzt ein Fußballspiel veranstalten würden, würden die Spieler beim Elfmeterschießen einschlafen.&lt;br /&gt;
Da ballen sich am Horizont erste kleine Wolken zusammen über den schmutzigen Dächern der Stadt. Ein leichtes Rauschen geht durch das Laub der Linden, der Pianist ist wieder lebendig geworden und spielt einen Walzer von Chopin... lustlos blättre ich in einem Buch, das einen Chronisten vom Wind erzählen lässt  und falle benommen in einen Schlaf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich erwache spielen die Spanier gegen die Italiener. Bienenfleiss gegen Genialität, die sich in Nichts auflöst. Das Spiel ist wie ein endloser Traum, in dem nichts geschieht. Der Himmel wird schwarz über Berlin und endlich beim Elfmeterschießen zucken blaue Blitze über die Stadt.&lt;br /&gt;
Auf einmal ist den Italienern nicht das Glück hold, und ich hole mir erleichtert das erste kalte Bier aus dem Kühlschrank. Ich gehe auf dem Balkon und dicke schwere Tropfen benetzen mein Gesicht. Der Gewitterregen schmeckt wie der Saft des dunkelroten Fleisches der Wassermelonen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Später sitze ich vor dem Computer, trinke Bier und rauche Pfeife. Ich öffne die Seite der Partneragentur. &lt;br /&gt;
Eigentlich, schreiben sie, suche ich gar keine Partnerin und bin ein rundum zufriedener Mensch,. Sie empfehlen mir, wenn ich es mir finanziell leisten könne, einmal wöchentlich die Dienste einer Prostituierten in Anspruch zu nehmen, da ja meine Toleranz grenzenlos sei.&lt;br /&gt;
Das habe ich auch so gewusst, ich schließe die Seite und wende mich ernsthaften Dingen zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Draußen planscht der Regen und bringt die Kühle in die Wohnung, die ist wie der Kuss eines kleinen Kindes... einfach schön.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-22T23:32:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5009197/">
    <title>Die Reise 2</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5009197/</link>
    <description>2&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Martin fiel als erstes auf, dass er nicht der einzige war, der einen dunklen Anzug trug. Er saß auf einem Ehrenplatz hinter einer Blumenschale, aus der die Orchideen züngelten wie Schlangen aus einem Nest.&lt;br /&gt;
Während der Rede des Vorstandsvorsitzenden betrachtete er interessiert eine dicke Fliege, die auf den Blüten spazieren ging. Die Blume, welche sie sich ausgesucht hatte, besaß eine fette Zunge. Wahrscheinlich schmeckte der Fliege der Saft der Blume wie mir ein guter Whisky, dachte er und verkniff sich ein Grinsen.&lt;br /&gt;
Der Vorstandsvorsitzende verstand sich auf salbungsvolle Worte wie ein Pfaffe bei einer Beerdigung. Herr Brand, das war Martin, hat für unsere Firma unvergleichliche Verdienste erworben... Martin träumte.&lt;br /&gt;
Sehr interessiert beobachtete er, wie die Fliege zu einem Flug startete. Sie kreiste um das Auditorium wie auf einem Erkundungsflug ein Raumschiff um den Mond kreist. Schließlich fand sie einen Landeplatz  die Glatze des Vorstandsvorsitzenden. Während dieser ausführlich die Verdienste des Herrn Brand bei den Verhandlungen in Moskau würdigte, wanderte die Fliege auf ihrem Mond hin und her.&lt;br /&gt;
Martin hätte darauf wetten können,  was jetzt folgen würde. Und so kam es auch, ein energischer Klaps der fleischigen Hand des Vorsitzenden, die Fliege war schneller.&lt;br /&gt;
Martin verzog keine Miene, aber er entdeckte in den Gesichtern der versammelten Belegschaft ein unterdrücktes Kichern. Der Vorsitzende schmatzte seine Worte unbeeindruckt weiter. Durch das geschickte Verhandeln hat Herr Brand der Firma zweihundert Arbeitsplätze gesichert.&lt;br /&gt;
Natürlich waren nicht alle Arbeitsplätze im Saal versammelt, es waren ausgewählte Vertreter der Arbeitsplätze, die da saßen.&lt;br /&gt;
Die Fliege flog in Richtung der aufgebauten Frühstückstafel.  &lt;br /&gt;
Martin sah den Vorsitzenden schräg hinten von der Seite. Er trug Lackschuhe und graue Socken zum schwarzen Anzug. Und er sprach und sprach. Etwas versonnen zupfte Martin an seiner weißen Margerite im Revers, er war der einzige mit solch einer Blume. Verträumt auch ruhte sein Blick in den Augen einer jungen Sekretärin, die versteckt lächelte, als wäre sie seine Verbündete. Martin machte ein undurchdringliches Gesicht, als säße er am Pokertisch und hätte ein Full House in der Hand.&lt;br /&gt;
Auf einmal beendete der Vorsitzende seine Rede und drehte sich zu ihm. Martin zuckte nicht mit der Wimper, um sein Blatt nicht zu verraten.&lt;br /&gt;
Martin, sagte plötzlich der Boss, er hatte ihn noch nie beim Vornamen genannt... Martin hob einen Millimeter die rechte Augenbraue hoch, um seiner Verwunderung Ausdruck zu geben... Martin, sagte der dicke Kerl, du wirst uns alle fehlen... sie hatten sich noch nie geduzt.&lt;br /&gt;
Im anschließenden Beifall klang eine gewisse Erleichterung mit, wie man einen langen Regenguss erträgt, aber sich freut, wenn die Sonne auftaucht. Martin erhob sich einige Zentimeter von der Stuhlfläche und deutete eine Verbeugung an. Der dicke Vorsitzende mit den Lackschuhen ging mit einer gewissen Feierlichkeit auf ihn zu und griff mit beiden fleischigen Händen die eine Hand von Martin, der nun ganz und gar aufstand.&lt;br /&gt;
Er grinste dünn und klopfte dem fast einen Kopf Kleineren auf die Schulter... so etwas hatte er auch noch nie getan... Junge, sagte Martin, du fehlst mir jetzt schon.&lt;br /&gt;
Die anwesende Belegschaft lachte befreit, Martins Worte wirkten anscheinend wie eine große Erleichterung.&lt;br /&gt;
Irgendwer brachte einen gewaltigen Karton herbei, den ihm der Vorsitzende überreichte. Wenig später folgte ein riesiger Blumenstrauß.&lt;br /&gt;
Dann setzten sich alle wieder hin.&lt;br /&gt;
Martin saß plötzlich verdeckt hinter dem Karton neben der Blumenschale. Er stand wieder auf, nahm den Karton in beide Hände und schüttelte ihn etwas, dann horchte er. Die anwesende Belegschaft lachte lauthals, als wäre er ein Komiker.&lt;br /&gt;
Etwas hilflos schaute Martin umher, er behielt sein Pokerface dabei und stellte den Karton dann hinter sich auf die Erde. Er setzte sich wieder.&lt;br /&gt;
Als nächstes hielt der Betriebsratsvorsitzende eine Rede. Martin vermisste die Fliege. Der Betriebsratsvorsitzende war auch klein, aber nicht dick. Wie Martin beobachtete, trug er normale Lederschuhe und rote Socken. Was ihn sehr verwunderte, war, dass der rechte Socke ein Loch im Hacken hatte. Hat der Mann keine Frau, fragte sich Martin.&lt;br /&gt;
Das Gesicht des Betriebsratsvorsitzenden war puterrot, und er stotterte etwas, scheinbar war er aufgeregt. Bei ihm war Martin nicht Herr Brand, sondern der Kollege Brand. Martin suchte das Antlitz der jungen Sekretärin. Sie schaute ihn nicht an, aber in ihren Mundwinkeln versteckte sich ein kaum wahrnehmbares Lächeln, das besagte, ich weiß, dass du mich anschaust.&lt;br /&gt;
Als, als... wir damals die Verhandlungen mit, mit... dem Vorstand führten, sagte der stotternde Betriebsratsvorsitzende, konnte ja keiner ahnen, dass der Vertreter des, des Vorstandes, Ko- Kollege Brand einer der ersten sein, sein würde, der von der Re- Regelung des vor- vorzeitigen Ruhestandes Ge- Gebrauch machen würde. Erleichtert atmete er aus, den Satz einigermaßen zu Ende gebracht zu haben, als hätte er den Gipfel eines Berges bestiegen.&lt;br /&gt;
Nun drehte er sich auch zu Martin, der ihm aufmunternd zulächelte.&lt;br /&gt;
Und plötzlich sagte er auch, Ma- Martin, du, du wirst uns fehlen.&lt;br /&gt;
Er eilte mit schnelle Schritten auf Martin zu und fasste mit seinen beiden kleinen Händen die eine Hand von Martin, der wieder aufstand.&lt;br /&gt;
Nimm &apos;s leicht, sagte Martin und grinste und klopfte ihm ebenfalls auf die Schulter. Die anwesende Belegschaft wartete auf seine Worte wie auf die Pointe eines Witzes und lachte dankbar. Der nächste Blumenstrauß folgte.&lt;br /&gt;
Es entstand eine kleine Pause.&lt;br /&gt;
Martin machte große verwunderte Augen wie ein Kind, das an seinem Geburtstag auf die Torte wartete. Sein Nebenmann stieß ihm in die Seite. Martin sah ihn an, es war sein Nachfolger. Sein Gesicht glänzte vor Freude. Wenn du jetzt vielleicht... ja, fragte Martin... ein paar Worte...&lt;br /&gt;
Ach so, Martin lachte trocken, und er schlug dem jungen Mann Mann so kräftig aufs Knie, dass dieser zusammen zuckte.&lt;br /&gt;
Langsam ging Martin zum Rednerpult.&lt;br /&gt;
Er sah die vielen erwartungsvollen Gesichter...&lt;br /&gt;
Dann griff er in die Innenseite seines Jacketts und holte einen Zettel hervor. Er las diesen, schaute hoch  und zerknüllte den Zettel und warf ihn auf den Pult. Er grinste und sagte, das ist jetzt vorbei. Langsam drehte er sich zum Vorstandsvorsitzenden um, der säuerlich lächelte.&lt;br /&gt;
Vielleicht noch ein paar Worte zu den Verhandlungen in Moskau, sagte Martin. Er schwieg einen Moment.&lt;br /&gt;
Wir bekamen damals natürlich nur den Auftrag, weil ich die Dolmetscherin über die Nacht mit aufs Hotelzimmer nahm... die anwesende Belegschaft brüllte vor Lachen.&lt;br /&gt;
Und, sagte Martin nach einer Pause, in der das Lachen noch nach klang, die Vorruhestandsregelung habe ich natürlich nur ausgehandelt, weil ich an mich selbst dachte, und nun Leute, ran ans Büfett...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Stunden später stieg er ins Taxi, in jedem Arm einen dicken Blumenstrauß. Etwas verwundert stutzte er. Es gab noch ein Getümmel am Eingang. Die junge Sekretärin erschien mit dem großen Karton. Herr Brand, Ihr Geschenk.&lt;br /&gt;
Ach so, sagte Martin. Der Fahrer stieg aus, und man verstaute den Karton im Kofferraum.&lt;br /&gt;
Martin hielt die Tür geöffnet. Der Platz vor dem Firmengebäude war voller Leute, seine Leute. Sie winkten.&lt;br /&gt;
Die Sekretärin beugte sich vor. Nur du und ich wissen, dass es nicht die Dolmetscherin war, welche die Nacht mit dir verbrachte...&lt;br /&gt;
Martin sagte, und das bleibt unser Geheimnis. Das letzte, was er sah, das war ihr Kussmund.&lt;br /&gt;
Das Taxi fuhr an, und er winkte aus dem offenen Fenster.&lt;br /&gt;
Erleichtert ließ er sich wenig später gegen die Rückenlehne fallen.&lt;br /&gt;
Darf ich rauchen, fragte er den Fahrer.&lt;br /&gt;
Na klar, Chef, wir Berliner lassen uns doch nicht von die Politiker die Freiheit nehmen.&lt;br /&gt;
Martin grinste, ich bin kein Chef mehr, und er ließ das Feuerzeug klicken.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Mukono</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-21T17:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://mukono.twoday.net/stories/5007475/">
    <title>Fußball</title>
    <link>http://mukono.twoday.net/stories/5007475/</link>
    <description>Sie läuft durch die Wohnung und trällert ein Liedchen. So oder so ist das Leben, irgend etwas in der Richtung muss es sein. &lt;br /&gt;
Er versteckt sich hinter der Zeitung. Ab und an kommt sein Arm wie ein Roboterarm zum Vorschein, und seine Hand holt die Kaffeetasse hinter die Zeitung, die wie eine schützende Wand ist. Dann setzt er die Tasse wieder ab, um sich gleich wieder zurück zu ziehen. Hinter der Wand steigt der Qualm seiner Zigarette nach oben, als würde ein Indianer Rauchsignale aussenden.&lt;br /&gt;
Was machen wir heute Abend, trällert sie. Sie ist mit einer Sprühflasche unterwegs und befeuchtet die Blumen. Das macht dann immer zisch, zisch.&lt;br /&gt;
Was machen wir heute Abend, trällert sie erneut, als hätte eine Schallplatte einen Sprung. Damals, als es noch keine CDs gab.&lt;br /&gt;
Er schweigt.&lt;br /&gt;
Zisch, zisch.&lt;br /&gt;
Ich habe dich was gefragt.&lt;br /&gt;
Der Indianer schweigt. Er liest die letzten Spielanalysen.&lt;br /&gt;
Sie trällert.&lt;br /&gt;
Wir könnten es uns doch richtig gemütlich machen vorm Fernseher.&lt;br /&gt;
Langsam kommt sein Kopf hinter der Zeitung hervor.&lt;br /&gt;
Ich wollte eigentlich noch raus gehen, er murmelt undeutlich.&lt;br /&gt;
Raus?&lt;br /&gt;
Aber in Arte kommt eine Oper.&lt;br /&gt;
Er blättert die Zeitung um, es raschelt wie Birkenlaub im Wind.&lt;br /&gt;
Was für eine Oper?&lt;br /&gt;
Ideomeo.&lt;br /&gt;
Jetzt ist er bei Lokalteil angelangt. Sie bringen auch nur Fußball. Und das ist gut so. Wie wird heute die Aufstellung sein?&lt;br /&gt;
Heißt das nicht Ideomeno?&lt;br /&gt;
Jetzt bleibt sie vor ihm stehen und unterbricht ihr Blumen bestäuben.&lt;br /&gt;
Meinst du? Ist jedenfalls von Mozart...&lt;br /&gt;
Er räuspert sich. Das musst du doch wissen.&lt;br /&gt;
Sie kichert.&lt;br /&gt;
Na, jedenfalls ist es das, wo sie die abgeschlagenen Köpfe von Mohammed und von Jesus auf Stühle stellen.&lt;br /&gt;
Entschlossen legt er die Zeitung zusammen.&lt;br /&gt;
Ich geh noch in die Kneipe und schau mit den Jungs Fußball.&lt;br /&gt;
Fußball!!!&lt;br /&gt;
Ja, er grinst, und du kannst Idemeo oder Idemeneo gucken.&lt;br /&gt;
Aber Fußball ist primitiv. Ihre Stimme schwirrt empört und unsicher durch die Wohnung.&lt;br /&gt;
Er grunzt etwas wie ein Tier.&lt;br /&gt;
Wir Männer sind eben primitiv und glücklich.&lt;br /&gt;
Sie schnappt nach Luft. Also wirklich. &lt;br /&gt;
Sein Grinsen wird ganz breit.&lt;br /&gt;
Und wir jubeln mit den Türken, das sind Moslems. Wir köpfen nicht Mohammed.&lt;br /&gt;
Ihr Mund steht offen.&lt;br /&gt;
Das ist billiger Nationalismus.&lt;br /&gt;
Ach, er steht auf.&lt;br /&gt;
Und die Kanzlerin guckt auch Fußball, sie hat einen Abiturzensuren Durchschnitt von eins Komma Null, sagt er sanft.&lt;br /&gt;
Sie kämpft mit den Tränen.&lt;br /&gt;
Aber sie geht auch in die Oper.&lt;br /&gt;
Ja, sagt er und nimmt sie in de Arme, Fußball und Oper.&lt;br /&gt;
Sie legt ihren Kopf an seine Brust.&lt;br /&gt;
Ich mache uns heute Abend auch ein schnuckeliges Essen.&lt;br /&gt;
Er schiebt sie von sich. Ich esse mit den Jungs eine Rostbratwurst in der Kneipe, musst heute mal alleine essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz danach fällt die Tür hinter ihm zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vier Stunden später schwankt er selig heimwärts. In der Wohnung ist alles finster. Er versucht sich leise auszuziehen, aber fällt beinahe hin.&lt;br /&gt;
Plötzlich geht die Nachttischlampe an. Na, ihre Stimme quengelt etwas, war schön dein Fußball? Seine Stimme krächzt. Er ist ganz heiser vom Grölen. Jaa. Und deine Oper?&lt;br /&gt;
Die war sehr schön. &lt;br /&gt;
Schwer fällt er neben ihr ins Bett. Sie schaltet die Lampe aus.&lt;br /&gt;
Auf einmal fühlt sie seine Hand.&lt;br /&gt;
Na, na, was soll denn das?&lt;br /&gt;
Ich schieße noch einen Elfmeter, er wälzt sich auf sie.&lt;br /&gt;
Wenig später hört sie sein Schnarchen. Ihre Augen starren in die Dunkelheit.&lt;br /&gt;
Tor, flüstert sie leise  und lächelt.</description>
    <dc:creator>Mukono</dc:creator>
    
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