Der alte Mann und das Mädchen 19
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Der alte Mann schläft. Nuu putzt die Küche. Sie hat sich ein CD-Player mitgebracht und trällert Liedchen von Tata Young. Sie liebt diese Musik, die Trommeln schlagen dumpf den Rhythmus, begleitet vom Klang der Bambushölzer, die hohe Stimme der Sängerin steigt in den blauen Himmel, Liebe, Sehnsucht, Hoffnung. Überall auf der Welt singen die jungen Menschen davon, und man könnte aus den Schlagern und Chansons ein großes Tuch weben und es über den Himmel der ganzen Erde spannen. Sterne würden funkeln in diesem Tuch wie die Laternen bei einem Lichterfest, wenn der gelbe Mond auf einer Palme ruht.
Alles, was die Menschen wollen, ist ein kleines glückliches Leben... Nuu ist davon nicht ausgenommen. Ich möchte niemanden weh tun, ich möchte immer positiv denken, sagt sie, wenn sie jemand fragt.
Nuu ist äußerst gut gelaunt. Unversehens ist sie zu einer Woche Urlaub gekommen, der Junge war leicht zu überzeugen. Und finanziell macht sie keine großen Einbußen. Das Leben einer Hure ist manchmal ertragreich und manchmal wie der trockene Weg durch eine Wüste aus Stein.
Sie räumt alle Töpfe und Schüsseln und Teller aus den Schränken und wischt diese sauber. Es ist erstaunlich, wie reinlich der alte Mann ist. Wenn mal der Junge so wäre. In seinem Zimmer türmt sich der Müll wie auf einer Halde. Der Junge lässt sich gehen.
Der alte Mann offenbar nicht. Er hat keine Putzfrau, niemanden, die ihm hilft. Sie putzt auch die Fenster, erst das eine in der Küche und dann in der Stube das Fenster und die Balkontüren. Die Musik begleitet sie, und sie ist in einer ausgelassenen Fröhlichkeit. Nein, sie hat sich nichts vorzuwerfen. Der alte Mann schläft und schläft. Vielleicht schläft er sich zu Tode wie ein uraltes Krokodil. Das ist der Lauf des Lebens. Vielleicht ist seine Zeit gekommen.
Er hat fast keine Bücher in der Wohnung, in der Stube entdeckt sie auf einem kleine Wandregal ein dickes Lexikon und zwei Bücher über Elektrotechnik. In der Stube befindet sich auch die Couch, auf der sie nachts schläft. Sie lächelt, endlich wieder nachts schlafen. Ein großer Fernsehapparat steht in der Ecke und ein kleines Radio auf der Kommode. Der alte Mann hat es offenbar darauf angelegt, kaum Spuren seines Lebens zu hinterlassen, wenn er sich auf die große Reise begibt. So, wie ein Gespenst in der Nacht spukt, und am Morgen verschwunden ist.
Nuu macht Pause auf dem Balkon und raucht eine Zigarette. Der alte Mann lebt sein Leben wie ein Nachtgespenst, sie wundert sich. Auf der Kommode sieht sie ein vergilbtes Foto in einem Rahmen. Ein junges Mädchen lächelt scheu, es trägt Zöpfe und ein weißes Kleid mit Rüschen. Das Foto muss uralt sein. Wo hat der alte Mann die Bilder seiner Eltern, seiner Ahnen? In Thailand sind die Ahnen immer anwesend und man zündet kleine Räucherkerzen an, um ihre Seelen zu erfreuen...
Hat er keine Geschwister, keine Familie, wirklich? Nun, er ist uralt, aber seine Familie muss doch Spuren hinterlassen haben. Selbst der Wind am Meer malt seine Spuren im Sand wie Falten in ein zerfurchtes Gesicht.
Jeder sehnt sich nach Liebe, nach der einzigen Liebe, die ihm das Leben versüßt. Wo ist der andere, der mich sucht und mir die Träume von den Bäumen pflückt wie reife Früchte an einem Sommertag. singt Tata Young.
Jeder Mensch hat einmal in seinem Leben die Bekanntschaft mit einer Seele gemacht, die genau zu ihm gehört wie das eigene Bild in einem Spiegel. Wenn man ihm ein Lächeln schenkt, lächelt es zurück. Und es gibt keinen Menschen auf der ganzen Welt, der nicht sein eigenes Spiegelbild mit Wohlgefallen ansehe. So denkt Nuu. Natürlich ist es nicht einfach zu erkennen, ob genau diese andere Person die richtige ist. Der Junge, der Sven heißt, ist für Nuu nicht der richtige. Aber manchmal denkt sie an Tao. Gerade wenn sie die wundervollen Lieder Tata Youngs hört, hat sie das Gefühl, als gieße man Honig in eine warme Milch.
Immer erinnert sich Nuu an den heißen Tag vor dem Regenguss, als sie am Kühlschrank saß und Mangoeis löffelte und Tao in der offenen Tür stand wie ein Versprechen für den Rest des Lebens. Ist er der Richtige? Wird er auf sie fünf Jahre lang warten? Als sie Weihnachten in Thailand zum Urlaub war, hatte sie ihn nur einmal von weitem gesehen. Er ging ihr aus dem Weg, als fürchte er sich, und sie wusste auch wovor. Er fürchtete sich davor, sie mit seinem eigenem Leid zu verletzen. Tao hatte das heiße Herz für sie.
Wenn sie für immer heimkommt, kann sie ein Haus kaufen und ein großes Stück Land... Nuu beginnt auf dem Balkon zu träumen. Sie wird Tao an der Hand halten und mit ihm von der Zukunft sprechen. Lass uns die fünf Jahre vergessen wie einen Dämon, der sich verzieht, weil er besiegt wurde, wie einen bösen Schatten der Nacht... wir sind reich genug, ein gutes Leben zu führen. Aber frage mich nie nach der Vergangenheit, wird sie zu ihm sagen.
Seine Reaktion wird alles entscheiden, wenn sein Herz aus Gold ist, wird er es auf die Waage der Gerechtigkeit legen... von all dem singt Tata Young.
Nuu steht auf und geht zum Schlafzimmer. Hier herrscht die Dämmerung wie ein milder Balsam, der alte Mann liegt auf dem Rücken und schläft.
Sie setzt sich auf den Stuhl und betrachtet ihn.
Sein Gesicht ist zerklüftet wie die Haut eines alten Krokodils oder Elefanten, aber er atmet ganz ruhig und leise. Die Medikamente wirken wie das heilende Gift einer Schlange. Kommt sein Herz wieder zur Ruhe?
Der alte Mann erinnert sie an einen umgestürzten Baum im Urwald. Tao und sie waren noch Kinder, da kletterten sie zwischen den Wurzeln herum, die wie Knochenhände in die Höhe stachen. Sie waren vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und planschten zuvor unter einem Wasserfall. Dann fanden sie eine kleine Höhle unter den Wurzeln, die war ihr geheimes Versteck, und Tao flüsterte mit ihr, Nuu erinnert sich genau. Wenn du mir deinen Namen verrätst, sage ich dir auch meinen, flüsterte Tao... Nu träumt. Und in Gedanken hört sie den Namen Natasit... Sontaya und Natasit...
Woran denkst du?
Das ist die Stimme des alten Mannes. Wie lange hat er sie schon beobachtet?
Nuu erinnert sich, dass er sie bat, ihn Hans zu nennen. Ich denke an Zuhause, Hans, sagt sie.
An Thailand, fragt Hans Kohn.
Ja, als ich noch ein kleines Kind war.
Der alte Mann scheint über ihre Worte nachzudenken. Seine Augen sind ganz groß, und er schaut Nuu an. Sie lächelt.
Denkst du nie an deine Kindheit, Hans, fragt sie.
Hans Kohn schlägt etwas mühselig die Bettdecke beiseite. Nuu steht auf und hilft ihm hoch. Dann sitzt er am Bettrand und stützt seine Hände auf.
Das ist zu lange her, sagt er schließlich, ich muss auf die Toilette. Nuu legt ihm den Bademantel um die Schultern und stützt ihn dann. Der große alte Mann legt seine große knochige Hand auf ihre Schulter. Ganz langsam schlurft er mit ihrer Hilfe bis zur Toilette.
So, jetzt lass mich allein, ich schaffe es schon, sagt er dann vor dem Becken.
Ruf mich, antwortet Nuu, ich warte vor der Tür.
Später sitzt er im Bett und Nuu füttert ihn mit Reis und Gemüse.
Dann lässt er sich ächzend nach hinten fallen. Er schaut sie an wie ein kleines Kind.
Wenn ich gesund werde, er flüstert.... ja, fragt Nuu.... ziehst du dann wieder das rote Kleid für mich an?
Nuu lacht, und sie schüttelt sein Kissen ein wenig auf wie eine besorgte Mutter. Schlaf, schlaf, wir werden sehen...
Der alte Mann schläft. Nuu putzt die Küche. Sie hat sich ein CD-Player mitgebracht und trällert Liedchen von Tata Young. Sie liebt diese Musik, die Trommeln schlagen dumpf den Rhythmus, begleitet vom Klang der Bambushölzer, die hohe Stimme der Sängerin steigt in den blauen Himmel, Liebe, Sehnsucht, Hoffnung. Überall auf der Welt singen die jungen Menschen davon, und man könnte aus den Schlagern und Chansons ein großes Tuch weben und es über den Himmel der ganzen Erde spannen. Sterne würden funkeln in diesem Tuch wie die Laternen bei einem Lichterfest, wenn der gelbe Mond auf einer Palme ruht.
Alles, was die Menschen wollen, ist ein kleines glückliches Leben... Nuu ist davon nicht ausgenommen. Ich möchte niemanden weh tun, ich möchte immer positiv denken, sagt sie, wenn sie jemand fragt.
Nuu ist äußerst gut gelaunt. Unversehens ist sie zu einer Woche Urlaub gekommen, der Junge war leicht zu überzeugen. Und finanziell macht sie keine großen Einbußen. Das Leben einer Hure ist manchmal ertragreich und manchmal wie der trockene Weg durch eine Wüste aus Stein.
Sie räumt alle Töpfe und Schüsseln und Teller aus den Schränken und wischt diese sauber. Es ist erstaunlich, wie reinlich der alte Mann ist. Wenn mal der Junge so wäre. In seinem Zimmer türmt sich der Müll wie auf einer Halde. Der Junge lässt sich gehen.
Der alte Mann offenbar nicht. Er hat keine Putzfrau, niemanden, die ihm hilft. Sie putzt auch die Fenster, erst das eine in der Küche und dann in der Stube das Fenster und die Balkontüren. Die Musik begleitet sie, und sie ist in einer ausgelassenen Fröhlichkeit. Nein, sie hat sich nichts vorzuwerfen. Der alte Mann schläft und schläft. Vielleicht schläft er sich zu Tode wie ein uraltes Krokodil. Das ist der Lauf des Lebens. Vielleicht ist seine Zeit gekommen.
Er hat fast keine Bücher in der Wohnung, in der Stube entdeckt sie auf einem kleine Wandregal ein dickes Lexikon und zwei Bücher über Elektrotechnik. In der Stube befindet sich auch die Couch, auf der sie nachts schläft. Sie lächelt, endlich wieder nachts schlafen. Ein großer Fernsehapparat steht in der Ecke und ein kleines Radio auf der Kommode. Der alte Mann hat es offenbar darauf angelegt, kaum Spuren seines Lebens zu hinterlassen, wenn er sich auf die große Reise begibt. So, wie ein Gespenst in der Nacht spukt, und am Morgen verschwunden ist.
Nuu macht Pause auf dem Balkon und raucht eine Zigarette. Der alte Mann lebt sein Leben wie ein Nachtgespenst, sie wundert sich. Auf der Kommode sieht sie ein vergilbtes Foto in einem Rahmen. Ein junges Mädchen lächelt scheu, es trägt Zöpfe und ein weißes Kleid mit Rüschen. Das Foto muss uralt sein. Wo hat der alte Mann die Bilder seiner Eltern, seiner Ahnen? In Thailand sind die Ahnen immer anwesend und man zündet kleine Räucherkerzen an, um ihre Seelen zu erfreuen...
Hat er keine Geschwister, keine Familie, wirklich? Nun, er ist uralt, aber seine Familie muss doch Spuren hinterlassen haben. Selbst der Wind am Meer malt seine Spuren im Sand wie Falten in ein zerfurchtes Gesicht.
Jeder sehnt sich nach Liebe, nach der einzigen Liebe, die ihm das Leben versüßt. Wo ist der andere, der mich sucht und mir die Träume von den Bäumen pflückt wie reife Früchte an einem Sommertag. singt Tata Young.
Jeder Mensch hat einmal in seinem Leben die Bekanntschaft mit einer Seele gemacht, die genau zu ihm gehört wie das eigene Bild in einem Spiegel. Wenn man ihm ein Lächeln schenkt, lächelt es zurück. Und es gibt keinen Menschen auf der ganzen Welt, der nicht sein eigenes Spiegelbild mit Wohlgefallen ansehe. So denkt Nuu. Natürlich ist es nicht einfach zu erkennen, ob genau diese andere Person die richtige ist. Der Junge, der Sven heißt, ist für Nuu nicht der richtige. Aber manchmal denkt sie an Tao. Gerade wenn sie die wundervollen Lieder Tata Youngs hört, hat sie das Gefühl, als gieße man Honig in eine warme Milch.
Immer erinnert sich Nuu an den heißen Tag vor dem Regenguss, als sie am Kühlschrank saß und Mangoeis löffelte und Tao in der offenen Tür stand wie ein Versprechen für den Rest des Lebens. Ist er der Richtige? Wird er auf sie fünf Jahre lang warten? Als sie Weihnachten in Thailand zum Urlaub war, hatte sie ihn nur einmal von weitem gesehen. Er ging ihr aus dem Weg, als fürchte er sich, und sie wusste auch wovor. Er fürchtete sich davor, sie mit seinem eigenem Leid zu verletzen. Tao hatte das heiße Herz für sie.
Wenn sie für immer heimkommt, kann sie ein Haus kaufen und ein großes Stück Land... Nuu beginnt auf dem Balkon zu träumen. Sie wird Tao an der Hand halten und mit ihm von der Zukunft sprechen. Lass uns die fünf Jahre vergessen wie einen Dämon, der sich verzieht, weil er besiegt wurde, wie einen bösen Schatten der Nacht... wir sind reich genug, ein gutes Leben zu führen. Aber frage mich nie nach der Vergangenheit, wird sie zu ihm sagen.
Seine Reaktion wird alles entscheiden, wenn sein Herz aus Gold ist, wird er es auf die Waage der Gerechtigkeit legen... von all dem singt Tata Young.
Nuu steht auf und geht zum Schlafzimmer. Hier herrscht die Dämmerung wie ein milder Balsam, der alte Mann liegt auf dem Rücken und schläft.
Sie setzt sich auf den Stuhl und betrachtet ihn.
Sein Gesicht ist zerklüftet wie die Haut eines alten Krokodils oder Elefanten, aber er atmet ganz ruhig und leise. Die Medikamente wirken wie das heilende Gift einer Schlange. Kommt sein Herz wieder zur Ruhe?
Der alte Mann erinnert sie an einen umgestürzten Baum im Urwald. Tao und sie waren noch Kinder, da kletterten sie zwischen den Wurzeln herum, die wie Knochenhände in die Höhe stachen. Sie waren vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und planschten zuvor unter einem Wasserfall. Dann fanden sie eine kleine Höhle unter den Wurzeln, die war ihr geheimes Versteck, und Tao flüsterte mit ihr, Nuu erinnert sich genau. Wenn du mir deinen Namen verrätst, sage ich dir auch meinen, flüsterte Tao... Nu träumt. Und in Gedanken hört sie den Namen Natasit... Sontaya und Natasit...
Woran denkst du?
Das ist die Stimme des alten Mannes. Wie lange hat er sie schon beobachtet?
Nuu erinnert sich, dass er sie bat, ihn Hans zu nennen. Ich denke an Zuhause, Hans, sagt sie.
An Thailand, fragt Hans Kohn.
Ja, als ich noch ein kleines Kind war.
Der alte Mann scheint über ihre Worte nachzudenken. Seine Augen sind ganz groß, und er schaut Nuu an. Sie lächelt.
Denkst du nie an deine Kindheit, Hans, fragt sie.
Hans Kohn schlägt etwas mühselig die Bettdecke beiseite. Nuu steht auf und hilft ihm hoch. Dann sitzt er am Bettrand und stützt seine Hände auf.
Das ist zu lange her, sagt er schließlich, ich muss auf die Toilette. Nuu legt ihm den Bademantel um die Schultern und stützt ihn dann. Der große alte Mann legt seine große knochige Hand auf ihre Schulter. Ganz langsam schlurft er mit ihrer Hilfe bis zur Toilette.
So, jetzt lass mich allein, ich schaffe es schon, sagt er dann vor dem Becken.
Ruf mich, antwortet Nuu, ich warte vor der Tür.
Später sitzt er im Bett und Nuu füttert ihn mit Reis und Gemüse.
Dann lässt er sich ächzend nach hinten fallen. Er schaut sie an wie ein kleines Kind.
Wenn ich gesund werde, er flüstert.... ja, fragt Nuu.... ziehst du dann wieder das rote Kleid für mich an?
Nuu lacht, und sie schüttelt sein Kissen ein wenig auf wie eine besorgte Mutter. Schlaf, schlaf, wir werden sehen...
Mukono - 30. Apr, 16:48
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