Der alte Mann und das Mädchen 23
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Die Zeit vergeht. Jede Sekunde ist weniger als ein Atemzug, aber in den Minuten beginnen wir zu leben, bis sie zu Stunden anwachsen wie Triebe an Bäumen, und aus den Stunden werden Tage, aus den Tagen Wochen, und die Jahre sind die Äste eines Baumes, der sich in dieser Zeit Ringe zulegt, so wird dicker der Stamm...
Nuu denkt in den ersten Tagen oft an Hans Kohn, doch nach zwei Wochen ist sie wieder in ihrem Leben angelangt, wie ein Schiff auf seine Bahn. Es kommen Tage, da lacht die Sonne und andere, da regnet es, weil der Himmel weint um die Vergänglichkeit der Welt.
Nuu hatte sich mit Hans Kohn unterhalten, als führe sie Gespräche mit ihrem Großvater. In dieser einen Woche ist der Freier zu einem Großvater geworden. Aber sie beginnt ihn zu vergessen, und manchmal denkt sie, wenn er anrufen würde, ich könnte auch wieder seine Hure sein.
Trotzdem wirken wie unsichtbare Flüsse im Berg viele Momente mit ihm nach, da sie doch eine ganze Woche bei ihm war.
Nuu, hatte Hans Kohn gesagt, du kannst nicht nur so leben, als befändest du dich hier in Deutschland fünf Jahre im Urlaub, in jedem Moment lebst du und was kommt, ist immer ungewiss. Der Junge hier liebt dich, was weißt du, was mit Tao wird. Fünf Jahre sind eine lange Zeit...
An den ruhigen Tagen meditiert sie, und sie erkennt, die Zukunft ist hinter dichte Nebel verborgen.
In der Woche, in der sie nicht bei dem Jungen war, hat er die Fenster und die Tür der Küche gestrichen, auch fand sie sein Zimmer aufgeräumt.
Sie schlief mit ihm, und als seine jungen Arme sie hielten, flüsterte sie seinen Namen. Sven. Die Woche der Trennung hatte ihnen beiden gut getan.
Sven bekam vom Arbeitsamt eine Ausbildung finanziert, er wollte die Hauptschule abschließen und noch einmal eine Lehre beginnen. Er wollte Elektriker werden.
Vielleicht, Nuu, sagte er, kann ich später mit dir nach Thailand gehen und dort als Elektriker arbeiten. Nuu sah ihn nur erstaunt an, aber sie lächelte dann, wie eine Blume, die zu lange in der Wüste lebte und plötzlich den Regen empfängt, als eine Gabe des Himmels.
Sven begann, nicht mehr in den Club zu gehen und darüber freute sie sich auch.
Aber ein neues Problem entstand, Sven wurde eifersüchtig. Wie viel Freier hattest du heute, fragte er immer wieder. Schweig, sagte Nuu dann und strich ihm mit einer neuen Zärtlichkeit übers Haar, eine Zärtlichkeit, die einen Keim in ihrem Herzen gepflanzt hatte. Er war ja ein guter Junge, nur schwach.
Empfindest du Lust, wenn du mit deinen Freiern schläfst, will Sven wissen. Es ist nichts, es ist weniger als nichts, meine Seele ist nicht bei den Männern, sie mieten nur meinen Körper, antwortet Nuu, und sie begann am Wochenende mit Sven in ihrem Himmelbett zu schlafen, als wäre er der Prinz und sie die Prinzessin. Und manchmal badete sie mit ihm. Wenn wir miteinander schlafen, ist etwas ganz anderes, sagte sie, mein Herz ist bei dir, Junge. Djai ron, dachte sie.
Die Woche bei Hans Kohn hatte sie viel nachgedacht. Sie hatte von dem alten Mann gehört, dass man nur einmal richtig liebt im Leben. Aber sie hatte doch mit Tao nicht die körperliche Liebe erlebt, er ist doch nur ein Kinderfreund. Nuu beginnt zu zweifeln.
Wenn sie so manche Vormittagsstunde vor dem Spiegel sitzt, sieht sie eine schöne Blume. Aber sie weiß, auch im Sumpf blühen schöne Blumen. Doch wenn man sie bricht, werden sie schnell welk.
Sie hat zu Sven nicht die Wahrheit gesagt. Es gab hin und wieder Freier, bei denen sie mehr empfindet, auch die körperliche Lust. In einer tiefen Meditation erfährt sie die Wahrheit hinter der Wahrheit, nicht Sven erleidet dabei einen Schaden, sie selbst ist in höchster Gefahr, dabei ihre Fähigkeit zum Lieben zu verlieren. Diese Fähigkeit ist ein kostbares Gut.
Auch das war ihr in den Gesprächen mit Hans Kohn klar geworden. Nicht mehr lieben zu können bedeutet dasselbe, wie seinen eigenen Vater zu töten. Durch Hans Kohn war ihr klar geworden, was es heißt, ein Leben ohne Liebe zu führen. Die Sexualität macht uns blind für die Sprache des Herzens. Sunnak, Spaß haben, aber das ist vergänglich, suay, schön sein, vergeht. Aber subai dii, sich Wohlfühlen und gut sein, das bleibt erhalten, wenn man auf sich aufpasst.
Und in ihrer Medidation erfährt sie, die dreifache Wahrheit dieser Dinge, die es gilt in Eintracht zu bringen.
Je mehr sie Hans Kohn vergisst, um so mehr wurde ihr manches klar, was sie aus seinem Leben lernen konnte.
Aber er zeigte sich so rücksichtsvoll ihr gegenüber, und sie wusste, der alte Mann liebte sie, als wäre die Seele seiner Judith in ihr wieder erstanden.
In der vierten Woche fahren sie des Nachts durch die warme Nacht auf den ruhigen Straßen der Stadt. Jane sitzt hinten und träumt. Die Fenster sind geöffnet und die laue Luft streichelt ihr Gesicht. Nuu denkt an Sven. Gestern erst sagte er mit einer Stimme, die von Tränen erstickt war wie einer Pflanze die Luft zum Atmen fehlt. Musst du denn unbedingt als Hure arbeiten, ich liebe dich doch, Nuu.
Sie hat ihn gestreichelt, in seiner Schwäche liegt seine Kraft. Die Kraft der Liebe. Wir brauchen doch das Geld, Junge. Meine Arbeit ist nichts, glaube es mir. Aber sie fühlte sich nicht gut dabei. Und Tao?
Die Beatles singen wie immer aus dem Radio, und der Fahrer raucht ohne Unterlass. Da klingelt sein Telefon.
Er nimmt das Handy ans Ohr. Nuu hört verträumt zu.
Ja, ja, sagt der Fahrer, natürlich.... er stutzt.... nicht Nuu, sagt er, dann die Afrikanerin, ja klar, unter denselben Bedingungen. Wie sie heißt? Sie heißt Jane.
Nuu schaut ihn fragend an.
Es ist dein alte Mann, sagt der Fahrer und wendet das Auto.
Er möchte nicht dich, er möchte Jane. Nicht mich, sagt Nuu leise, und sie hat das Gefühl, ihr stoße jemand ein Messer ins Herz...
Als sie vor dem Haus halten, fragt Jane, wie heißen alter Mann?
Kohn, sagt Nuu tonlos, er wohnt in der dritten Etage...
Die Zeit vergeht. Jede Sekunde ist weniger als ein Atemzug, aber in den Minuten beginnen wir zu leben, bis sie zu Stunden anwachsen wie Triebe an Bäumen, und aus den Stunden werden Tage, aus den Tagen Wochen, und die Jahre sind die Äste eines Baumes, der sich in dieser Zeit Ringe zulegt, so wird dicker der Stamm...
Nuu denkt in den ersten Tagen oft an Hans Kohn, doch nach zwei Wochen ist sie wieder in ihrem Leben angelangt, wie ein Schiff auf seine Bahn. Es kommen Tage, da lacht die Sonne und andere, da regnet es, weil der Himmel weint um die Vergänglichkeit der Welt.
Nuu hatte sich mit Hans Kohn unterhalten, als führe sie Gespräche mit ihrem Großvater. In dieser einen Woche ist der Freier zu einem Großvater geworden. Aber sie beginnt ihn zu vergessen, und manchmal denkt sie, wenn er anrufen würde, ich könnte auch wieder seine Hure sein.
Trotzdem wirken wie unsichtbare Flüsse im Berg viele Momente mit ihm nach, da sie doch eine ganze Woche bei ihm war.
Nuu, hatte Hans Kohn gesagt, du kannst nicht nur so leben, als befändest du dich hier in Deutschland fünf Jahre im Urlaub, in jedem Moment lebst du und was kommt, ist immer ungewiss. Der Junge hier liebt dich, was weißt du, was mit Tao wird. Fünf Jahre sind eine lange Zeit...
An den ruhigen Tagen meditiert sie, und sie erkennt, die Zukunft ist hinter dichte Nebel verborgen.
In der Woche, in der sie nicht bei dem Jungen war, hat er die Fenster und die Tür der Küche gestrichen, auch fand sie sein Zimmer aufgeräumt.
Sie schlief mit ihm, und als seine jungen Arme sie hielten, flüsterte sie seinen Namen. Sven. Die Woche der Trennung hatte ihnen beiden gut getan.
Sven bekam vom Arbeitsamt eine Ausbildung finanziert, er wollte die Hauptschule abschließen und noch einmal eine Lehre beginnen. Er wollte Elektriker werden.
Vielleicht, Nuu, sagte er, kann ich später mit dir nach Thailand gehen und dort als Elektriker arbeiten. Nuu sah ihn nur erstaunt an, aber sie lächelte dann, wie eine Blume, die zu lange in der Wüste lebte und plötzlich den Regen empfängt, als eine Gabe des Himmels.
Sven begann, nicht mehr in den Club zu gehen und darüber freute sie sich auch.
Aber ein neues Problem entstand, Sven wurde eifersüchtig. Wie viel Freier hattest du heute, fragte er immer wieder. Schweig, sagte Nuu dann und strich ihm mit einer neuen Zärtlichkeit übers Haar, eine Zärtlichkeit, die einen Keim in ihrem Herzen gepflanzt hatte. Er war ja ein guter Junge, nur schwach.
Empfindest du Lust, wenn du mit deinen Freiern schläfst, will Sven wissen. Es ist nichts, es ist weniger als nichts, meine Seele ist nicht bei den Männern, sie mieten nur meinen Körper, antwortet Nuu, und sie begann am Wochenende mit Sven in ihrem Himmelbett zu schlafen, als wäre er der Prinz und sie die Prinzessin. Und manchmal badete sie mit ihm. Wenn wir miteinander schlafen, ist etwas ganz anderes, sagte sie, mein Herz ist bei dir, Junge. Djai ron, dachte sie.
Die Woche bei Hans Kohn hatte sie viel nachgedacht. Sie hatte von dem alten Mann gehört, dass man nur einmal richtig liebt im Leben. Aber sie hatte doch mit Tao nicht die körperliche Liebe erlebt, er ist doch nur ein Kinderfreund. Nuu beginnt zu zweifeln.
Wenn sie so manche Vormittagsstunde vor dem Spiegel sitzt, sieht sie eine schöne Blume. Aber sie weiß, auch im Sumpf blühen schöne Blumen. Doch wenn man sie bricht, werden sie schnell welk.
Sie hat zu Sven nicht die Wahrheit gesagt. Es gab hin und wieder Freier, bei denen sie mehr empfindet, auch die körperliche Lust. In einer tiefen Meditation erfährt sie die Wahrheit hinter der Wahrheit, nicht Sven erleidet dabei einen Schaden, sie selbst ist in höchster Gefahr, dabei ihre Fähigkeit zum Lieben zu verlieren. Diese Fähigkeit ist ein kostbares Gut.
Auch das war ihr in den Gesprächen mit Hans Kohn klar geworden. Nicht mehr lieben zu können bedeutet dasselbe, wie seinen eigenen Vater zu töten. Durch Hans Kohn war ihr klar geworden, was es heißt, ein Leben ohne Liebe zu führen. Die Sexualität macht uns blind für die Sprache des Herzens. Sunnak, Spaß haben, aber das ist vergänglich, suay, schön sein, vergeht. Aber subai dii, sich Wohlfühlen und gut sein, das bleibt erhalten, wenn man auf sich aufpasst.
Und in ihrer Medidation erfährt sie, die dreifache Wahrheit dieser Dinge, die es gilt in Eintracht zu bringen.
Je mehr sie Hans Kohn vergisst, um so mehr wurde ihr manches klar, was sie aus seinem Leben lernen konnte.
Aber er zeigte sich so rücksichtsvoll ihr gegenüber, und sie wusste, der alte Mann liebte sie, als wäre die Seele seiner Judith in ihr wieder erstanden.
In der vierten Woche fahren sie des Nachts durch die warme Nacht auf den ruhigen Straßen der Stadt. Jane sitzt hinten und träumt. Die Fenster sind geöffnet und die laue Luft streichelt ihr Gesicht. Nuu denkt an Sven. Gestern erst sagte er mit einer Stimme, die von Tränen erstickt war wie einer Pflanze die Luft zum Atmen fehlt. Musst du denn unbedingt als Hure arbeiten, ich liebe dich doch, Nuu.
Sie hat ihn gestreichelt, in seiner Schwäche liegt seine Kraft. Die Kraft der Liebe. Wir brauchen doch das Geld, Junge. Meine Arbeit ist nichts, glaube es mir. Aber sie fühlte sich nicht gut dabei. Und Tao?
Die Beatles singen wie immer aus dem Radio, und der Fahrer raucht ohne Unterlass. Da klingelt sein Telefon.
Er nimmt das Handy ans Ohr. Nuu hört verträumt zu.
Ja, ja, sagt der Fahrer, natürlich.... er stutzt.... nicht Nuu, sagt er, dann die Afrikanerin, ja klar, unter denselben Bedingungen. Wie sie heißt? Sie heißt Jane.
Nuu schaut ihn fragend an.
Es ist dein alte Mann, sagt der Fahrer und wendet das Auto.
Er möchte nicht dich, er möchte Jane. Nicht mich, sagt Nuu leise, und sie hat das Gefühl, ihr stoße jemand ein Messer ins Herz...
Als sie vor dem Haus halten, fragt Jane, wie heißen alter Mann?
Kohn, sagt Nuu tonlos, er wohnt in der dritten Etage...
Mukono - 20. Mai, 18:05
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